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Rheintaler, 19. Juli 2012, 11:31 Uhr

«Die Gebühren gehören abgeschafft»

Bei Internetbuchungen mit Kreditkarte können Gebühren anfallen. Zoom

Bei Internetbuchungen mit Kreditkarte können Gebühren anfallen. (Bild: Martin Meissner/ Keystone)

Kreditkartengeschäfte haben in der Ferienzeit Hochsaison. Im Endpreis sind oft Gebühren versteckt. Detailhandel und Konsumentenschutz wollen mehr Transparenz oder die Gebühren gleich ganz abschaffen.


Nadine Jürgensen

Wer eine Reise mit e-Bookers.ch buchen möchte und bereit ist, am Ende des Buchungsvorgangs seine Kreditkartenangaben einzutippen, wird merken, dass der Endpreis plötzlich höher wird. Grund dafür ist, dass das Unternehmen eine zusätzliche fixe Gebühr von 7 Franken für die Buchung mit Kreditkarte verlangt. Wer einen Flug mit Swiss wählt, bekommt dazu noch 22 Franken Buchungsgebühren von der Fluggesellschaft weiterverrechnet. Die meisten Konsumenten nehmen dies am Ende des Buchungsvorgangs zähneknirschend in Kauf. Nur wer eine Karte von Postfinance hat, kommt günstiger weg.

Alle zahlen mehr

Gegen diese Gebühren, sogenannte Interchange-Fees (siehe Zusatz), die den Endpreis für Konsumenten verteuern, setzen sich Konsumentenorganisationen und der Detailhandel ein. «Die Gebühren gehören abgeschafft», fordert zum einen Rolf Hartl, Geschäftsführer des Verbands elektronischer Zahlungsverkehr, der die Detailhändler vertritt, genauso wie auch Sara Stalder, die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Für Stalder ist klar: «Letztlich zahlen wir alle teurere Preise, weil die Händler die Gebühren für die Kreditkartenunternehmen einberechnen.» Besser wäre es, so Stalder, die Kreditkartenunternehmen würden höhere Jahresgebühren verlangen und somit jene zur Kasse bitten, die auch tatsächlich eine Kreditkarte besitzen. So müssten die Preise im Detailhandel sinken. Für Hartl gibt es für die Kreditkartenunternehmen zudem genug Möglichkeiten, Geld zu verdienen: «Mit Zins-, Währungs-, Bearbeitungs- und Mahngebühren verdienen die Unternehmen genug. Dazu kommen noch Gebühren für den Bargeldbezug.»

Bei Barzahlung Rabatt

Die Gebühren, die den Händlern von den Kreditkartenherausgebern verrechnet werden, könnten eigentlich transparent und einzeln ausgewiesen werden, wie bei e-Bookers. Dies ist in der Schweiz seit rund zehn Jahren erlaubt. Damals wurde die Diskriminierungsklausel aufgehoben, die verbot, dass Händler für Waren oder Dienstleistungen, die mit Kreditkarte bezahlt werden, höhere Preise verrechnen dürfen. Bis anhin habe dies allerdings wenig genützt, sagt Max Buholzer, geschäftsführender Vizepräsident des Schweizer Detaillistenverbands. «Die Preise müssen gemäss Gesetz im Laden fix angeschrieben sein. Die Händler müssen sich überlegen, welcher Preis ihre totalen Investitionskosten deckt.» Buholzer wie auch Sara Stalder raten deshalb, dass bei grösseren Barzahlungen versucht werden soll, einen Rabatt zu erwirken.

Das ist freilich bei Einkäufen im Internet nicht möglich, wo der Einsatz der Kreditkarte Usus geworden ist. Für Rolf Hartl sollte die Interchange-Fee deshalb zumindest drastisch gesenkt werden: «Der elektronische Zahlungsverkehr nimmt zu: Damit sinken auch die Kosten für die Infrastruktur. Diese Skaleneffekte sollten an den Handel weitergegeben werden.»

Interchange-Fee: versteckte Kommissionen

Jü. Bei den Domestic Multilateral Interchange-Fees handelt es sich um ein Entgelt, das bei inländischen Transaktionen mit Kreditkarten entrichtet wird. Von diesem Vorgang ist der Konsument nicht direkt betroffen. Die Gebühren erheben die Banken als Kartenherausgeber (Issuer) gegenüber den Akzeptanzstellen (Acquirer) und diese wiederum gegenüber den Händlern für die Bereitstellung der Infrastruktur.

2005 hat die Wettbewerbskommission (Weko) die Festlegung der Interchange-Fees durch die Kreditkartenunternehmen als Preisabsprache qualifiziert und eine Untersuchung eingeleitet, die in einer einvernehmlichen Regelung mündete, welche die Gebühren an die objektiven Netzwerkkosten knüpfte. Dadurch senkten sich diese erheblich. Die Regelung wurde 2010 erneuert und läuft am 1. Februar 2013 aus.

Zurzeit untersucht die Weko, ob die bestehende Regelung fortgeführt werden soll oder ob ein neues System, das die EU derzeit testet, eingeführt wird.



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