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NZZ Online, 11. Februar 2012 22:10:00

Feuz testet die Nerven der Gegner

Der Emmentaler gewinnt die Abfahrt auf der Olympiapiste von 2014

Der Sieg von Feuz ist auch ein Versprechen für die Spiele von 2014. Zoom

Der Sieg von Feuz ist auch ein Versprechen für die Spiele von 2014. (Bild: Keystone / Epa)

An seinem 25. Geburtstag lässt sich Beat Feuz in Sotschi von Russlands Präsident Medwedew zu einem grossen Sieg gratulieren. Gleichzeitig positioniert er sich im Weltcup.

Remo Geisser, Krasnaja Poljana

Olympia. In der Region Sotschi wird derzeit kaum ein Satz formuliert, in dem dieses Wort nicht vorkommt. Die meisten Athleten wollen sich aber auch nach vier Fahrten auf der Piste am Rosa Peak nicht auf Prognosen für 2014 festlegen lassen. Das sei noch weit weg, sagen sie. Nur einer findet: «Schade, dass die Spiele nicht schon früher sind.» Es ist Beat Feuz, der junge Mann, der soeben das Testrennen auf der von Bernhard Russi gebauten Piste gewonnen hat. Präsident Medwedew hat ihm dazu gratuliert, die Schweizer Nationalhymne wurde intoniert. Und das alles am Geburtstag des Sportlers.

Feuz strahlt über beide Pausbacken, wie immer, wenn er mit sich und der Welt zufrieden ist. Und doch wirkt er anders als noch vor ein paar Wochen, fast so, als sei er um zehn Zentimeter gewachsen. Es ist nicht nur die Genugtuung über den Erfolg auf der sehr anspruchsvollen Piste, die ihm die Grösse verleiht. Als Feuz im Januar locker von einem guten Resultat zum nächsten raste, mahnte er stets: «Es wird auch Rückschläge geben.» Diese folgten mit Klassierungen jenseits der Top 20, und sie liessen sich begründen: mit einem schmerzenden Weisheitszahn in Garmisch-Partenkirchen, mit nur einem Training in der ersten Abfahrt in Chamonix. Aber Feuz blieb in seiner ersten kompletten Weltcup-Saison gelassen und reagierte prompt: Rang 4 im zweiten Rennen von Chamonix, Rang 1 am Rosa Peak. Didier Cuche sagt: «In diesem Winter ist ein grosser Skifahrer geboren worden.»

Zusätzliche Motivation

Feuz spürt diese Grösse, und er beginnt, sie offensiv einzusetzen. Im Abfahrtsweltcup liegt er nur noch 26 Punkte hinter Didier Cuche, in der Gesamtwertung beträgt die Differenz zu Ivica Kostelic bloss 50 Punkte. Der Endspurt der Saison steht an, und Feuz sagt: «Ich hoffe, dass ich die anderen nervös machen kann.» Die anderen, das sind vor allem Cuche und Kostelic. Cuche hat mit 37 Jahren den Rücktritt angekündigt und will wie der legendäre Franz Klammer ein fünftes Mal bester Abfahrer der Saison sein. Aber Feuz sagt, dass er nicht bereit ist, seinem Teamkollegen zum Abschied Geschenke zu machen. Mit Kostelic wird sich der Emmentaler schon am Sonntag um einen Disziplinensieg duellieren. Nur 16 Punkte beträgt sein Rückstand vor dem letzten Wettkampf der Saison in der Super-Kombination. Der erste Teil davon wird auf der Abfahrt ausgetragen, womit der psychologische Vorteil beim Schweizer liegt.

Dieser weiss, was er kann, und er lässt sich auch von Schwächen nicht aus dem Konzept bringen. Den oberen, stark drehenden und eisigen Teil der Abfahrtspiste bekam Feuz in den Trainings nicht in den Griff. Noch am Freitagabend schilderte er die Rillen, die es dort im Eis gibt: «Wenn du so eine falsch erwischst, bricht es dir fast den Fuss.» Im Rennen kurvte er mit der 13. Abschnittszeit durch die Rillen. Und sagte sich, dass seine starken Passagen weiter unten kommen. Dort gab er Gas, dort deklassierte er die Konkurrenten. Dem Österreicher Hannes Reichelt, der nach einer Fahrminute noch der Schnellste war, nahm Feuz auf der zweiten Streckenhälfte fast zwei Sekunden ab. Der 25-Jährige hat die beiden längsten Abfahrten des Winters gewonnen. «Das ist ein Zeichen für jene, die noch immer behaupten, ich hätte keine Kondition», sagt er.

Den Weltcup im Blick

Ausdauer wird Feuz auch im langgezogenen Finale brauchen. Deshalb feierte er in Russland weder den Geburtstag noch den Sieg, und er wird darauf verzichten, für nur einen Riesenslalom eine kräftezehrende Reise nach Bansko in Bulgarien zu unternehmen. Das Parallelrennen in Moskau wird er aber kurzfristig ins Programm aufnehmen, denn dort gibt es viele Punkte zu gewinnen. Der Endspurt ist lanciert, und das Programm spricht mit noch fünf Super-G und zwei Abfahrten für Feuz. Die Gegner können schon einmal beginnen, ihre Nerven zu trainieren.





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