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Rheintaler, 8. August 2012, 13:09 Uhr

Die italienische Doyenne des Stils

Anna Piaggi: Ihre schillernde Erscheinung wird man vermissen. Zoom

Anna Piaggi: Ihre schillernde Erscheinung wird man vermissen. (Bild: Keystone / AP)

Sie war eine aus einer Zeit, die es lange nicht mehr gibt, als das Modefach kein Multimilliarden-Business, sondern ein eleganteres Kunstgewerbe war, und gerade deshalb faszinierte ihre flamboyante Erscheinung bis zum letzten Tag: Anna Piaggi, diese Woche 81-jährig verstorben, war «die letzte grosse Autorität des Sichherausputzens», wie ihr Freund und Weggefährte Manolo Blahnik sie einst nannte.


Sie war eine aus einer Zeit, die es lange nicht mehr gibt, als das Modefach kein Multimilliarden-Business, sondern ein eleganteres Kunstgewerbe war, und gerade deshalb faszinierte ihre flamboyante Erscheinung bis zum letzten Tag: Anna Piaggi, diese Woche 81-jährig verstorben, war «die letzte grosse Autorität des Sichherausputzens», wie ihr Freund und Weggefährte Manolo Blahnik sie einst nannte.

Anna Piaggis Stil war immer ein radikal eigener. Die 1931 in Mailand geborene Tochter aus gutem Hause, die sechs Sprachen beherrschte und ihre Laufbahn als Übersetzerin beim Mondadori-Verlag begann, kleidete sich früh exzentrisch. Ihre Inspirationen fand die junge Modejournalistin in den sechziger Jahren auf der Portobello Road in London, wo sie historische Kostüme kaufte, sowie ab den siebziger Jahren im kreativen Dialog mit Karl Lagerfeld, der Designer bei Chloé war und dessen Muse sie wurde.

Anna Piaggi trug nicht, was Designer auf dem Laufsteg vorschlugen, sondern schuf mit ihrer umfassenden Garderobe, die schon 2006 anlässlich einer Schau im Londoner Victoria & Albert Museum 2865 Kleidungsstücke und 265 Paar Schuhe umfasste, stets wieder neue und überraschende, schräge Kombinationen, oft gekrönt von einem kleinen, schräg über ihren blau gefärbten Locken sitzenden Hütchen von Stephen Jones, den sie entscheidend förderte. Ihr erklärtes Motto war es, nie zweimal im selben Outfit gesehen zu werden. Anna Piaggi war damit eine Ikone des Self-Designs und des Mix & macht, lange bevor diese Begriffe zu populären Stilmustern unserer Zeit wurden.

Anne Piaggi mit extravagantem Hut (3.v.r.) an einer Schau der Mailänder Modewoche im Herbst 2009. Zoom

Anne Piaggi mit extravagantem Hut (3.v.r.) an einer Schau der Mailänder Modewoche im Herbst 2009.
(Bild: Keystone / AP)

Das Patchwork war auch Anna Piaggis berufliches Darstellungsmittel: Ihre «doppio pagina» in der italienischen «Vogue», eine von Hand collagierte Doppelseite mit Textschnipseln, Schnappschüssen, inszenierten Bildern und Anekdoten war für die Modewelt eine wichtige Inspirationsquelle. Ein zur Unzeit wieder vom Markt genommenes Meisterstück war in den achtziger Jahren auch das Magazin «Vanity», in dem Piaggi der Modeillustration eine letzte grosse Bühne gab. Der Legende nach schrieb sie ihre Texte auf einer roten Olivetti-Schreibmaschine, die sie 1969 gekauft hatte.

Standfestigkeit zeigte Anna Piaggi auch im Privaten: Sie war seit 1962 mit dem fünf Jahre älteren Modefotografen Alfa Castaldi verheiratet, der in seiner Glanzzeit die Kampagnen für Missoni, Giorgio Armani, Laura Biagiotti, Fendi, Gianfranco Ferré oder Karl Lagerfeld fotografierte und der 1995 starb.

Noch im Frühling dieses Jahres sass Anna Piaggi während der Mailänder und Pariser Modeschauen in der ersten Reihe. Man wird ihre schillernde Erscheinung dort künftig vermissen.



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