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Rheintaler, 9. Juli 2012, 14:59 Uhr

Roger Federer krönt seine goldene Ära

Der siebente Wimbledon-Sieg Roger Federers ist die Krönung seiner goldenen Ära. Federer hatte schon vor dem Sieg vom Sonntag niemandem mehr etwas zu beweisen. Kommentar von Daniel Germann


Daniel Germann

Der Tennissport hat immer von grossen Persönlichkeiten gelebt. Seit der Öffnung der Grand-Slam-Turniere 1968 für die Professionals haben charismatische Spieler wie Rod Laver, Ilie Nastase, Jimmy Connors, Björn Borg, Boris Becker oder Andre Agassi die Szene geprägt. Ivan Lendl war auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges das zu Fleisch gewordene Feindbild aus dem Osten, das sich emotionslos durch das Tableau der Turniere spielte. Sein Gegenpart war der Amerikaner John McEnroe, der seine Gemütslage gut sichtbar für alle durch die Arenen trug und seinem Ärger zur Not auch an einem dekorativen Blumenarrangement Luft verschaffte.

McEnroe ist bis heute eine hoch respektierte Persönlichkeit, die mit ihren fundierten und pointierten Analysen die Tennisszene seziert. Am Samstag erzählte er, als er 1979 gegen Vitas Gerulaitis zum ersten Final des US Open angetreten sei, seien sie beide ausgebuht worden, obwohl sie nur wenige Kilometer von der Turnieranlage entfernt aufgewachsen waren und damit eigentlich das Publikum im Rücken hätten haben müssen. Die Zuschauer hätten Jimmy Connors und Björn Borg im Final sehen wollen und gefragt: Was machen die beiden Flegel aus Queens auf dem Centre-Court?

Bilderstrecke: Federer im siebten Himmel

  • Der glückliche Sieger bedankt sich bei seinen Fans mit Küsschen. Das wars's für heute. Bis zum nächsten Mal!

Roger Federer gewinnt am Sonntag seinen siebten Wimbledon-Titel und ist wieder die Nummer eins der Welt.

Was McEnroe mit seiner kleinen Geschichte sagen wollte: Die Vorurteile bekommt man gratis, Respekt hingegen muss man sich zuerst verdienen. In 10, 15 Jahren wird die gegenwärtige Phase in der Retrospektive möglicherweise als die beste in der Geschichte des Männer-Tennis gelten. Nie zuvor haben drei Spieler die Szene derart geprägt. Jeder hatte seine Phase. Zwischen 2003 und 2007 dominierte Roger Federer die Szene ausserhalb von Roland Garros praktisch nach Belieben und gewann 13 von 19 Grand-Slam-Turnieren. Dann begann Rafael Nadal ihm näher und näher zu rücken und fügte ihm im Wimbledon-Final 2008 seine wohl bitterste Niederlage zu. 2011 durchbrach Novak Djokovic die Dominanz des Duos und gewann 3 von 4 Grand-Slam-Turnieren.

McEnroe sagt, es sei für den Rest der Spieler nie zuvor so schwierig gewesen, einen Titel zu gewinnen, weil jeder mindestens zweimal über sich hinauswachsen müsse, um an den grossen drei vorbeizukommen. Die Statistik bestätigt seine Aussage: Letztmals stand am Australian Open 2005 keiner der drei in einem Grand-Slam-Final (Marat Safin - Lleyton Hewitt). Seither haben es an 30 Turnieren nur zehn andere Spieler überhaupt in einen Final geschafft. Nur einer gewann dort auch: Juan-Martin Del Potro am US Open 2009 gegen Federer.

2010 war das Jahr von Nadal, 2011 gehörte Djokovic. Nun könnte 2012 noch einmal zum Jahr von Federer werden. Der Basler gewann seinen ersten grossen Titel nach zweieinhalb Jahren Wartezeit. Und er eroberte gleichzeitig die Weltranglistenführung zurück. Er egalisiert am Montag den Rekord von Pete Sampras von 286 Wochen als Nummer 1. In sieben Tagen wird er alleiniger Rekordhalter sein. Federer wird in einem Monat 31 Jahre alt. Er wird die Szene nicht mehr derart dominieren, wie er das einst getan hat. Der Titel in Wimbledon aber gibt ihm noch einmal Schwung und macht ihn gleichzeitig zum ersten Titelanwärter für das Olympiaturnier, das in drei Wochen auf den Rasenplätzen von Wimbledon beginnt.

Federer hatte schon vor dem Sieg vom Sonntag niemandem mehr etwas zu beweisen. Wer 16 Major-Titel gewonnen hat, der steht über jedem Zweifel. Der 17. ist vor allem für ihn ein ganz besonderer. Nach einigen schmerzlichen Niederlagen wie jener am letzten US Open, als er gegen Djokovic nach einer Zweisatzführung und zwei Matchbällen bei eigenem Aufschlag noch verlor, bestätigt er das, was Federer schon immer gesagt hat und immer mehr anzuzweifeln begannen: nämlich dass er weiterhin in der Lage ist, grosse Turniere zu gewinnen. Schon jetzt wird Federer von den meisten seiner Konkurrenten als bisher bester Spieler bezeichnet. Die Zuschauer bringen ihm auch dann Respekt entgegen, wenn er wie am Sonntag gegen einen Lokalmatadoren antritt. Erst die Zukunft aber wird möglicherweise dem Letzten die Augen öffnen, wie aussergewöhnlich Federers Karriere wirklich ist. Der siebente Wimbledon-Sieg ist die Krönung seiner goldenen Ära.



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