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Rheintaler, 9. Juli 2012, 21:32 Uhr

AKW bestehen Test trotz offenen Fragen

Das Atomkraftwerk Beznau. Zoom

Das Atomkraftwerk Beznau. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Die AKW würden einem Erdbeben standhalten, wie es nur alle 10 000 Jahre stattfindet, so das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat. Die kleine Sicherheitsmarge beim AKW Mühleberg bietet aber Gegnern eine Angriffsfläche.


Davide Scruzzi

Mit der Überprüfung der Nachweise zur Erdbebensicherheit hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) nun den grössten Teil der Massnahmen nach dem AKW-Unglück von Fukushima abgeschlossen. Keines der AKW würde demnach bei einem Erdbeben, wie es alle 10 000 Jahre «höchstens einmal vorkommt», eine Strahlendosis emittieren, die über der gesetzlichen Limite von 100 Millisievert läge. Daher können die Anlagen in Betrieb bleiben. Die Nachweise sind im Rahmen der bereits vor «Fukushima» begonnenen Pegasos-Studie erstellt worden, die eine herausragende internationale Stellung einnimmt, wie Ensi-Direktor Hans Wanner am Montag in Brugg erklärte. Die Analyse schafft es aber nicht, die Nukleartechnik aus dem Schussfeld ihrer Gegner zu hieven. Die Schweizerische Energiestiftung kritisiert, dass ursprüngliche Gefahrenwerte im Nachhinein entschärft worden seien. Es bleibt in der Tat ein Fragezeichen: Die Modelle werden erst Ende Jahr mit den präzisierten Gefahren-Annahmen neu durchgerechnet. Greenpeace sieht denn in der neuen Bewertung auch einen voreilig erteilten «Persilschein».

Kleine Marge in Mühleberg

Im Fall von Mühleberg hat in den letzten Monaten bereits die angenommene maximale Bodenbeschleunigung von 0,24 g für Bedenken gesorgt, weil aus der ersten Pegasos-Studie die Beschleunigung von 0,39 g resultierte. Ensi-Vizedirektor Georg Schwarz verteidigte den Wert und erklärte, dass den beiden Zahlen auch unterschiedliche Tiefen der Beben zugrunde lägen. In der Darstellung des Ensi waren die ersten Pegasos-Werte mit einer grossen Reserve versehen. Mit zunehmenden Erkenntnissen habe sich eine tiefere Beschleunigung ergeben. Die relevanten Anlagen auf dem Kraftwerkgelände verfügen freilich meist über grosse Sicherheitsmargen. Anders der Wohlensee-Staudamm oberhalb des AKW Mühleberg. Jene Beurteilung erfolgte durch die Talsperren-Abteilung des Bundesamts für Energie. Mit Blick auf die Stabilität des Damms stellte Schwarz fest, dass der Spielraum «kleiner sei» als jener der AKW-Anlagen – dem Vernehmen nach liegt der Wert nah bei 0,24 g. So begrüsst das Ensi, dass die BKW Massnahmen zur Erhöhung der Dammsicherheit mittels Pfählen in Angriff nimmt. Der Weiterbetrieb des AKW wäre ja infrage gestellt, wenn die Pegasos-Studie am Schluss doch wieder von höheren Werten ausginge. – Mühleberg ist schon seit Jahren Zielscheibe der AKW-Gegner. Das Bundesgericht muss nun über die Weiterführung der unbefristeten Betriebsbewilligung entscheiden.

Im Rahmen der Erdbeben-Nachweise wurden zuerst jene Systeme definiert, die bei einer schweren Naturkatastrophe funktionsfähig bleiben müssen. Das sind die Mittel zur Unterbrechung der Kettenreaktion (etwa die Regelstäbe), gewisse Ventile und die Kühlsysteme. Dabei ist weiterhin Redundanz nötig – für jede Funktion muss ein Ersatz da sein. Die Grundlagen für die zu erwartenden Erdbebenkräfte sind vom Ensi mit Nachrechnungen stichprobenweise überprüft worden, dabei ist es zum Teil gegenüber den Analysen der Betreiber zu anderen Ergebnissen gekommen. Bei den Risiken stehen nicht besonders schwere Beben im Vordergrund, die ohnehin geologisch nur in relativ grosser Entfernung denkbar seien, sondern mittelstarke Beben nahe den Nuklearanlagen, so Georg Schwarz.

Kritik an Personal in Gösgen

Im Fall des AKW Mühleberg verlangt das Ensi nun eine Vervollständigung der Analysen zur Stabilität der nahen Stauanlagen und gewisser Aspekte des Einfahrens der Steuerstäbe. In Leibstadt muss die Fixierung der Brennelemente noch dokumentiert werden, für Beznau werden Angaben zu einem Ventil und zum Füllstand des Brennelement-Lagerbeckens verlangt.

Beim AKW Gösgen ist die Sicherheit laut Ensi zwar grundsätzlich gegeben, stark bemängelt wird aber die Arbeitsweise des für die Sicherheitsanalysen zuständigen Personals – ein Sachverhalt, der dem Ensi offenbar schon lange ein Dorn im Auge ist. Unterlagen zur Erdbebensicherheit des AKW Gösgen mussten als unvollständig zurückgewiesen werden und lagen erst vor kurzem in einer definitiven Version vor. Auch müssen die Betreiber in Gösgen weitere Analysen zum Funktionieren eines Ventils zur Kernkühlung, zu Wechselwirkungen im Reaktordruckbehälter und zu Auswirkungen von Lecks des Brennelementbeckens nachreichen.

Die AKW-Betreiber erklärten am Montag, den Verpflichtungen nachzukommen. Seitens des Kantons Bern, des Hauptaktionärs der BKW, werden unabhängige Zweitmeinungen verlangt.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
Punto (11. Juli 2012, 08:10)
Das sind

sehr gewagte Versprechen. Die Natur ist nicht berechenbar!

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trommler (10. Juli 2012, 23:37)
...ab Besten gar nichts mehr glauben!...

Ist ja krass, was in den Berichten über die Nachlässigkeiten und Versagen über Fukushima herausgekommen ist. Die neuen Berichte und Aussagen in der Schweiz erinnern an das Gehabe in Japan. Es ist immer wieder das Selbe: Es scheint den Betreibern nur ums Geld zu gehen. Die Sicherheit ist unangenehme Nebensache.... Leute es braucht Alternativen! Und wenn man will, geht es auch ohne AKWs, daran glaube ich! (anderer Bereich: längst wären Autos mit viel weniger Verbrauch möglich....nur ist daran die ErdölLobby nicht interessiert und zahlt Geld dafür, dass Pläne in Schubladen bleiben....)

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