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Rheintaler, 4. August 2012, 08:16 Uhr

Spitzenkoch angegriffen

In der «Ilge» in Arnegg

Restaurant Ilge Zoom

Das Restaurant Ilge in Arnegg. (Bild: Urs Jaudas)

Der Arnegger Spitzenkoch André Heiniger wurde im eigenen Gartenrestaurant von Gästen angegriffen und verletzt. Er vermutet Fahrende und hat – wie zwei seiner Angestellten – Strafanzeige eingereicht.

REGULA WEIK

Wer durch Arnegg fährt, passiert unweigerlich die «Ilge». Ein auffälliges Haus – wegen der roten Fassade. Und eine bekannte Adresse. Die «Ilge» ist keine Dorfbeiz; sie ist ein Gourmet-Restaurant – mit einem Namen weit über die Region hinaus. 15 Gault-Millau-Punkte kann das Haus vorweisen. So verwundert nicht, dass am Nationalfeiertag der Garten bis auf den letzten Platz besetzt ist. Die Gäste erwartet ein Sechs-Gang-Menu. Das wird ihnen auch serviert – mit Begleitprogramm. Ein ungewolltes und nachhaltiges, jedenfalls für den Spitzenkoch und Besitzer der «Ilge», André Heiniger, und zwei seiner Angestellten.

Störend laut

Es ist später Freitagvormittag. Heiniger hat nach turbulenten Tagen Zeit für ein Gespräch. Er steht für das Mittagessen nicht am Herd; er ist unfreiwillig «ausgesperrt» aus der Küche. «Ärztlich verordnet», sagt er. Er trägt eine Halskrause. «Ich kann den Kopf nicht drehen. Eine extreme Muskelverhärtung, so die Diagnose des Arztes. Symptome wie bei einem Schleudertrauma.» Die Ursache seiner Schmerzen und Beschwerden: Er bekam am Abend des 1. August Schläge an Kopf und Hals. Seit 20 Jahre kocht Heiniger in der «Ilge» – «so etwas ist mir in all den Jahren noch nie passiert».

Dann beginnt der Spitzenkoch zu erzählen. Um die Mittagszeit hätten sich zwei Männer ins Gartenrestaurant gesetzt – «sie waren schon öfter hier, auf ein Bier oder zwei». Im Verlauf des Nachmittags und frühen Abends seien weitere Männer dazugestossen – «schliesslich waren es acht Personen», sagt Heiniger. Sie hätten bestellt und getrunken, und irgendwann sei die Servicefachangestellte bei ihm in der Küche gestanden. Die Männer würden immer lauter; ihr Lärmpegel sei langsam störend für die übrigen Gäste.

Heiniger verlässt die Küche, tritt hinaus in den Garten und bittet die Männer, sich etwas leiser zu unterhalten und ihre Stimmen zu senken. «Ist in Ordnung», sagt der erste Mann. Dann reagiert ein zweiter, widerspricht dem ersten, dann spricht ein dritter – «es geht unglaublich schnell», erzählt Heiniger, «wie ein einstudiertes Spiel». Er wird von den Männern aufs Übelste beschimpft. «Dann mach doch ein Altersheim aus deinem Laden hier», schleudert ihm einer entgegen. Heiniger bleibt ruhig: «Wenn es Ihnen bei uns nicht gefällt, dann bitte ich Sie, unser Haus zu verlassen.» Die Männer erheben sich: «Das machen wir – zahlen tun wir nicht.» Heiniger macht die Männer darauf aufmerksam: «Sie wissen, das ist Zechprellerei und strafbar.»

Drohungen und Schläge

Die Männer verlassen das Gartenrestaurant, gehen Richtung Strasse – Heiniger «begleitet» sie, in Sorge um die zahlreichen Gäste. Dann kehrt sich einer der Männer um, schubst und putscht Heiniger, rempelt ihn an und beschimpft ihn erneut. Der Spitzenkoch bittet die Männer: «Gehen Sie bitte.» Ein zweiter mischt sich ein, ein dritter hebt einen Stein hoch – «wir haben einen Steingarten vor dem Haus», sagt Heiniger, «der Stein wog sicher 1,5 Kilogramm». Er ruft dem Service zu, die Polizei zu alarmieren und die Küche zu informieren. Der Küchenchef, eine Hilfskraft und der Drittjahrlehrling eilen ihrem Chef zu Hilfe. Als die Männer feststellen, dass der Küchenchef Deutscher ist, beschimpfen sie ihn als «Nazi». Die Hilfskraft stellt sich schützend vor den Mann – «und dann geht plötzlich eine Prügelei mit Fäusten los», erzählt Heiniger. Gäste eilen zu Hilfe. Die Männer flüchten. Eine Minute später trifft die Polizei ein, sechs Mann.

Heiniger hat sich die Autonummer gemerkt. Und auch die Männer – «markante Gesichter», sagt er. Ein zweites Fahrzeug haben sie auf seinem Parkplatz stehen lassen. Am nächsten Morgen ist es weg. Die Polizei befragt Heiniger, sein Personal und einige Gäste. Ein Gast hat die Ereignisse gefilmt.

«Eingeübtes Vorgehen»

Tags darauf sucht Heiniger den Arzt auf. Er, sein Küchenchef und die Hilfskraft erstatten Strafanzeige. Heiniger ist überzeugt, dass es Fahrende waren, die ganz in der Nähe campieren. Und dass es «ein koordiniertes, eingeübtes Vorgehen war – vermutlich gibt es zahlreiche Geschädigte wie mich, nur schweigen die meisten aus Angst vor Rache». Hat er diese Angst nicht? «Man denkt schon daran», sagt er. Und dann: «Schweigen löst das Problem nicht. Sind wir derart machtlos?» Was er auch drei Tage nach dem Vorfall nicht verstehen kann: dass die Polizei das zweite Fahrzeug auf seinem Parkplatz nicht beschlagnahmte.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigt den Vorfall und den Polizeieinsatz. Und weshalb wurde das Auto nicht beschlagnahmt? «Das ist ein grösserer Akt.» Wie geht die Polizei nun vor? «Aufgrund der Autokennzeichen werden die Halter der beiden Fahrzeuge eruiert und einvernommen. Die Erkenntnisse werden dann der Staatsanwaltschaft zugeleitet.» Waren es Fahrende? «Dazu kann ich nichts sagen.»



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Leser-Kommentare:
8 Beiträge
Fan0815 (06. August 2012, 21:31)
Und was lesen wir heute im Tagblatt . . .

Die Kriminalität nimmt in der Ostschweiz zu, und der Bund will die Aufnahme von neuen Asylaten prüfen.

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nahona (05. August 2012, 11:41)
Weit gebracht?

Weit hat man es hier inzwischen gebracht!
Dafür werde ich auf einem Bahnhof einfach mal so kontrolliert.
Die Polizei hatte vermutlich einmal kurz Langeweile oder so?

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diethelm (04. August 2012, 18:04)
Warum hat der Journalist nicht nachgefragt,

wie der Geschädigte darauf kommt, dass die Täter Fahrende sein könnten? Meint das Opfer damit Roma? Schweizer Fahrende (Jenische) unterscheiden sich ja in Aussehen und Sprache nicht von sesshaften Schweizern und fallen auch nicht durch eine erhöhte Kriminalitätsrate auf.

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MoF (04. August 2012, 11:59)
Die Polizei hat keine Schuld

Solange sich Politiker für gefährliche Gruppen verständnisvoll und EU-heuchlerisch einsetzen, werden Frauenhandel, Gewalt, Einbruchstourismus usw. in der Schweiz zunehmen.
Kein Wunder: Hat ja NR Keller-Sutter gekonnt aus der Polizei eine PR-Truppe gemacht, die vor der AFG-Arena für sie Wahlkampf betrieben hat. Und RR Fässler wird kaum gegen Teile seiner ehemaligen Klientele schärfer vorgehen.

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Unternehmer (04. August 2012, 09:50)
Da kann ich "Troll" nur zusimmen....leider ist die Polizei

heute nur noch fähig, den rechtschaffenden Bürger mit Parkbussen einzudecken und zu verfolgen!!! Soweit sind wir schon in der Schweiz! Der Schweizer Einwohner ist auf jedenfall der Dumme ob bei Polizei oder Staatsanwaltschaft!

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troll (04. August 2012, 09:16)
Nicht möglich

in was für einer nicht mehr lebenswerter Zeit leben wir. ein mann wird brutal niedergeschlage die Justitz ist nicht fähig das Auto der Täter zu beschlagnahmen,zuviel aufwand ?? Bin ich froh habe ich einen Hund der mich beschützt und bin nicht auf die Polizei angewiesen der es wichtiger ist nachts Jugendliche festzunehmen die eine badi betreten.Da besteht ia auch keine Gefahr

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deich (04. August 2012, 08:52)
Abwarten

Der Artikel ist literarische Zeitungsprosa: So lernt man es wohl an Journalistenschulen. Das Investigative dabei ist allerdings einseitig geraten - musste einseitig sein, da "die andere Seite" in keiner Weise bis jetzt zu Wort gekommen ist. Und so wartet man denn auf "die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft", um klarer sehen zu können. So ist es richtig. Alle Vorverurteilungen wären in diesem Fall tendenziös. Da die Autokennzeichen in Verbindung stehen könnten mit dem vom Gault-Millau-Wirt geschilderten Vorkommnis, ist die Angelegenheit wohl transparent zu machen, zumal ein Gourmet-Gast die Szene gefilmt haben soll, wie berichtet wird. Abwarten also.

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troll (04. August 2012, 08:45)
Weicheier

Ein Auto von einer Schlägertruppe zu beschlagnahmen ist ein grösserer Akt !! Sich von solchen Leuten arbeitsunfähig schlagen zu lassen ist eine lapalie oder wie??? Was für ein sch.... stat sind wir geworden. Aus was für Weich eiern besteht unsere Politik????

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