Direkte Links und Access Keys:

Rheintaler, 24. Juli 2012, 11:27 Uhr

«Ein Kind hat gegen einen Traktor keine Chance»

Traktorunfälle

Zoom

Vor allem beim Rückwärtsfahren und Manövrieren sind Kinder in Gefahr. (Bild: Keystone)

Traktoren faszinieren Kinder. Sie stellen aber auch eine grosse Gefahr für sie dar. Mehr Sicherheit bringt eine Rückfahrkamera oder ein Kindersitz – Landwirte sind aber nicht verpflichtet, diese auch einzusetzen.

Maria Kobler-Wyer

In den letzten Wochen haben verschiedene Traktorunfälle mit Kindern für Schlagzeilen gesorgt: Am Samstag ist in Oberegg ein 14-jähriges Mädchen von einem Traktor gefallen und unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden, im freiburgischen Bösingen starb ein  12-jähriger Knabe, weil er vom Hinterrad eines Traktors überrollt wurde, Ex-Skirennfahrer Paul Accola überfuhr beim Mähen mit einem Kleintraktor einen 8-Jährigen.  Immer wieder kommen auch Kleinkinder ums Leben, weil sie auf dem Hof ihrer Eltern von einem Traktor überrollt werden. «Bei einem Unfall mit einem Traktor hat ein Kind keine Chance», sagt Beat Burkhalter, Facharbeiter bei agriss, gegenüber Tagblatt Online. «Es ist tragisch, wenn ein Kind stirbt.»

«Motoren ziehen Kinder an»
Zwar sind Stürze immer noch die häufigste Unfallursache in der Landwirtschaft. Unfälle mit Traktoren und landwirtschaftlichen Fahrzeugen ereignen sich laut Beat Burkhalter am häufigsten im Strassenverkehr. Dennoch sind Kinder auf Bauernhöfen besonders gefährdet. «Motoren sind interessant», sagt Burkhalter. «Sie ziehen Kinder an.» Und er fügt an: «Die Traktoren werden immer grösser und unübersichtlicher». Deshalb ereignen sich die meisten Unfälle beim Rückwärtsfahren oder Manövrieren.

Rückfahrkamera anbringen
Ein Landwirt hat verschiedene Möglichkeiten, die Sicherheit für Kinder auf seinem Hof zu erhöhen – eine ist die Rückfahrkamera am Traktor. «Sie ermöglicht dem Landwirt, den Raum hinter dem Fahrzeug zu sehen», sagt Beat Burkhalter. Als «etwas schwierig» bezeichnet er andere technische Systeme, bei denen es zum Beispiel piepst, wenn sich das Fahrzeug einer Person nähert. «Man verlässt sich dann vielleicht zu sehr auf das Piepsen.» Daneben appelliert Burkhalter an die Aufsichtspflicht der Bauern – dass er etwa ein Kind wegschickt, wenn er mit dem Traktor fährt oder eine andere Person bittet, das Kind zu beaufsichtigen. «Zudem sollte der Landwirt nicht zu schnell fahren, immer bremsbereit sein», sagt er.

Keine Kindersitz-Pflicht
Fährt ein Kind auf dem Traktor mit, empfiehlt Beat Burkhalter Kindersitz und Gurt sowie eine geschlossene Kabinentür. Diese Vorsichtsmassnahmen sind jedoch freiwillig, eine Kindersitz-Pflicht wie für das Auto existiert nicht. «Ich nehme nicht an, dass Kindersitze auf Traktoren demnächst gesetzlich verordnet werden», sagt er. «Wer sollte die Umsetzung kontrollieren?» Als Kinderhütemittel will er den Traktor nicht propagieren. «Aber es ist sicher besser, wenn das Kind auf dem Traktor sitzt, als wenn es unverhofft um die Ecke kommt.»

Kampagne: Mehr Sicherheit für die Kinder
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft  (BUL) hat bereits 2004 die Kampagne «Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof» ins Leben gerufen. Beat Burkhalter selber thematisiert bei Betriebskontrollen die Kindersicherheit auf dem Hof. «Wenn Kinder auf dem Hof sind, ist der Bauer sensibilisiert für dieses Thema und zeigt sich kooperativ», sagt er. Es gebe aber Unterschiede zwischen Arbeits- und Kindersicherheit. «Wenn Stroh auf einem erhöhten Boden gelagert ist, genügt ein Geländer bestehend aus einer Brustwehr und einer Knieliste, um die Anforderungen an die Arbeitssicherheit herzustellen», erklärt Burkhalter. «Kindersicher ist es aber nicht, da Kinder auf dem Geländer herumklettern könnten. Damit es kindersicher ist, müssen die Verbindungslatten senkrecht und in einem maximalen Abstand von 12 Zentimetern angebracht sein.» Der Aufwand, einen Betrieb kindersicher zu machen, sei gross.

«Jeder kann 'Schlafen im Stroh' anbieten»
Einige Betriebe bemühen sich dennoch, die Sicherheitsvorgaben der Kampagne auf ihrem Hof umzusetzen. «Vor allem Betriebe, die 'Ferien auf dem Bauernhof' oder 'Schule auf dem Bauernhof' anbieten, sind besonders interessiert», sagt Burkhalter. «Es kann auch sein, dass diese Höfe von der Tourismusseite her Auflagen erhalten oder den Nachweis einer Betriebsbesichtigung erbringen müssen». Ansonsten ist ein Landwirt nicht verpflichtet, besondere Sicherheitsmassnahmen einzuführen. «Im Prinzip kann jeder Bauer eine Tafel anbringen, auf der er 'Schlafen im Stroh' anbietet», sagt Burkhalter. «Ohne Kontrolle.»

Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL)
Die BUL ist eine private Stiftung. Sie hat die Aufgabe, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in der Landwirtschaft zu fördern. Dazu gehören Schulung, Beratung und Vermittlung von Sicherheitsprodukten. Der Bereich agriss ist verantwortlich für Arbeitssicherheit, Maschinensicherheit sowie Kinder- und Jugendarbeit. Zudem setzt BUL das Präventionskonzept agriTOP um, eine Branchenlösung des Schweizerischen Bauernverbandes SBV und der angeschlossenen Fachverbände zur Förderung der Arbeitssicherheit und der Gesundheit in den Betrieben. agriTOP ist anwendbar für landwirtschaftliche Betriebe, Lohnunternehmen, Verbände und Organisationen. Weitere Informationen unter www.bul.ch (maw)
 


Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
1 Beitrag
diethelm (24. Juli 2012, 14:59)
Sicherheit von Traktoren ist oft ungenügend.

Nicht nur Kinder, auch Traktorfahrer werden immer wieder verletzt oder getötet, wenn ihr Gefährt umkippt, obwohl es möglich ist, einen Traktor mit fester Kabine und Sicherheitsgurten auszurüsten.

Beitrag kommentieren

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Fussball

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg

 ...

Service Bäderbericht

Badewetter

facebook.com / tagblatt

 ...