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Rheintaler, 31. Juli 2012, 16:53 Uhr

Walliser Polizeikommandant in Türkei aus Haft entlassen

Wieder frei: Christian Varone. Zoom

Wieder frei: Christian Varone. (Bild: Keystone / epa)

Der in der Türkei festgenommene Walliser Polizeikommandant, Christian Varone, ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er wird ohne Verzug in die Schweiz zurückreisen.


((sda/dpa))

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft von Antalya wurde allerdings vor der Zweiten Strafkammer Antalya Anklage wegen des Verdachtes auf versuchten Diebstahls türkischer Kulturgüter erhoben.

Die Walliser Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten, Vorsteherin des Departements für Sicherheit, Sozialwesen und Integration, bestätigte auf Anfrage der NZZ den Sachverhalt.

In den Ferien in der Türkei hatte eines der Kinder Varones am Wegesrand in der Nähe einer archäologischen Fundstätte einen Stein aufgehoben und ihn als Feriensouvenir behalten. Bei der Ausreise wurde der Stein von den Zollbeamten offenbar als Bestandteil des «kulturellen und natürlichen Erbes der Türkei» gemäss einem Gesetz aus dem Jahre 1983 identifiziert.

Wie aus türkischen Quellen im Umfeld der Museumsbehörden von Antalya verlautet, soll es sich beim Gegenstand, den die Familie Varone mit sich führte, nicht um einen kleineren Kieselstein gehandelt haben, sondern um ein Stück Marmor. Dieses Stück sei möglicherweise Bestandteil einer Statue; darum hätten die Zollbehörden derart scharf reagiert. «In allen Hotels in der Türkei finden sich eindringliche Warnungen in allen gängigen Sprachen, dass man auf keinen Fall Gegenstände kaufen oder mitnehmen soll, die von archäologischer Bedeutung sein könnten. Es kommt immer wieder vor, dass örtliche Sammler, die nicht selten Fundstätten illegal plündern, Touristen solche Objekte zum Kauf anbieten.»

Verantwortung für Vorfall übernommen

Christian Varone übernahm laut Auskunft eines Familienmitgliedes unverzüglich die Verantwortung für den Vorfall. Seine Frau und die beiden Kinder konnten daraufhin ausreisen. Seit Tagen hatten sich sein Bruder Patrick und die Ehefrau erfolglos versucht, mit dem Inhaftierten in Kontakt zu treten. Auch die Schweizer Botschaft hatte sich in der Zwischenzeit eingeschaltet.

Juristen verweisen darauf, dass sich gemäss türkischem Recht strafbar macht, wer gekaufte oder gefundene Gegenstände ausser Landes schaffen will, die zum «nationalen kulturellen und natürlichen Erbe» gehören könnten.

Politische Ambitionen

Der 49-jährige Jurist Christian Varone leitet die Walliser Kantonspolizei seit dem 1. September 2007. Der Jurist und Anwalt hatte seine Karriere beim Militär und im Walliser Strafvollzug begonnen. Vor seiner Ernennung leitete er die Walliser Strafanstalten.

Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt war Christian Varone beim tragischen Unglück eines Reisecars bei Siders im März dieses Jahres, bei dem 28 Personen, davon 22 Kinder, ums Leben kamen. Beim Einsatz und bei der Bewältigung des Unglücks hatte sich Varone nicht nur als Katastrophenmanager bewährt, sondern war auch durch seine Anteilnahme und seine menschlichen Qualitäten aufgefallen.

Seit einigen Monaten gilt Christian Varone als aussichtsreichster Kandidat der freisinnig-liberalen Partei für die Nachfolge von Regierungsmitglied Claude Roch. In einem recht breiten Teilnehmerfeld, das sich Anfang September 2012 einer Generalversammlung in Riddes stellen wird, sind ihm bisher die besten Chancen auf eine Nomination eingeräumt worden.

Kandidatur gegen Oskar Freysinger

Seine Kandidatur richtet sich nicht zuletzt gegen die Ambitionen von SVP-Nationalrat Oskar Freysinger, der wie Christian Varone aus Savièse stammt. Varone gilt auch darum als ausgezeichnete Wahl, weil er gerade im Bereich der öffentlichen Sicherheit der SVP Paroli bieten könnte. Bei der bisher bekannten Faktenlage dürfte sich der Kieselstein des Anstosses kaum als Stolperstein für die weitere Karriere von Christian Varone erweisen.

Die anderen Parteien haben sich bisher nicht zum Vorfall geäussert oder dann in dem Sinne, dass man das Vorgehen der türkischen Behörden rügt. «Wenn wir jeden Touristen verhaften wollten, der einen Bergkristall als Souvenir mitnimmt, obwohl er kein Strahlerpatent erworben hat, dann wären wir wohl nicht ganz bei Trost», liess sich ein Vertreter einer anderen Partei vernehmen.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolfk31 (01. August 2012, 06:20)
Wie viel ?

Wird uns dieses amtliche „daneben Benehmen“ kosten ? Wie viele Arbeitsstunden kann die Botschaft zum üblichen Ansatz dem Delinquenten verrechnen ? Wird dieser diese Rechnung ordnungsgemäss bezahle, wie alle Schweizer die die Dienste deren Botschaften beanspruchen ? Oder gibt es gegenüber Artgenossen gar einen „Beamtenskonto“ ?

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