Tagblatt Online, 03. September 2010 01:02:45
Gegen Verschwendung und EU
SVP-Regierungsratskandidat Herbert Huser (links) nimmt die Gratulation von Parteipräsident Toni Thoma entgegen. (Bild: Bild: Michael Kaspar)
Der 52jährige Altstätter Architekt Herbert Huser ist der Hoffnungsträger der St. Galler SVP. Ihm traut seine Partei zu, am 28. November der CVP ihren zweiten Regierungssitz abzunehmen.
silvan lüchinger
Ernetschwil. SVP-Kantonalpräsident Toni Thoma prophezeit für die Ausmarchung zwischen Herbert Huser und Heinz Habegger «einen äusserst knappen Entscheid». Mit 108 Stimmen für den Altstätter Architekten und 80 für den Käsermeister aus Neu St. Johann fällt das Diktum der Delegierten dann doch ziemlich deutlich aus. Fast 200 haben sich ennet dem Ricken in der Ernetschwiler Mehrzweckhalle eingefunden.
Das ist auch für traditionell gut besuchte SVP-Versammlungen eine stattliche Zahl – und ein Indiz, dass beide Bewerber in ihrem Umfeld fleissig mobilisiert hatten. Huser offensichtlich erfolgreicher als Habegger.
Auswüchsen wehren
Heinz Habeggers Werben um die Delegiertenstimmen ist kurz und bündig.
Ein paar knappe Angaben zu Person, Beruf und politischer Laufbahn, die Selbstcharakterisierung als volksnah und bodenständig, zielstrebig und beharrlich – der Auftritt des Toggenburgers dauert kaum drei Minuten. Sitzungen der Regierung würde der wortkarge Käsermeister kaum ungebührlich verlängern.
Regierungsratskandidat der SVP ist aber nicht Heinz Habegger, sondern Herbert Huser.
«Offen, gelassen, analytisch denkend» sei er, nimmt der Rheintaler für sich in Anspruch – und wegen seines engagierten Auftretens bei der politischen Konkurrenz nicht immer sehr geschätzt. Sollte er am 28. November gewählt werden, will Huser dafür besorgt sein, dass der Kanton St. Gallen seine Mittel vernünftig einsetzt.
«Für Spitäler, Kultur und Verwaltungsbauten sind Milliardenausgaben geplant» – gegen solche Auswüchse stehe die SVP ebenso in der Pflicht wie im Kampf gegen einen EU-Beitritt der Schweiz. Ob das Alphorn-Duo aus dem benachbarten Schwyz darum die Versammlung mit der etwas zittrig geblasenen Nationalhymne eröffnet hat?
Keine einzige Wortmeldung
Bevor der Entscheid fällt, bekräftigt Kantonalpräsident Thoma nochmals, dass der frei werdende Sitz von Regierungsrat Joe Keller eigentlich der SVP gehört – und dass es von der CVP nur anständig wäre, freiwillig darauf zu verzichten. Weil sie das nicht tut, soll die berufliche Herkunft des Kandidaten den Ausschlag zugunsten der SVP geben. In der Regierung habe es genug Juristen, ehemalige Gemeindepräsidenten und Lehrerinnen. «Neue Regierungsräte müssen aus der Wirtschaft kommen», sagt Thoma – «und unsere beiden Bewerber erfüllen diese Vorgabe ideal».
Erstaunlich im Vergleich zu Nominationsversammlungen anderer Parteien: Für die beiden Kandidaten machen sich weder Vertreter ihrer Kreispartei noch einzelne Delegierte stark. Es gibt keine einzige Wortmeldung, um allenfalls unschlüssige Delegierte noch auf die eine oder andere Seite zu ziehen. Fast scheint es, die Delegierten hätten lieber einen Einervorschlag gehabt.
Ja zu allen Vorlagen
Rasch erledigt sind auch die Abstimmungsvorlagen vom 26. September. Die SVP sagt mit klaren Mehrheiten Ja zur Revision der Arbeitslosenversicherung, zur St. Galler S-Bahn 2013 und zum neuen Ladenschlussgesetz. «Nein» sagen sollen die SVP-Kantonsräte hingegen zu öffentlichen Geldern für AFG Arena und FC St. Gallen. Das verlangt zumindest SVP-Schweiz-Präsident Toni Brunner, und die Delegierten danken es ihm mit kräftigem Applaus.
Nichts zu klatschen gibt es hingegen, als der Kantonalpräsident grösseren Sammeleifer anmahnt. Die St. Galler SVP hat laut Thoma ihr Kontingent an Unterschriften für die Familien-Initiative und die Initiative für die Volkswahl des Bundesrats bei weitem noch nicht erfüllt.
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