Direkte Links und Access Keys:

Rheintaler, 31. Juli 2012, 19:21 Uhr

Ein vorsätzlich Wahnsinniger

Olten – Zürich Hardturm – London City: Ramon Vega will's wissen. Zoom

Olten – Zürich Hardturm – London City: Ramon Vega will's wissen. (Bild: Abbie Trayler-Smith / Panos)

Die Adresse ist doch beeindruckend: 80 Park Lane, Mayfair. Eingeklemmt zwischen Luxushotels, Botschaften und Nobelgaragen mit Schaufenstern voll gleissender Superkarossen liegt das Bürozentrum, wo sich Ramon Vega eingemietet hat.


Hanspeter Künzler

Ramon Vega, ursprünglich Oltner, Ex-Fussballer, ehemaliger Nationalspieler und einer der ersten Schweizer, die sich in der Premier League etablieren konnten. Unvergessen ist sein Sprint im Liga-Cup-Final 1999, als er in den Reihen von Tottenham Hotspurs stand und Leicester City besiegte: Heskey samt Ball befand sich mutterseelenallein auf dem Weg Richtung Spurs-Tor, da kam aus dem Nichts dieser Vega herangeprescht, der wahrscheinlich vorher noch nie in seinem Leben so schnell gerannt war, und grätschte ihm den Ball vom Fuss, und erst noch ohne dabei einen Penalty zu verschulden!

Gerade in diesem grossen Spiel musste der hünenhafte Schweizer Verteidiger indes erleben, wie nahe im Fussball Euphorie und Enttäuschung beieinanderliegen. Er brach sich den Knöchel. Andererseits war es genau diese Art von Rückschlägen, die ihn am Ende für den Kampf des Geschäftslebens gerüstet hat. Der Stress, das Auf und Ab, die Euphorie, dann die Enttäuschung, wenn man knallhart wieder heruntergeholt wird – «es ist hart», sagt er. «Aber es ist gut, dass man auch verliert. Denn man lernt nur vom Verlieren.»

Lob des KV

Vega gehörte zu den Ersten, die bei den Grasshoppers die Möglichkeit hatten, Fussball mit der Berufsschule zu kombinieren. Er absolvierte das KV, und ebendiese Lehre, so stellte er schnell einmal fest, hob ihn vom «normalen» englischen Fussballer ab: «Ich habe keinen einzigen in dieser Liga kennengelernt, der eine rechte Ausbildung hatte.»

Als sich Vegas Aktivkarriere dem Ende zuneigte, verbrachte er seine Vormittage zur Weiterbildung in einer Business-Schule, am Nachmittag ging er – nun beim FC Watford – zum Training. 2004, 33-jährig, trat Vega endgültig zurück. Zu dem Zeitpunkt war er bereits Partner einer Firma, die sich auf Hedge-Funds spezialisierte. «Die Hürden waren wahnsinnig», sagt er heute. «Ein Ex-Fussballer! Was will so einer in der Finanzbranche?»

Nach zwei Jahren voller Anlaufschwierigkeiten hätte Vega fast aufgegeben. «Aber da half mir die Mentalität, die ich beim Fussball erlangt hatte. Die Disziplin und die psychologische Härte – jetzt erst recht!»

Brutale Vorteile

2008 gründete Ramon Vega seine ganz und gar eigene Firma: Vega Swiss Asset Management. Angesichts der weltweiten Finanzkrise scheint der Zeitpunkt eher unglücklich. «Ja und nein», entgegnet Vega. «Manche sagten zwar tatsächlich, ich sei wahnsinnig. Aber gerade wenn die Zeiten schlecht sind, muss man anfangen. Nur wenn die Zeiten schlecht sind, kann man lernen!»

Sechs Leute arbeiten heute bei VSAM, und Ramon ist noch auf der Suche nach Verstärkung. Ein «brutaler Vorteil» seien die Menschenkenntnisse, die er sich als Fussballer mit internationaler Umgebung angeeignet habe. Im Weiteren komme es ihm nun zugute, dass er sich nur habe durchsetzen können, indem er Vorurteilen mit umfassender Sachkenntnis begegnen konnte.

Sein grosser Trumpf als Geschäftsmann sei die Mischung von Schweizer Mentalität und angelsächsischer Kultur: «Opposites attract!», sagt er, es sei wie ein Puzzle. Konservativ und aggressiv! Das Beste der beiden Mentalitäten zusammenbringen und so eine Philosophie im Money-Management aufbauen. Seine beiden Buben, 3 und 5, seien richtige kleine Engländer: «Ich fühle mich daheim. Aber nach Zürich gehe ich trotzdem immer gern.»



Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Tippen & Gewinnen

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg

 ...

Service Bäderbericht

Badewetter

facebook.com / tagblatt

 ...