Direkte Links und Access Keys:

Rheintaler, 06. Juli 2012 08:30:24

Wandern durch eine Bilderbuchlandschaft

Bei Nesslau führt eine Holzbrücke über die Thur. Zoom

Bei Nesslau führt eine Holzbrücke über die Thur. (Bild: PD)

Wer beim Wandern Abwechslung und Ruhe liebt, gleichzeitig aber körperliche Strapazen scheut, ist auf dem Pfad entlang der Thur wahrlich auf dem richtigen Weg.

Friedemann Bartu

Zugegeben: Eine Neuentdeckung ist der Toggenburger Thurweg nicht. Das zeigt sich an Wochenenden, wenn ganze Völkerscharen auf diesem abwechslungsreichen Wanderpfad unterwegs sind. Und dennoch: Wer sie noch nicht kennt, dem sei diese 60 Kilometer lange Wanderroute ans Herz gelegt, die sich recht komfortabel in mehreren Tagesetappen abwandern lässt. Ihr Filetstück ist die 15 Kilometer lange Wegstrecke zwischen dem Dörfchen Stein und der Ortschaft Wattwil, die durch eine wunderschöne Natur führt. Zügig Marschierende legen die meist flache Route in weniger als vier Stunden zurück. Geniesser lassen sich mehr Zeit und nutzen den Thurweg für einen Tagesausflug. Erstens gibt es links und rechts des teilweise sehr schmalen Uferweges immer wieder etwas in der Natur zu entdecken. Und zweitens führt der Thurweg durch eine voralpine Bilderbuchlandschaft mit «Heile-Welt-Atmosphäre», wo Wäsche noch im Garten auf einem Stewi-Ständer an der Sonne getrocknet wird.

Wir sind im Dörfchen Stein gestartet, welches im März 1947 Opfer einer verheerenden Feuersbrunst wurde. Heute leidet das 370-Seelen-Dorf unter seiner Abseitslage. Es gibt nur ein einziges Restaurant/Hotel, den «Ochsen», sowie ein Café, welches aber wie die wenigen anderen Geschäfte im Ort donnerstags geschlossen hat. Der Vorteil: Am Ruhetag ist man als Wanderer ziemlich alleine auf dem Thurweg unterwegs; oder beinahe. Denn unzählige Stechmücken leisten einem lästige Gesellschaft auf dieser Tour entlang der Thur.

Weil wir flussabwärts gehen, gewinnt der 135 Kilometer lange Fluss stets an Umfang: Zwischen Stein und Ebnat-Kappel wandelt er sich vom Bächlein über einen zum Teil reissenden Wildbach hin zu einem mäandernden Fluss. Womit angetönt ist, dass sich auch der Thur-Wanderweg ständig verändert. Einmal führt er durch Tobel mit Wasserfällen, ein andermal durch Wiesen und Auen und dann und wann durch pittoreske Dörfer und vorbei an Industrieanlagen wie dem Kraftwerk Tempel.

Zoom


(Bild: )

Eigentliche Sehenswürdigkeiten gibt es auf dieser Route durch die Natur nicht. Dafür hat Wandern entlang der rauschenden Thur etwas Meditatives an sich. Die Topologie des Weges erlaubt es einem zudem, rasch in einen gleichmässigen Rhythmus zu verfallen und zu sich selbst zu finden. Wer aufpasst, kann zudem romantische Stellen im Fluss ausmachen, die zum kühlen Bade laden.

Diverse Restaurants entlang der Route bieten sich zur Einkehr an, wie etwa der «Adler» in Krummenau, wo wir nach neun Kilometern Marsch eintreffen. In diesem prachtvollen Toggenburger Haus aus dem 16. Jahrhundert wird (bei gutem Wetter auch auf der Sonnenterrasse) leichte Kost serviert. Für ein Picknick empfiehlt sich dagegen etwa die grosszügige Anlage bei der Inseli-Kapelle, welche auf einer Insel in der Thur hinter Nesslau liegt. In dieser Gegend findet sich auch eine Plakette mit dem Hinweis darauf, dass der dortige Streckenabschnitt dank der Stiftung «Denk an mich» rollstuhlgängig und kinderwagengerecht gemacht werden konnte. An anderer Stelle vernimmt man, dass der Mitte 2000 eröffnete Thurweg nur dank einer «Vergabung» von Josef Weibel aus Ebnat-Kappel möglich wurde.

Immer wieder stösst man auch auf Infotafeln, die Wissenswertes zu Geologie und zur Elektrizitätsgewinnung vermitteln. Wer mehr über die Thur selber erfahren will, sollte kurz vor Ebnat-Kappel die Angaben im «Energietal Toggenburg» gut studieren. Da erfährt man: «Die Thur besitzt oberhalb von Wattwil ein Einzugsgebiet von 244 km². Die Flussdichte (Flusslänge pro Fläche) ist im Gebiet nördlich von Stein extrem hoch. Dies ist einerseits das Resultat der reichlichen Niederschläge in diesem Gebiet und anderseits eine Folge der Molassegesteine mit ihren lehmigen und wasserundurchlässigen Schichten. Oberhalb von Stein im Gebiet der Churfirsten trifft genau das Gegenteil zu: Dort fliesst ein grosser Teil der Niederschläge im verkarsteten Kalkgestein unterirdisch ab.»

Kurz vor dem Ziel wirkt die Thur plötzlich ebenso müde wie der Wanderer, der sich nun auf den letzten zwei Kilometern seiner Route befindet. Der Grund: Die Firma Chemie Faser Ebnat AG hat dem Fluss für ihre Produktion Wasser abgezapft. Etwas später mündet auch der Thurweg in die Industriestrasse, an der einige Klein- und mittelgrosse Betriebe stehen – Teil des wirtschaftlichen Rückgrates der Schweiz.

www.wandersite.ch/T hurweg.html, www.wanderland.ch/d e/routen_detail.cfm?id=317355, Gasthof Ochsen, 9655 Stein SG, Telefon 071 994 19 62, Gasthaus Adler, 9643 Krummenau, Telefon 071 944 10 30, www.myswitzerland.com .




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...