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Rheintaler, 23. Juli 2012, 07:02 Uhr

Ein Softie zeigt Krallen

SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin hat in der Sonntagspresse einen Angriff auf SVP-Bundesrat Maurer lanciert: Er will verhindern, dass dieser Bundespräsident wird - eine fragwürdige Aktion gegen die Prinzipien der Konkordanz.


René Zeller

Als Nationalrat Andy Tschümperlin im Februar zum neuen Chef der SP-Fraktion gewählt wurde, staunten Insider und Aussenstehende Bauklötze. Der wenig profilierte Schwyzer Nationalrat hatte mit Jacqueline Fehr eine national bekannte Genossin und Fast-Bundesrätin ausgestochen. Die Juso lamentierten, die Wahl Tschümperlins sei ein Entscheid gegen eine starke linke Führung. Das interne Naserümpfen quittierte Tschümperlin damals mit folgenden Worten: «Wer glaubt, ich sei ein Softie, wird mich noch kennenlernen. Ich habe auch eine scharfe Seite. Ich kann mich durchsetzen.»

Klare Kampfansage

Seit seiner Wahl zum Fraktionschef hat Andy Tschümperlin sein Profil nicht wirklich geschärft. Doch jetzt zeigt er Krallen. Via «Sonntags-Blick» greift er Verteidigungsminister Ueli Maurer an. Seine Kampfansage lautet: Der SVP-Bundesrat darf 2013 nicht Bundespräsident werden. «Maurer führt sich wie ein Parteipräsident auf und hat keine Achtung vor den politischen Gegnern.» Die Schweiz könne sich in diesen schweren Zeiten einen solchen Bundespräsidenten «nicht leisten».

Das sind starke Worte für einen, der noch vor kurzem als Softie galt. Das sonntägliche Boulevardblatt hat das politische Knallbonbon denn auch dankbar aufgegriffen und aufgepeppt («SP will Maurer abschiessen»). Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass sich der SP-Fraktionschef vor allem zwecks Selbstprofilierung in Pose wirft.

Fragwürdiges Vorpreschen

Tschümperlins unfreundliches Vorpreschen ist nicht risikolos. Seine Intention läuft den Gepflogenheiten zuwider, die mit der Konkordanz verknüpft sind. Es gehört zu den ungeschriebenen Regeln, dass die Wahl der Bundespräsidenten dem Anciennitätsprinzip folgt. Von dieser Usanz profitiert auch die SP seit Jahrzehnten. Dass Maurer kein aalglatter Bundesrat ist, wussten Tschümperlin & Co. schon, als er im Dezember letzten Jahres zum Vizepräsidenten gewählt wurde. Damals war der SVP-Magistrat weder bei der Wiederwahl in den Bundesrat noch bei der Wahl zum Vizepräsidenten Persona non grata.

Wenn die Fraktionschefs von Bundesratsparteien das Wort ergreifen, hat das Gewicht. Gerade bei Wahlen, die den Bundesrat betreffen, sind sie die Strippenzieher. Wenn Nationalrat Andy Tschümperlin glaubt, ein halbes Jahr vor der Dezembersession die SVP provozieren zu müssen, ist er vielleicht sehr selbstbewusst, vielleicht aber auch sehr unbedarft. Heute notieren wir, dass sich Tschümperlin persönlich gegen Ueli Maurers Wahl zum Bundespräsidenten einsetzen will. Falls er verlieren sollte, steht der Softie ohne Krallen da.



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Leser-Kommentare:
3 Beiträge
deich (23. Juli 2012, 09:12)
Funktionieren

Nun ist Maurer tatsächlich kein Vertreter der ach so geliebten, im Grundsatz jedoch wenig wirksamen Konkordanz im schönen Bern, sondern ein klassischer Parteifunktionär, einer Zunft also, wie man sie halt besonders dem rechten Lager zuordnen kann, bildet doch der Begriff "Oppositionen" stets im Hintergrund eine - allerdings bis anhin unwirksame! - Drohkulisse. Den Hinwiler als Bundespräsident nicht zu wählen wäre trotzdem einem schlechten Politstil zu zu ordnen und auch zwecklos, da das Amt sowieso nur repräsentativen Charakter hat und sich so ziemlich im Abhören von Nationalhymnen und gefälligem Reden im In- und Ausland im Laufe eines Jahres erschöpft. Das ist auch einem wendigen rechten nationalkonservativen Militärradfahrer zu zu trauen. Ein Schaden entsteht dem Land mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

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Nold (23. Juli 2012, 09:07)
SP-Attacke auf BR Maurer

Scheinbar wird der Intrigantenclub von 2007 wieder aktiv. Es ist nicht anzunehmen, dass diese Attacke auf BR Maurer, auf dem Mist von Tschümperlin, dem blass wirkenden Fraktionsvorsitzende der SPS, gewachsen ist.

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unbekannt (22. Juli 2012, 18:15)
die...................

...........dunkelroten schweiz-verkäufer wüten gleichermassen chaotisch weiter wie bis anhin -

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