Tagblatt Online, 14. Oktober 2011 07:54:00
Das Säuli, das sich gewaschen hat
St.Gallen. Aller guten Dinge sind zwei. Genauso wie es einen alternativen Nobelpreis und ein anderes WEF gibt, findet auch am ersten Messetag eine alternative Olma-Eröffnung statt. Und dies seit urdenklichen Zeiten – also seit mindestens zwanzig Jahren.
Während sich bei der offiziellen Eröffnung die Berufs-Olma-Gäste versammeln, also Verbandsdelegierte, Standesvertreter, Politik- und Armeerepräsentanten, treffen sich bei der alternativen Eröffnung die bekennenden, unerschütterlichen Olma-Liebhaber. All jene also, die nie im Leben – und solange sie leben – während der Olma in die Ferien verreisen würden.
Viele der alternativen Olma-Eröffner waren früher auch einmal bei den Ehrengästen, wurden aber seit ihrer Pensionierung von der Einladungsliste gestrichen.
Damit kann man einen echten Olma-Freund weder abschrecken, noch verdriessen. Einmal VIP, immer VIP. Und so wird der Kreis der Alternativen immer grösser. Beim ersten Treffen war es eine Handvoll Männer, die sich um Kurt Kern versammelten, heute sind es gegen ein halbes Hundert.
«Alternative Olma-Eröffnung» ist der eine Name dieses traditionsreichen Treffens, «Vatertag» der andere. Auch wenn inzwischen bereits drei Frauen auf der Einladungsliste stehen: Gewagt hat sich noch keine in die männliche Runde.
Hervorzuheben ist die kulturelle Leistung, die die alternativen Olma-Freunde vollbringen. Zu jedem Treffen variiert Kurt Kern das aktuelle Olma-Plakat, stets in einem karikierenden Sinn. «Dieses Mal hat die Olma unsere Idee aufgegriffen und selbst schon ein verhunztes Sujet auf das Plakat gesetzt», sagte gestern der alternative Gestalter. Also habe er dem Säuli die Nase geputzt. «Im Namen aller Schweine, wir wollen endlich ein rechtes Olma-Plakat!» Wie kam er auf die Idee? «In den Ferien traf ich einen deutschen Touristen, der mich angesichts des Messeplakats fragte: <Ist das eine Fledermaus?>» (J. O.)
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