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Tagblatt Online, 23. Oktober 2011 08:33:00

Die grösste Beiz der Stadt

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St.Gallen. «Treffsch Bekannti, lueg döt hene, dä sött i doch vo letscht Johr kenne», sang der St. Galler Roman Brunschwiler vor mehr als dreissig Jahren über die damalige Degustationshalle 7. Die legendäre Halle – für viele St. Galler das einstige Herzstück der Olma – steht längst nicht mehr. Heute verabreden sich die St. Galler deshalb nicht mehr am «am Füfi im Siebni», sondern treffen sich in den beiden Degustationshallen 4 und 5. Abgesehen davon hat sich nicht viel verändert: Wie ihre Vorgängerin verwandeln sich die beiden Hallen während der Olma in die grösste Beiz der Stadt, ins Zentrum des städtischen Feierabends.

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Wer hineingeht, findet sich inmitten einer Getränke schwenkenden Menschenmasse wieder. In den Gängen ist streckenweise kein Durchkommen, jede Sitzgelegenheit ist besetzt. Das Gewirr aus Gesprächen, Gegröle und Gelächter ist ohrenbetäubend. Die Leute haben sich einiges zu erzählen. Viele von ihnen haben sich zuletzt vor einem Jahr am selben Ort gesehen. «Hallo, du auch hier» tönt es an jeder Ecke freudig überrascht.

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Die Hallen sind ein Schmelztiegel von Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Hier treffen sich Banker und Büezer, Halbstarke und Rentnerinnen zum weinseligen Beisammensein. «Tout St. Gall ist hier», ruft Madeleine Hautle über das Stimmengewirr hinweg. Ihr Mann Martin feiert an diesem Abend seinen 67. Geburtstag. «Hier treffe ich alle: Arbeitskollegen, Fussballkollegen, Schulkollegen», ergänzt er. Die beiden St. Galler und ihre Freunde sitzen dicht gedrängt um ein Tischchen am Stand 007. Es ist ihr Stammplatz in der Halle 5, hierhin kommen sie jedes Jahr. «Hier trifft man viele alte Bekannte», sagt Madeleine Hautle. Oder die Liebe seines Lebens. «Wir haben uns vor 39 Jahren an der Olma kennengelernt», sagt eines der Ehepaare am Tisch.

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Ein paar Meter, gefühlte 1000 Menschen und einige Weinspritzer auf der Jacke weiter sitzen sechs junge Männer mit geröteten Backen vor einer Flasche Weisswein. Vernünftig. Doch der Schein trügt. «Wir sind seit zwei Uhr hier», sagt einer. Oder seit etwa sieben bis acht Flaschen Wein, so genau weiss das niemand mehr. «Team Christoph» nennen sie sich. «Christoph ist unser Chef. Aber der ist nicht hier.» Jemand müsse ja schliesslich arbeiten.

Arbeiten muss an diesem Abend auch Raphael Kleger. Während sich mit fortschreitendem Abend bei den Besuchern der Alkohol- dem Lärmpegel annähert, kämpft er sich mit einer Plastikkiste durch die vollen Gänge, sammelt Flaschen und Gläser ein und bringt diese zu den Ständen zurück. Dem Wirtschaftsmittelschüler gefällt der Ferienjob als Gläserjunge. «Man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch.»

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Gepfiffen und gejohlt statt geredet wird, als um sieben Uhr eine Durchsage auf die Schliessung der Hallen hinweist. Die Leute haben sich noch viel zu erzählen und die gerade entkorkte Weinflasche muss auch noch geleert werden. Erst eine Stunde später haben die Securities die letzten wankenden Gäste freundlich aber bestimmt aus der Halle gedrängt. Viele von ihnen stehen gleich wieder beim Eingang zur Moststube an, wo sie zu dröhnender Schlagermusik noch bis Mitternacht auf neue und alte Bekanntschaften anstossen. Tobias Hänni





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