Tagblatt Online, 23. Februar 2012 01:06:47
Wenn Nerven und Haller halten
Goalie Fabio Haller hielt mehrere Male mirakulös. (Bild: pd)
Die Saison des Erstligisten SC Herisau geht am Samstag in Bülach mit der Halbfinal-Serie weiter. Die Ausserrhoder ändern die taktische Ausrichtung und entscheiden den «Showdown» in Frauenfeld verdient mit 4:3 Toren für sich.
LUKAS PFIFFNER
EISHOCKEY. Herisaus Anhänger harren singend aus, die Spieler erscheinen noch einmal auf dem Eis. Sie lassen sich zu Recht feiern. Ohne Trikots, in tief verschwitzter Ausrüstung. Die Zahlen zum engen Viertelfinal: Herisau entscheidet acht Abschnitte für sich, Frauenfeld sieben; das Torverhältnis lautet 18:17 für die Thurgauer. Die Ausserrhoder traten solidarisch auf, besassen vorgestern die etwas grössere Breite über die Linien. Sie brauchten eine gute Moral, weil sie entgegen den Spielanteilen 0:2 in Rückstand gerieten, Nervenstärke in der Defensive und die eine oder andere «Extra-Parade» Hallers. Wie der Torhüter in der 52. Minute einen Versuch Raphael Schoops mit der Fanghand abwehrte, war phantastisch. Der 20-Jährige kann den heutigen Donnerstag für einmal ruhig angehen lassen, nachdem er mit Herisau und Klotens Elite-Junioren innerhalb von zwölf Tagen neun Playoffspiele absolviert hat!
Das Mitteldrittel entschied
Der fünfte Viertelfinal wurde weitgehend sportlich geführt. Beide Mannschaften zeigten sich im ersten Drittel nervös und im dritten Drittel körperlich von den Strapazen der vergangenen Ta-ge gezeichnet. Entsprechend schwierig fiel zeitweise die Scheibenkontrolle. Herisau lenkte den Abend und die Serie zwischen der 20. und 35. Minute auf seine Seite. Lipp traf 54 Sekunden vor der ersten Pause zum Anschluss, als dem Goalie durch Rohner die Sicht versperrt war. Hendry, Ammann und Butty schlossen im Mittelabschnitt Vorstösse im Stil von routinierten Skorern ab. Butty kam für den wegen Adduktorenproblemen fehlenden Vlk in der ersten Linie zum Zuge.
Ausgedehnt drei gegen fünf
Kurz nach Herisaus viertem Tor intervenierte Luca Homberger gegen den durchbrechenden Bucher mit dem Stock (und traf den Puck). Trotzdem entschied der Ref auf Penalty, den der Frauenfelder neben das Tor setzte. Als Headschiedsrichter Schenk kurz darauf zwei mehr als grenzwertige Thurgauer Aktionen laufen liess, regten sich Herisauer Spieler und Betreuer lautstark auf. Eine kleine Bankstrafe war die Folge. Weil Steimer in der gleichen Spielsituation nach einem Verschieben des Tores ebenfalls eine Strafe kassierte, hatten die Gäste zwei Minuten mit drei gegen fünf zu überstehen. Schon im ersten Drittel hatten die Thurgauer 93 Sekunden in doppelter Überzahl wenig zielgerichtet verstreichen lassen. SCH-Trainer Roger Nater reklamierte zu Beginn der zweiten Pause nochmals und durfte sich im dritten Drittel nicht mehr an der Bande aufhalten (siehe Kasten).
Staffelnde Center
Erstmals in der Serie traten die Ausserrhoder mit nur drei Linien an. Im Taktischen gab es bei ihnen weitere Auffälligkeiten. Die Center spielten zurückgezogen, fast wie früher ein «Libero» im Fussball. Der SCH reagierte mit dieser Staffelung auf die Tatsache, dass Frauenfeld in den Spielen zuvor (zu) oft bei Kontern freies Eis vorgefunden hatte. «Zudem verboten wir unseren Verteidigern praktisch Vorstösse in die Offensive», erzählte Assistenztrainer Reto Roveda. «Wir wussten, dass wir für einen Sieg nicht viele Tore erhalten dürfen.» Der Plan ging auf. Die drei Gegentreffer entstanden nicht durch Konter. Das 1:0 und 2:0 fielen kurz vor Ablauf des Startabschnitts innerhalb von 43 Sekunden durch einen von Rohner abgelenkten Weitschuss Kaisers und einen «Abstauber» Pargätzis nach einem Abpraller von Haller, das 3:4 zu Beginn des dritten Drittels im Powerplay.
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