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Rheintaler, 8. August 2012, 18:58 Uhr

«Wir machen keine gezielte Jagd auf Touristen»

Muster am Flughafenzoll in Zürich beschlagnahmter Fälschungen. Zoom

Muster am Flughafenzoll in Zürich beschlagnahmter Fälschungen. (Bild: NZZ / Christian Beutler)

Im Sommer herrscht Hochbetrieb am Flughafen Zürich, die Zollstelle hat viel zu tun. Oft kehren Passagiere nicht nur mit schönen Erinnerungen, sondern auch mit gefälschten Waren im Gepäck aus den Ferien zurück.


Miriam Scherer

Uhren, Handtaschen, Portemonnaies, Schuhe, Medikamente, Parfum: Die Liste der beschlagnahmten Produkte liesse sich noch lange fortsetzen. 726 Mal hat die Zollstelle Zürich Flughafen Waren wegen der Verletzung von Marken- oder Designrechten im ersten Halbjahr 2012 zurückbehalten. Das sind etwa 150 Fälle mehr als in derselben Periode des Vorjahres.«Seit 2008 ist die Zahl beschlagnahmter Fälschungen kontinuierlich gestiegen», sagt Daniel Tschudin, Stellvertretender Leiter der Zollstelle Zürich Flughafen. Die gefälschten Produkte stammen grösstenteils aus Südostasien oder der Türkei.

Der Import gefälschter Marken- und Designprodukte ist grundsätzlich verboten, selbst für den Privatgebrauch. Fälschungen jeglicher Art werden am Zoll eingezogen und vernichtet.«Reisende verzichten in der Regel formlos auf die gefälschten Waren», sagt Tschudin. Mit dem Verzicht hat sich die Sache erledigt, eine Busse oder sonstige Strafe ist nicht vorgesehen. In grösseren Fällen informiert der Zoll den Inhaber des jeweiligen Marken- oder Designrechts. Diesem steht die Möglichkeit offen, Schadenersatzforderungen auf zivilrechtlichem Weg geltend zu machen.

Getäuschte Konsumenten

Neben den klassischen Raubkopien, also Luxusgütern wie Handtaschen oder Uhren, werden immer mehr Gegenstände des täglichen Gebrauchs gefälscht. So sind in jüngster Zeit vermehrt gefälschte Batterien, Akkus oder Zahnbürsten im Umlauf. Dies sei eine neue Dimension, sagt Tschudin. Anders als beispielsweise beim Kauf gefälschter Handtaschen, deren Preis um ein Vielfaches niedriger ist als derjenige des Originals, sind gefälschte Alltagsgegenstände nur schwer erkennbar.«Die Konsumenten werden oft selber getäuscht.»

Durch die Massenproduktion seien die Herstellungskosten im Allgemeinen sehr tief, so dass Fälscher selbst mit vermeintlich billigen Produkten einen hohen Gewinn erzielen könnten.«Gefälschte Waren sind jedoch häufig von minderwertiger Qualität. Je nach Produkt können sie sowohl die Sicherheit wie auch die Gesundheit der Konsumenten gefährden», sagt Anastasia Li-Treyer, Präsidentin von Stop Piracy, der Schweizer Plattform gegen Fälschung und Piraterie.

«Keine gezielte Jagd auf Touristen»

Beim Import von Fälschungen gelte es zu unterscheiden, ob die Waren zum Eigengebrauch oder im grossen Stil für gewerbliche Zwecke eingeführt werden, sagt Tschudin.«Der Zoll macht nicht gezielt Jagd auf Touristen, die gefälschte Waren zum Eigengebrauch importieren», stellt Tschudin klar. Falls ein Zöllner bei einer Stichprobe etwas entdecke, könne er aber nicht einfach wegschauen, schliesslich müsse der Auftrag des Gesetzgebers umgesetzt werden.

Von grösserem Interesse seien jedoch die Massenimporte. Unabhängig davon, ob es ein Import zum Eigengebrauch oder zu gewerblichen Zwecken ist: Fälschungen sind oft raffiniert gemacht und schwer vom Original zu unterscheiden.«Man muss auf Erfahrung und Intuition der Mitarbeiter vertrauen», sagt Tschudin.Überdies würden die Markeninhaber oftmals Merkmale definieren, anhand deren das Original zu erkennen sei.

«Jeder Franken ist einer zu viel»

Die Konsumenten seien sich oftmals nicht bewusst, dass die gezielte Verfolgung von Produktpiraterie nicht nur dazu diene, die Markeninhaber vor einem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren. Vielmehr gehe es darum, die Förderung unkontrollierter Produktionsbedingungen zu unterbinden.«Hinter gefälschten Produkten stehen nicht selten kriminelle Organisationen.» Mit dem Kauf von Fälschungen würden die Konsumenten daher kriminelle Machenschaften wie den Drogen- oder Menschenhandel unterstützen, ergänzt Li-Treyer.«Deshalb ist jeder Franken, der in Fälschungen investiert wird, einer zu viel.»



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