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Rheintaler, 8. August 2012, 12:42 Uhr

«Es tut weh, wenn ein Tier stirbt»

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Marcel Thurnheer mit seinen selbst hergestellten Urnen. (Bild: zVg.)

Viele Besitzer möchten über den Tod hinaus mit ihrem geliebten Haustier verbunden sein. Deshalb lassen sie ihr Tier kremieren – und verstreuen die Asche im heimischen Garten oder stellen die Urne in der Wohnung auf.

MARIA KOBLER-WYER

Ein Haustier begleitet Menschen meistens über Jahre hinweg. Sein Tod ist für die Besitzerin oder den Besitzer daher oftmals ein schmerzhafter Verlust. Ihnen graut vor dem Gedanken, dass ihr geliebter Vierbeiner in der Kadaversammelstelle landet. Wohl deshalb hat ein Hundebesitzer sein Tier auf der Wiese eines Bauern in St.Gallen begraben – und die Grabstätte mit einem Holzkreuz versehen. Gegen ihn läuft nun eine Anzeige.

Der Tierhalter hätte aber auch die Möglichkeit gehabt, seinen Hund ins Haustierkrematorium im thurgauischen St.Margarethen zu bringen – dem einzigen in der Ostschweiz. «Wenn ein Tier stirbt oder vom Tierarzt eingeschläfert wird, können die Leute es zu mir bringen», sagt Marcel Thurnheer, Leiter des Krematoriums. «Oder ich hole das tote Tier selber noch am gleichen Tag ab, möglichst innerhalb der nächsten Stunden.» Für Thurnheer hat das mit Ethik zu tun. «Ich will nicht, dass die Tiere zu lange herumliegen.»

Im weissen Leichensack
Im Krematorium legt Marcel Thurnheer das tote Tier in einen weissen Leichensack. «Auf den Sack schreibe ich den Namen des Tieres, den Todestag sowie das Gewicht.» Danach bringt er den Leichensack in den Kühlraum. «Für mich haben die Tiere auch eine Seele», erklärt der Kremator. «Und diese Seele muss sich nach dem Tod neu orientieren. Deshalb warte ich drei Tage bis zur Kremation.»

Wenn Marcel Thurnheer den Leichensack in den Kremationsofen schiebt und später die Asche wieder herausholt, sind die Tierbesitzer selten dabei. «Während der Kremation gibt es nicht viel zu sehen», sagt er. «Zudem bringen mir die Besitzer sehr grosses Vertrauen entgegen.» Bei einer Katze dauert die Kremation etwas mehr als eine Stunde, bei einem Hund bis zu drei Stunden. Nach der Kremation muss die Asche abkühlen und wird dann von Hand weiterverarbeitet. Bei einer Einzelkremation kann die Asche später abgeholt werden oder sie wird dem Besitzer zugesandt.

Einzelkremationen sind häufiger
«99 Prozent der Kremationen sind Einzelkremationen», sagt Marcel Thurnheer. «Die Besitzer verstreuen die Asche bei sich zu Hause an den Lieblingsplätzen ihrer Tiere, vergraben sie oder stellen die Urne in der Wohnung auf.» Beim Ostschweizer kann man nämlich aus verschiedenen Urnen auswählen, zum Beispiel Herzformen, Pyramiden oder Katzen aus Keramik. Bei Sammelkremationen verstreut Thurnheer die Asche bei sich im Garten und schliesst somit den natürlichen Kreislauf wieder.

Besitzerinnen und Besitzer, die ihren Vierbeiner ins Haustierkrematorium gebracht haben, loben in ihren Gästebucheinträgen auf seiner Homepage Thurnheers würdevollen und einfühlsamen Umgang mit den Tieren. «Wenn die Leute zu mir kommen, sind sie traurig», sagt er. «Ich höre ihnen immer zu und kann ihre Trauer verstehen.» Zur Erinnerung an das geliebte Tier erhält der Tierhalter ein passendes Gedicht, versehen mit dem Todestag.
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Der Kremationsofen im Tierkrematorium.
(Bild: zVg.)


«Mein Job ist nicht einfach»
Marcel Thurnheer hält selber viele Tiere – darunter Hunde, Schildkröten, Kaninchen, Zwerggeissen und Vögel. «Die meisten Tiere habe ich von Bekannten erhalten, welche ihre Tiere nicht mehr haben konnten», sagt der Kremator. «Eine Frau, die ins Altersheim gezügelt ist, hat mir etwa ihre Vögel überlassen.»  Stirbt eines seiner Tiere, kremiert er es - «auch ein Huhn oder einen Kanarienvogel». Die Asche verstreut er im Garten. Im Garten, unter seinem «Fried-Baum» – einer grossen Tanne nahe beim Bach –, setzt sich Marcel Thurnheer oft hin, um das tägliche Leid zu verarbeiten. «Mein Job ist nicht einfach», sagt er. «Es ist schmerzhaft, wenn ein treuer Wegbegleiter stirbt und plötzlich fehlt ein Teil der Familie.»

Er ist immer für die Tiere da und redet mit ihnen – auch mit jenen, die im Leichensack im Kühlraum liegen. «Ich bin rund um die Uhr erreichbar», sagt der 60-Jährige. «Mit mir kann man nicht abmachen, nicht einmal meine Frau kann das.» Denn Marcel Thurnheer will immer parat sein, wenn er irgendwo ein totes Tier abholen soll oder eines zu ihm gebracht wird.

Stiftung soll Haustierkrematorium erhalten
Marcel Thurnheer kremiert seit 2007 Haustiere. «Im ersten Monat waren es keine 15 Tiere», sagt er. Seither sind es immer ein bisschen mehr geworden – am häufigsten kremiert er Hunde und Katzen. «Millionär werde ich mit meinem Krematorium nicht», sagt Thurnheer. «Aber es reicht und ich bin zufrieden.» Sein grösster Wunsch ist, die Haustier-Verbrennungsanlage erneuern zu können. Wenn er und seine Frau das Krematorium nicht mehr selber führen können, soll eine Stiftung dafür sorgen, dass das Krematorium erhalten bleibt. «Auch spätere Generationen sollen sich in Würde von ihrem geliebten Haustier verabschieden können», Thurnheer. Weitere Infos unter www.fried-baum.ch (maw)


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