Tagblatt Online, 19. März 2009 01:01:25
Weltrekord: Ein 68 Meter hohes Hochhaus ganz aus Holz
Noch existiert das grösste Holzhochhaus erst als Modell. (Bild: Bild: pd)
ZÜRICH/ST.GALLEN. Eine Vision aus dem Ausserrhoder Bauen-und-Wohnen-Regierungsprogramm nimmt Gestalt an: «Zaur», ein Hochhaus ganz aus Holz mit einer Weltrekordhöhe von bis zu 68 Metern. Das Forschungsprojekt wird an der morgen startenden Immo-Messe St. Gallen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
David Scarano
Das Forschungsprojekt trägt nicht umsonst den Namen «Zaur». Einerseits symbolisiert es so seinen Bezug zum Appenzellerland, andererseits wäre es mehrere «Freudenjauchzer» wert, wenn das Holzhochhaus realisiert würde. Aktuell gilt ein Haus im Berliner Prenzlauer Berg mit sieben Stöcken und 22 Metern Höhe als höchstes Holzhaus der Welt. «Zaur» stellt dieses locker in den Schatten. Machbar wären bei diesem modularen Holzbausystem 20 Stockwerke mit einer Gesamthöhe von 64 bis 68 Metern, also ungefähr so hoch wie die Doppeltürme der Stiftskirche in St. Gallen.
Vision weiterentwickelt
Mit «Zaur» wird eine Vision konkret, die aus einem Teilprojekt des Ausserrhoder Regierungsprogramms Bauen und Wohnen hervorging. 2006 bat die Regierung unter anderem die «intosens ag», ein renommiertes Zürcher Büro für Stadt- und Immobilienentwicklung, die 20 Ausserrhoder Gemeinden mit einem kritischen Blick von aussen zu betrachten. «intosens» erarbeitete schliesslich verschiedenste Visionen, die zur Steigerung der Attraktivität beitragen könnten und stellte diese an einem Gemeindeforum Mitte 2007 kommunalen und kantonalen Vertretern vor. Eine jener Visionen war ein Holzhochhaus. Die «intosens» hat die Idee in Eigeninitiative und im Einvernehmen des Kantons Appenzell Ausserrhoden danach weiterentwickelt. An der Forschung beteiligen sich Experten auch aus dem Appenzellerland, aus den verschiedensten Richtungen, so etwa Architekten, Holzbaufachleute und Gebäudetechnologen.
An der morgen startenden Immo-Messe St. Gallen (Standnummer 125) wird das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. «Zaur» soll wiederum zum Nachdenken anregen und zeigen, was mit dem Baustoff Holz alles möglich ist. Aber: «Zaur» ist gemäss «intosens» auch realisierbar. Noch fehlen eine Standortgemeinde sowie die Investoren.
Anknüpfen an Tradition
Das Holzhochhausprojekt trägt nicht nur einen appenzellischen Namen, sondern weist auch typische Merkmale hiesiger Architektur auf. Beispielsweise verfügt die Vorderfassade über verstellbare Schiebladen, die Hinterfassade über einen Schindelschirm mit kleinen Fenstern. Weitere traditionelle Elemente sind das Schrägdach sowie die konische Fassadenwand.
Mit dem Hochhaus wird an die grosse Appenzeller Holzbautradition angeknüpft. Es soll aus hier geerntetem Holz und unter Mitwirkung hiesiger Firmen gebaut werden. Damit soll die Wertschöpfung in der Region bleiben. Die Forschungsgruppe hat das Holzhausprojekt aber so entwickelt, dass es an andere regionale Stile angepasst werden kann.
Null-Energie-Haus
Aber nicht nur aussen, auch im Innern kombiniert «Zaur» traditionelle und moderne Elemente. Die Balkenlage wird nach traditioneller Zimmermannsart gesteckt, die Einrichtungen zur Energiegewinnung sind hingegen hochmodern. Dank Photovoltaikanlage und moderner Schiebeläden, die tagsüber die Sonnenenergie speichern, soll das Haus die benötigte Energie selber herstellen. Beim Null- oder gar Plus-Energie-Haus, das die internationalen Brandschutzstandards für Hochhäuser erfüllen soll, wird laut «intosens» zudem grossen Wert auf eine umwelt- und gesundheitsschonende Materialisierung gelegt. So sind als Grundlage des Wärmedämmstoffs Holzfasern vorgesehen.
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