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Rheintaler, 19. Juli 2012, 09:47 Uhr

Kloten Flyers droht neue Klage

Ausgebootete Investoren wollen Konventionalstrafe einfordern

Mit dem in Kloten nicht mehr erwünschten Trainer Anders Eldebrink wurde eine Einigung über die Vertragsauflösung gefunden. Zoom

Mit dem in Kloten nicht mehr erwünschten Trainer Anders Eldebrink wurde eine Einigung über die Vertragsauflösung gefunden. (Bild: Keystone / Klaunzer)

Die Kloten Flyers haben die Lizenz für die neue Saison erhalten. Alle Probleme sind damit aber nicht vom Tisch. Eine kanadisch-schweizerische Gruppe will den Klub verklagen und 500 000 Franken eintreiben.


Andreas Schmid, Daniel Germann

Der Schweizerische Eishockeyverband hat den Kloten Flyers am Mittwoch die Spielberechtigung für die nächste Nationalliga-A-Saison erteilt unter der Auflage, dass der Verband monatlich über die Finanzen der EHC Kloten Sport AG informiert wird. Damit sei das Sanierungsverfahren abgeschlossen, teilte deren Vertreter in einem Communiqué mit. Zudem wurde mit dem bisherigen schwedischen Trainer Anders Eldebrink, der nicht mehr erwünscht ist, eine Einigung über die Vertragsauflösung erzielt.

Seit Januar verhandelt

Auf die Gesellschaft und ihre neuen Besitzer Philippe Gaydoul und Thomas Matter kommt aber auch neues Ungemach zu. Während bereits der abgesetzte Assistenztrainer Felix Hollenstein juristisch gegen den Klub vorgeht, stellt jetzt auch eine zuvor an einer Übernahme der Flyers interessierte Investorengruppe eine Klage in Aussicht. Die Bündner Unternehmer Mattias Bulfoni und Mario Candreia sowie die ehemaligen kanadischen Eishockeyprofis Alexander Daigle und Manny Fernandez erwägen, auf rechtlichem Weg 500 000 Franken von der Kloten Flyers Sport AG – diese Gesellschaft führte den Klub vor dem Neuanfang – einzufordern.

Der Betrag entspricht den Konventionalstrafen, die in Absichtserklärungen zwischen den Investoren und damaligen Verwaltungsräten – unter anderem dem Präsidenten Jürg Bircher – festgelegt worden waren. Eine erste Vereinbarung hatten beide Seiten bereits Anfang Januar unterschrieben, die zweite im Mai. Die Strafen in der Höhe von je 250 000 Franken sollten fällig werden, wenn die Kloten Flyers Sport AG an andere private Interessenten ginge und/oder wenn das Stillschweigen über die Verhandlungen gebrochen würde.

Da Gaydoul und Matter zum Zug kamen und kurz vor deren Eingreifen auch die Bemühungen der kanadisch-schweizerischen Gruppe publik wurden, erachtet diese die Bedingungen für das Einfordern der Geldstrafen als erfüllt. «Die neuen Besitzer übernehmen alles aus der AG, auch die Altlasten», sagt Mattias Bulfoni. Deshalb hafteten sie für die Vereinbarungen, die von damals unterschriftsberechtigten Verwaltungsräten gutgeheissen worden seien.

Der Anwalt Klotens bleibt gelassen

Der mit der Sanierung der Kloten Flyers betraute Daniel Hunkeler weiss nichts von der in Aussicht gestellten Klage. Man sei bisher nicht darüber informiert worden, sehe aber allfälligen rechtlichen Schritten der Gruppe «mit Gelassenheit» entgegen.

Laut Mario Candreia hatte seine Seite mehrere Millionen Franken für die Sanierung der Kloten Flyers bereitgestellt; einerseits Geld von kanadischen Investoren, zum anderen finanzielle Mittel aus der Schweiz. Bulfoni und Candreia besitzen eine Klinik und haben Firmen im Ausland. Doch die Task-Force um Peter Bossert habe sie stets hingehalten, ärgert sich Candreia. Mit Bircher habe man den Kauf einer Zweidrittelmehrheit der Aktien abgemacht, die Grösse dieses Pakets habe aber von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde variiert – und «plötzlich waren es nicht einmal mehr 50 Prozent», sagen Candreia und Bulfoni.

Ihr Sanierungskonzept hätten sie der Nationalliga vorgelegt, so Candreia. Bis heute habe er keine Reaktion darauf erhalten. Offensichtlich seien die Pläne des Verbandspräsidenten Gaydoul – sie sähen den Vorschlägen seiner Gruppe verblüffend ähnlich – der Nationalliga gelegener gekommen. «Im Gegensatz zu Gaydoul und Matter planten wir allerdings mit Felix Hollenstein als Cheftrainer», sagt Candreia. «Wir hatten bereits Gespräche mit ihm geführt.»

Enorme Lohnkosten

Die Kloten Flyers zahlten ihre Spieler fürstlich. Aus der Lohnliste der letzten Saison, in die die NZZ Einblick hatte, wird beispielsweise ersichtlich, dass der Finne Tommi Santala und der Kanadier Michael Dupont ein Jahresgehalt von 700 000 Franken bezogen, Roman Wick 600 000 Franken kassierte, Félicien Du Bois 500 000 Franken, der Goalie Ronnie Rüeger 430 000 Franken und Romano Lemm sowie Benjamin Winkler je 400 000 Franken.

Auf der anderen Seite zeigt die Einsicht in die Bilanz etwa, dass Pensionskassenbeiträge für über 200 000 Franken ausstehen. Der AHV schuldet der Klub sogar 340 000 Franken.



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