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Rheintaler, 7. August 2012, 13:28 Uhr

«Lasst die Wissenschaft beginnen!»

Der bisher grösste und komplexeste Mars-Rover ist erfolgreich gelandet.«Curiosity» soll nun herausfinden, ob auf dem roten Planeten je lebensfreundliche Bedingungen herrschten.


Alice Kohli

Der Applaus, die Jubelrufe und Umarmungen wollten kein Ende nehmen. Kurz nach halb 11 Uhr nachts pazifischer Zeit (etwa 7 Uhr 30 mitteleuropäischer Zeit) wurde im Kontrollraum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien, die erfolgreiche Landung des Mars-Rovers«Curiosity» vermeldet.

Es war eineäusserst komplizierte Mission, das Vehikel der Grösse eines Personenwagens und mit einem Gewicht von knapp 900 Kilogramm auf dem Mars zu placieren. Anders als die bisherigen Rover«Sojourner»,«Spirit» und«Opportunity» konnte«Curiosity» nicht auf einem Luftkissen gelandet werden.

Stattdessen hatten die Wissenschafter für«Curiosity» einen geradezu irrwitzigen Landevorgang geplant: Nach dem Eintritt in die Marsatmosphäre entfaltet sich ein Fallschirm und bremst den Fall der Sonde ab. Dann wird zunächst der Hitzeschild abgeworfen und danach die restliche Verkleidung mitsamt Fallschirm. Wasübrig bleibt, ist ein Landekran, an dem der Mars-Rover befestigt ist. Raketenmotoren bremsen diesen ab, während er– 20 Meterüber der Landefläche– beginnt, den Rover abzuseilen.

Minuten des Schreckens

Als«seven minutes of terror» oder«sieben Minuten des Schreckens» deklarierten die Forscher dieses Prozedere im Vorfeld. Da die Landung automatisch erfolgen musste, blieb dem Nasa-Team im Kontrollraum nichts anderesübrig, als in diesen Minuten des Schreckens gebannt auf Signale von«Curiosity» zu warten.

Knackpunkt Kommunikation

DieÜbertragung des Signals zur Erde sorgte für zusätzliche Schweisströpfchen auf der Stirn der Wissenschafter. Denn für die Kommunikation mit«Curiosity» ist eine Verbindung mit einem Mars-Satelliten nötig, zum Beispiel«Odyssey». Dieser ist eine von drei aktiven Sonden, die den Mars umkreisen. Alle drei können Signale von«Curiosity» empfangen, aber nur«Odyssey» war während der Landung imstande, die Informationen ohne Zeitverzögerung zur Erde zu schicken. Deshalb bangten die Astronomen bis zuletzt um die Funktionstüchtigkeit dieser Datenübertragung. Hätte es diesbezüglich Probleme gegeben, hätte die Informationüber die geglückte Landung möglicherweise noch Tage auf sich warten lassen.

Die Anspannung vor der Landung war riesig, und dementsprechend gross war die Erleichterung, als die ersten Bilder des Marskraters«Gale» die Erde erreichten, wo«Curiosity» kurz zuvor gelandet war. Da war der Rover schon eine gute Viertelstunde auf dem Mars– so lange dauert dieÜbertragung eines Signals zur Erde.

Amerikanischer Stolz

An der Pressekonferenz im Anschluss an die Live-Übertragung wurde nicht an bedeutungsschweren Formulierungen gespart. Als«ein Ereignis amerikanischen Stolzes» bezeichnete Nasa-Administrator Charles Bolden die Landung. Und setzte nach:«Unsere Führung macht diese Welt zu einem besseren Ort.»

«Long live American Curiosity», sprach dann auch John Holdren, Direktor des amerikanischen Amts für Wissenschaft und Technologiestrategie und damit rechte Hand Obamas in Forschungsfragen. Sein Chef dürfte ob der geglückten Landung hocherfreut sein; erst diesen Frühling hatte sich der Präsident für eine Marsmission ausgesprochen, die in den 2030er Jahren den ersten Menschen auf den roten Planeten bringen soll.

Lebensraum Mars?

Für die Beteiligten der«Curiosity»-Mission kommt nach dem ersten Rausch der Gefühle nun der eigentliche Lohn für die jahrelange Vorbereitungsarbeit.«Let the science begin», hiess es denn auch aus dem Kontrollzentrum des JPL. Der Rover wird nun während eines Marsjahres (98 Erdwochen) laufend Bilder der Marsoberfläche aufnehmen sowie Boden- und Luftproben analysieren.

Ziel dieser Marsmission ist es, zu erfahren, ob der«Gale»-Krater jemals ein potenzieller Lebensraum war. Für die Existenz von Leben werden drei Bedingungen vorausgesetzt: Wasser, eine Energiequelle und spezielle chemische Verbindungen, wie beispielsweise Aminosäuren.

Wasser und Energie sind auf dem Mars vorhanden. Anhand von Mineralien soll nun geprüft werden, ob die richtigen organischen Moleküle auf dem Mars existiert haben. Spuren grüner Männchen werden die Forscher dabei aber keine finden: Spezialisten gehen davon aus, dass Leben auf dem Mars höchstens in Form von Mikroben denkbar gewesen wäre.

Konkrete Nachweise für die Existenz marsianischer Lebensformen wird aber auch«Curiosity» nicht erbringen können. Ist die Möglichkeit solcher Lebensformen erst geklärt, muss eine Folgemission Klarheitüber die Marsmikroben liefern. Das bedeutet eine Mission mit noch ausgeklügelteren Geräten– und einer mindestens genauso spektakulären Landung.



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