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Rheintaler, 24. Juli 2012, 22:43 Uhr

Besser texten mit Simonetta Sommaruga

Bundesrätin Simonetta Sommaruga wünscht sprachlich bessere Unterlagen ihrer Mitarbeiter. Zoom

Bundesrätin Simonetta Sommaruga wünscht sprachlich bessere Unterlagen ihrer Mitarbeiter. (Bild: Peter Klaunzer / Keystone)

SP-Bundesrätin Sommaruga sagt dem Beamtendeutsch den Kampf an. Über hundert zumeist leitende Angestellte ihres Departements müssen in den Schreibkurs.


Markus Häfliger, Bern

Es gab einmal einen Justizminister, der sah sich berufen, den Journalisten Nachhilfe zu erteilen. Sie sollten «Schreiben, was ist», dozierte Christoph Blocher 2005 in einer Rede. Auf Blocher folgte im Justizdepartement Eveline Widmer-Schlumpf, dann kam Simonetta Sommaruga. Doch das Anliegen der besseren Schreibe blieb.

Im Unterschied zu Blocher sieht Sommaruga aber nicht bei den Journalisten Nachholbedarf, sondern bei ihren Beamten. Die SP-Bundesrätin hat über hundert zumeist leitende Departementsmitarbeiter zu einer «Schreibwerkstatt» aufgeboten. Titel der Veranstaltung: «Schreiben fürs Hören». Auslöser für die Weiterbildungsoffensive sind die Sprechnotizen, welche die Bundesrätin von ihren Untergebenen jeweils erhält: Vor Auftritten in Kommissionen, im Parlament oder vor den Medien verfassen die zuständigen Fachleute die Redetexte, die die Bundesrätin dann vortragen soll.

Bü-, Bü-, Bündnerfleisch

Wie solche Textvorlagen aus der Bundesverwaltung klingen können, erlebte die Öffentlichkeit 2010: Der damalige Bundesrat Hans-Rudolf Merz sollte im Parlament eine derart absurde Erklärung zum Bündnerfleisch vortragen, dass er einen Lachanfall erlitt.

Rede von Bundesrat Hans-Rudolf Merz

Quelle: YouTube

So weit ist es bei Sommaruga noch nicht gekommen. Doch auch im Justizdepartement waren viele Originaltexte derart technisch und schwer verständlich, dass ihr Stab jeweils aufwendige Korrekturen vornehmen musste. Das sei für beide Seiten unbefriedigend und könne bei den Verfassern Frust auslösen, sagt Departementssprecher Guido Balmer. Deshalb versucht Sommaruga das Problem nun an der Wurzel zu packen. In eintägigen Seminaren soll der Radiojournalist und Dozent Thomas Kropf den Beamten beibringen, was die Schule zu lehren vergass: Wie man fürs Hören schreibt.

Sommaruga persönlich erklärt den Kursteilnehmern in einem Schulungsvideo, dass es nicht um eine Nebensächlichkeit geht. «Politik ist Überzeugen – Überzeugen ist gute Kommunikation», sagt Sommaruga. Ihr Departement betreibe viel Aufwand, um Gesetzesbotschaften zu erarbeiten, Vernehmlassungen durchzuführen und den Gesamtbundesrat zu überzeugen. Doch wenn der Inhalt nach all diesen Bemühungen «blutleer und abstrakt bleibt, können wir die Leute nicht gewinnen». Dann sei die ganze Arbeit vergebens.

Reden für die «Tagesschau»

Künftig sollen Sprechnotizen deshalb so verfasst sein, dass sie das Interesse der Zuhörer wecken können, fordert Sommaruga. Dafür sei ein spannender Einstieg wichtig und auch die Sprache. «Ich habe den Anspruch, dass ich, wo immer ich spreche, von allen Leuten verstanden werde.» Bei Medienkonferenzen und selbst bei Auftritten im Parlament spreche sie direkt zur Bevölkerung, sagt die Bundesrätin – «das kommt manchmal in der ‹Tagesschau›». Auch konkrete Tipps bleibt sie nicht schuldig. Zum Beispiel: möglichst wenig Fremd- und Fachwörter. Oder: Formulierungen nah an der gesprochenen Sprache. Monströse Wendungen wie «die zu behandelnde Vorlage» sind tabu.

Einen Nachteil nimmt Sommaruga mit dieser Weiterbildungsoffensive allerdings in Kauf: Ihre Chancen, wie weiland Merz zu einem Star auf der Internetplattform Youtube zu werden, sinken damit dramatisch.



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Leser-Kommentare:
4 Beiträge
antonino (27. Juli 2012, 08:13)
Frau Sommaruga

Eigentlich wollte auch ich zu ihrem tun einen kommentar abgeben, aber wie ich sehe hat das Adolfk 31 schon getan. ich bin ganz seiner meinung.
Antonino

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Punto (25. Juli 2012, 07:15)
Unglaublich

wofür sich die Frau Zeit nimmt. Man muss sich schon Fragen, ob sie sonst keine Probleme sieht!

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adolfk31 (24. Juli 2012, 05:50)
Madame, Sie wirken direkt zu flüssig ....

Mit diesem neuen „Hacke schlag“ versucht Sie doch lediglich von den Sie eindeutig überfordernden Problemen abzulenken ! ... Wer stellt schon Personal ein, das nach Ihrem eigene Eingeständnis kaum des Lesen und Schreiben mächtig ist und daher zum „Nachsitzen“ beordert werden muss ? - "Komische Anfragen betreffs finanzieller Geld Verschleuderungen" für amtlich legalisierte Finanzierungen Ihrer verpflichteten Schweizerbotschaften zu den Ausschaffangs Kosten von sich „unanständig verhaltenen Schweizer Bürgern in Asien“ ganz einfach nicht Offen legen will ? ... Daher wurden auch die vollen Erpressungs- und Rückführungs- Kosten von, vor Ihr vorgewarnten amtlichen Genossen, bei nerven kitzelnden Abenteuerreisen in ferne Landen voll an das Steuer zahlende Fussvolk überwälzt. Na, hätten Sie gleich reagiert, wenn ein gestandener Schweizer Unternehmer die Beschäftigungs Möglichkeiten in diesem Gebiet wirtschaftlich auszuloten versucht hätte ?

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unangan (23. Juli 2012, 20:23)
sehr geehrte Frau Bundesrätin

auch ich bin kein Schreibgenie.... Doch der Inhalt sollte mehr Inhalt besitzen, als das korrekte Komma, oder die Gross- und Kleinschreibung.
Was nützt eine korrekte Schreibweise, wenn der Inhalt des Textes nur "Bla,bla..bla..bla vermittelt.
Dieses Geld zur Förderung von korrektem Schreibens investieren Sie, Frau Bundesrätin besser in die Gewandtheit zur "Vokssprache, die auch das "gemeine" Volk versteht.

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