Tagblatt Online, 18. Februar 2012 09:57:00
Petr Vlk entscheidet Krimi – 2:1
Die Entscheidung: Nach 48 Sekunden in der Verlängerung verwertet Petr Vlk (Nr. 78) einen Abpraller von Giancarlo Hendry zum 4:3. (Bild: pd)
EISHOCKEY. Der SC Herisau schlägt Frauenfeld auswärts 4:3 nach Verlängerung. Matchwinner ist wiederum Petr Vlk. Die Ausserrhoder liegen mit zwei Siegen vor und können im heutigen Heimspiel die Playoff-Serie für sich entscheiden.
MARKUS FÄSSLER
48 Sekunden sind in der Verlängerung gespielt, als Petr Vlk nach einem Abpraller von Giancarlo Hendry an die Scheibe kommt. Gekonnt umspielt er Frauenfelds Torhüter Andreas Schoop und bringt den Puck im Tor unter. Es war das 4:3 und damit die 2:1-Führung in der Playoff-Viertelfinals-Serie für die Herisauer. Der Tscheche war, nachdem er am Dienstag den entscheidenden Penalty verwertet hatte, wiederum der Matchwinner. «Am Dienstag war ich nicht nervös, Penaltyschiessen ist sowieso immer eine Lotterie. Heute sind wir nicht gut gestartet, aber Hauptsache gewonnen», sagte er nach dem Spiel.
Doppelte Überzahl
Die wohl matchentscheidende Szene ereignet sich kurz vor dem Siegestreffer. Die Ausserrhoder liegen 2:3 im Rückstand, als Trainer Roger Nater alles auf eine Karte setzt und Torhüter Fabio Haller für einen weiteren Feldspieler vom Eis holt. Das Risiko zahlt sich aus: Mit einem Weitschuss realisiert Luca Homberger 38 Sekunden vor Schluss den 3:3. Danach kochten die Emotionen, es war nicht das erste Mal in diesem Spiel. Raphael Oberholzer kassierte für übertriebene Härte 2 plus 2 Minuten und nahm neben Claudio Maier auf der Strafbank Platz. Die Herisauer konnten so die Verlängerung in doppelter Überzahl beginnen und liessen sich diese Chance nicht entgehen.
Kompakte SCH-Defensive
Die Partie vom Donnerstagabend in Frauenfeld war wiederum ein Playoff-Krimi. Die Einheimischen waren gewillt, sich für die unglückliche Niederlage vom Dienstagabend zu revanchieren. Nach 15 Minuten führten die Thurgauer im Sportzentrum mit 5:1, mussten sich aber am Schluss doch noch im Penaltyschiessen geschlagen geben. Das Heimteam spielte sich immer wieder mit Pässen in die Tiefe und Konterversuchen gefährlich über die blaue Linie. Gegen die gut eingestellte Defensive der Herisauer fanden sie aber kein gewinnbringendes Konzept. Die Ausserrhoder schossen derweil Torhüter Andreas Schoop warm. Für die gefährlichste Szene des sonst wenig spektakulären ersten Drittels war Alain Butty verantwortlich. Er setzte den Puck in der 17. Minute aber nur an die Latte.
Haller im Fokus
Die Hauptrollen im zweiten Drittel spielten die beiden Torhüter, Fabio Haller auf Seiten des SC Herisau, und Andreas Schoop bei den Frauenfeldern. Letzterer hatte nach rund drei Minuten Spielzeit mit Materialproblemen zu kämpfen, was zu einem Unterbruch führte. Die Herisauer liessen sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen, und kaum pfiff der Schiedsrichter die Partie wieder an, hiess es 1:0 für die Ausserrhoder (25.). Daniel Müller versenkt den Puck auf Zuspiel von Janick Diener im leerstehenden Tor. Die Führung war ob der grösseren Spielanteile im ersten Durchgang verdient. In der Folge schien ein weitere Treffer der Herisauer nur eine Frage der Zeit. Obwohl keine der Mannschaften in Unterzahl spielte, zogen die Ausserrhoder ein powerplayähnliches Spiels auf. Umso überraschender kassierten sie in der 34. Minute den Ausgleich. Philipp Bucher setzte sich auf links durch und bediente den freistehenden Matthias Schoop.
Danach rückte sich Fabio Haller in den Fokus. Zuerst kassierte er eine 2-Minuten-Strafe für Beinstellen, und in der 38. Minute begab er sich auf einen Ausflug aus dem Tor. Der Befreiungsschlag misslingt jedoch, so dass die Scheibe zum freistehenden Korsch an der blauen Linie kommt, der ins leere Tor zum 2:1 einschiesst. Die Herisauer reklamierten anschliessend heftig bei den Schiedsrichtern, da die Puckannahme hinter der blauen Linie erfolgt sei. Der anwesende Schiedsrichterinspizient sagte dazu nur: «War gut.» Herisaus Trainer Roger Nater tobte nach der Frauenfelder Führung an der Bande. «Aber nicht wegen den Schiedsrichtern, sondern wegen unserer eigenen Leistung. Die war ganz schlecht. Wir standen nicht kompakt und haben uns nicht an taktische Massnahmen gehalten und so Frauenfeld ins Spiel gebracht», sagte er nach dem Spiel.
Prügeleien und eine Matchstrafe
Das vermeintliche Schlussdrittel startet mit einem Paukenschlag: Nachdem Luca Homberger nach sechs Sekunden auf die Strafbank wanderte, behauptete Giancarlo Hendry den Puck auf der linken Seite und erzielte mittels Shorthander das 2:2 (41.). Sechs Minuten später brachte Schwyn die Thurgauer aber wieder in Führung. Das Spiel wurde ruppiger und die Strafen häuften sich auf beiden Seiten. Aaron Lipp und Claudio Maier gerieten drei Minuten vor Schluss aneinander. Lipp kassierte 2 plus 2 Minuten, Maier eine 5-Minuten-Strafe plus eine Matchstrafe wegen eines angeblichen Trittes gegen den Kopf. Das Publikum tobte, ebenso wie die Verantwortlichen des Heimteams. Sie legten Spielfeldprotest ein.
Heute geht die Playoff-Serie weiter. Matchbeginn ist um 20 Uhr im Sportzentrum Herisau.
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