Tagblatt Online, 02. September 2010 11:31:00
Frick provoziert seinen Abgang
Fricks Unmut
«Wenn man mich holt, dann muss man auch das Spiel auf mich zuschneiden»: Mario Frick (hinten). (Bild: Bild: Urs Jaudas)
FUSSBALL. Via eine Liechtensteiner Tageszeitung tut St.Gallens Stürmer Mario Frick seine Unzufriedenheit kund. Der 36-Jährige kritisiert das System und die Transferpolitik des Vereins. «Wenn er gehen will, müssen wir das prüfen», sagt Uli Forte.
Patricia Loher
Mario Frick heizt die Stimmung rund um den FC St. Gallen zusätzlich an. Fernab des Trainingsbetriebs seiner Mannschaft, aus dem Fürstentum Liechtenstein, kritisiert der Stürmer via «Liechtensteiner Volksblatt» Spielsystem und Transferpolitik des FC St. Gallen, der in der Super League den letzten Rang belegt. Zudem spüre er kein Vertrauen, sagt der 36-Jährige, der sich derzeit mit Liechtensteins Nationalteam auf die Begegnungen der EM-Qualifikation mit Weltmeister Spanien und Schottland vorbereitet.
«Ich will nach den beiden Länderspielen in St. Gallen wieder angreifen. Doch wenn das Vertrauen nicht da ist, ist das doppelt schwer. Dann kann ich auch nicht die Leistung bringen, die ich mir vorstelle», liess sich Frick in der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung zitieren.
Forte: «Befremdet»
Frick, der Rekordnationalspieler Liechtensteins, gehörte nach einer Saison als Stammspieler in der neuen Meisterschaft lediglich in den ersten beiden Partien gegen Luzern und Bellinzona St.
Gallens Startformation an. Dreimal wurde er eingewechselt, einmal fehlte er krankheits- und das andere Mal verletzungsbedingt. Zuletzt, beim 1:3 auswärts gegen den FC Zürich, bekam er in der 63. Minute seine Chance.
St. Gallens Trainer Uli Forte erhielt den Zeitungsbericht gestern zugespielt. In einer Zeit, in der es an allen Ecken und Ende brennt, ist er nun auch gezwungen, sich aus der Ferne mit unzufriedenen Spielern zu befassen, die ihre Kritik öffentlich äussern.
Über das eine oder andere habe er zuvor mit Frick schon gesprochen, sagt der Trainer. Trotzdem zeigt sich Forte über die Aussagen seines Stürmers «befremdet». Von einem erfahrenen Spieler erwarte er, «dass er hilft, den Karren mitzureissen». Es enttäusche ihn, von fehlendem Vertrauen lesen zu müssen, «wenn ich einen Spieler ein Jahr lang zu tausend Prozent gestützt habe», so Forte.
Der Spieler sagt weiter: «Es ist keine einfache Zeit für mich im Moment, aber das muss ich verdrängen.» Anscheinend denkt er gar an einen vorzeitigen Abschied. «Bei der Nationalmannschaft steht der Trainer, ein ganzes Land hinter mir. Das ist im Verein leider nicht so. Schauen wir mal, ob wir eine Lösung finden», so Frick, der in St. Gallen einen Vertrag bis Sommer 2011 besitzt.
Es sei ein schwieriges Thema, da er kein billiger Spieler sei und sicher nicht mehr in ein anderes Land wechseln werde. «Ich wollte meine Karriere in St. Gallen beenden, aber so… Schliesslich will ich spielen, bis ich vierzig Jahre alt bin.» Forte sagt: «Wenn es Fricks Wunsch ist, den FC St. Gallen zu verlassen, müssen wir das prüfen. In dieser Situation brauchen wir Spieler, die sich ohne Wenn und Aber mit dem Club identifizieren.»
27 Spiele, 4 Tore
Frick wechselte auf die vergangene Saison hin vom Serie-A-Verein Siena, wo er zuletzt nur noch «Joker» gewesen war, zum FC St. Gallen, bei dem er 1994 seine Profikarriere begonnen hatte. In der Ostschweiz konnte er die Erwartungen nach achteinhalb Jahren in Italien nie erfüllen. 4 Tore in 27 Spielen waren in der vergangenen Meisterschaft eine unbefriedigende Bilanz. In der neuen Saison hat er bis anhin weder getroffen, noch ein Tor vorbereitet. «Wenn man mich holt, dann muss man auch das Spiel auf mich zuschneiden», so Frick.
«Und für unser System hätten wir nie Moreno Merenda abgeben dürfen. Moreno ist nicht nur menschlich, sondern auch fussballerisch ein unwahrscheinlich wichtiger Spieler für uns gewesen. Das hat er mit seinen Toren auch immer wieder bewiesen.»
Vieles deutet darauf hin, dass der Liechtensteiner seinen Abgang provozieren will. Wie der Verein im «Fall Frick» nun vorgehen wird, ist noch ungewiss.
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Kommentare lesen
fipo (02. September 2010, 14:12)
Merenda
Absolut richtig was Merenda betrifft !!
Beitrag kommentierenGenau das habe ich auch gedacht, warum hält man nicht Merenda? Ein Hauptspieler beim Wiederaufstieg, menschlich klasse, vereinstreu (hat bis zuletzt auf eine Vertragsverlängerung gewartet und gehofft) und ein wichtiger und zuverlässlicher Torschütze.
sai2 (02. September 2010, 13:41)
seh ich ähnlich...
In zwei Punkten bin ich gleicher Meinung:
Beitrag kommentieren1. «Wenn man mich holt, dann muss man auch das Spiel auf mich zuschneiden»
2. «Und für unser System hätten wir nie Moreno Merenda abgeben dürfen. Moreno ist nicht nur menschlich, sondern auch fussballerisch ein unwahrscheinlich wichtiger Spieler für uns gewesen. Das hat er mit seinen Toren auch immer wieder bewiesen.»
vesche (02. September 2010, 12:16)
Unglaublich
Grosser Lohn und sehr kleine Leistung. Selten einen Spieler erlebt, mit so wenig Selbstkritik und soviel Selbstüberschätzung.
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