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Rheintaler, 7. August 2012, 22:36 Uhr

Die Nuba als Spielball der sudanesischen Verhandlungen

Der Sudan hat sich grundsätzlich bereit erklärt, den Bewohnern der Nuba-Berge Hilfsgüter zukommen zu lassen. Aber vorher sollen die dortigen Rebellen politisch nachgeben.


Markus M. Haefliger, Nairobi

Am Rande der Gespräche zwischen dem Sudan und dem Südsudan über ausstehende Streitpunkte ist es zu Wochenbeginn in Addis Abeba zu einer prinzipiellen Einigung darüber gekommen, wie der notleidenden Bevölkerung in den Nuba-Bergen geholfen werden soll. Das Gebiet gehört zum sudanesischen Gliedstaat Südkordofan. Weil sich Khartum letztes Jahr weigerte, dort und im weiter östlich gelegenen Teilstaat Blue Nile das umfassende Friedensabkommen von 2005 umzusetzen, griff die Opposition zu den Waffen. Der andauernde Konflikt zieht Not und Flüchtlingselend nach sich.

In den Nuba-Bergen ist die Lage teilweise verzweifelt. Von mehr als einer Million Nuba leben nach Angaben der Nuba Relief, Rehabilitation and Development Organisation (NRRDO), einer den Rebellen nahestehenden Gruppe, 400 000 Bewohner in Gebieten, über die Khartum die Herrschaft verloren hat. Viele von ihnen wurden vertrieben oder gerieten nach Bombardements durch Regierungstruppen in Not. Trotz Appellen der Uno verweigert der Sudan Hilfslieferungen aus dem Norden. Aus dem Südsudan vermag die NRRDO nur spärlich Hilfe in die Rebellengebiete zu bringen. Seit Einsetzen der Regen ist das Gebiet kaum mehr zu erreichen. Das Lager Yida südlich der Grenze wächst täglich und ist mit 70 000 Bewohnern überfüllt.

Laut den Meldungen aus Addis Abeba will Khartum nun Hilfskorridore nach Südkordofan und Blue Nile zulassen. Örtliche Waffenstillstände sollen Verteilungen ermöglichen. Aber Khartum und die Rebellen des Sudan People's Liberation Movement / North (SPLM-N) misstrauen einander so sehr, dass sie nur indirekt über die Vermittler der Arabischen Liga, der Uno und der Afrikanischen Union miteinander reden. Khartum möchte verhindern, dass Lieferungen in die Hände des SPLM-N fallen, während die Aufständischen ihre Geländegewinne nicht zur Disposition stellen wollen. Ein Abkommen wäre wohl erst von Dauer, wenn sich eine politische Lösung im Konflikt abzeichnete. Das SPLM-N verlangt für die betroffenen Gebiete Teilautonomie; das Regime al-Bashir in Khartum will jedoch im Süden nach der Abspaltung des Südsudans keine weiteren Einschränkungen seiner Souveränität dulden.

Der innersudanesische Konflikt wirft auch auf die Verhandlungen zwischen dem Sudan und dem Südsudan einen langen Schatten. Khartum wirft dem Südsudan vor, die ehemaligen Waffenbrüder des SPLM-N zu unterstützen. Wie erst kürzlich bekanntwurde, räumte der südsudanesische Präsident Salva Kiir vor einem Jahr gegenüber Washington eine solche Hilfe ein, gelobte jedoch Besserung. Die Aufstände in Südkordofan und Blue Nile bilden zusammen mit den weit voneinander abweichenden Vorstellungen über den Grenzverlauf die wichtigsten Hindernisse auf dem Weg zu einer friedlichen Koexistenz der beiden Sudan.



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