NZZ Online, 24. Januar 2012 07:00:00
Zu welchen Speisen serviert man Eiswein?
Die Frage der Woche
Beim Eiswein werden die Trauben erst im Winter, bei minus acht Grad, geerntet. (Bild: Imago)
Peter Keller
Frage
Gabriele Mühleberg aus Rheinfelden will wissen, zu welchen Speisen man Eiswein serviere. Oder wird diese Spezialität solo getrunken? Warum wird Eiswein überwiegend in Deutschland und Österreich hergestellt? Die Produktion wäre doch auch in der Schweiz bei entsprechend tiefen Temperaturen möglich, schreibt die Leserin. Sie erhält für diese Frage den Amarone della Valpolicella L'Anima di Vergani 2007. Der konzentrierte Wein aus dem Veneto wird aus Corvina, Corvinone und Rondinella hergestellt. Die Weinhandlung Vergani in Zürich hat im Januar den Amarone zur Verfügung gestellt. Ab nächster Woche gibt es den Calisto 2006, ein Sangiovese di Romagna Superiore, des Produzenten Stefano Berti zu gewinnen. Bei diesem Rotwein aus der Emilia Romagna handelt es sich um einen Sangiovese, der mit etwas Cabernet Sauvignon verschnitten wird. Der mittelschwere Calisto mit reifen, präsenten Tanninen und einem langen Abgang wird von der Weinhandlung Archetti in Bassersdorf gestiftet.
Antwort
Sehr gute Eisweine sind nicht häufig auf dem Markt zu finden, liebe Frau Mühleberg. Stimmen jedoch die klimatischen Temperaturen - die gefrorenen Beeren müssen bei minus 8 Grad gelesen werden - und handelt es sich um perfektes Traubengut, dann ist dieses Elixier dank seinem Aromen-Füllhorn sowie der Kombination von Süsse und Säure unübertrefflich. Es liegt fast auf der Hand, dass ein solcher Meditationswein einfach für sich allein getrunken und genossen werden kann. Es braucht eigentlich nichts anderes dazu. Aber selbstverständlich bieten sich einige Kombinationen an. Sehr gut passen intensive Käsesorten wie etwa Blauschimmelkäse, Stiton und Gorgonzola. Wer sich eher dem Süssen zuwenden will, tischt vorzugsweise eine Apfeltarte auf. Weniger gut zu einem konzentrierten Eiswein eignen sich Desserts aus Schokolade. Der Wein ist in der Tat in Deutschland weit verbreitet, einerseits aus klimatischen Gründen, andererseits auch darum, weil sich die Sorte Riesling sehr gut für die Produktion eignet. Sie ist von Natur aus säurebetont. Und ein Süsswein braucht Säure, sonst wirkt er plump. Ich habe in der Schweiz vereinzelt einen Eiswein angetroffen. Aber es sind Ausnahmen. Dass nicht mehr produziert wird, hängt wohl nicht nur mit dem Klima zusammen. Die hierzulande am meisten verbreiteten Sorten sind nicht allzu ideal, um die Spezialität herzustellen. Kommt dazu, dass die Winzer ein gewisses wirtschaftliches Risiko eingehen. Stellt sich der Frost nicht ein, ist die Ernte kaputt.
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