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Rheintaler, 11. August 2012, 01:35 Uhr

Plötzlich Spinnenexperte

Dr. Markus Gnädinger, Spinnenforscherin seiner Praxis Zoom

Markus Gnädinger in seiner Praxis – auf dem Monitor eine Dornfingerspinne. (Bild: Hanspeter Schiess)

STEINACH. Markus Gnädinger, Facharzt für Innere Medizin in Steinach, hat die erste prospektive Studie zu Spinnenbissen in Mitteleuropa lanciert. Zum Spinnenexperten wurde der Hausarzt aber bereits vor seiner Forschungstätigkeit erklärt.

SARAH SCHMALZ

Mit einem Beitrag im Forum für Hausarztmedizin fing alles an. «Kennen Sie die Dornfingerspinne?» titelte Gnädinger im Sommer 2005 und schilderte den Fall einer Patientin «mit zwei grossen Entzündungsherden an den Waden». Auf seine Behandlungstips wurde eine Zeitungsreporterin aufmerksam. Gnädinger stand für ein Interview zur Verfügung, verwies die Frau aber für fachliche Auskünfte ans Tropeninstitut weiter. Einen Tag später meldete sich das Radio: «Sie sind doch Spinnenexperte…»

Dass die Journalisten bei ihrer Recherche keinen wirklichen Experten fanden, ist kein Zufall: In Mitteleuropa wurden in den vergangenen 150 Jahren lediglich 12 Fallbeschreibungen von Spinnen-bissen publiziert; systematische wissenschaftliche Studien gab es bis anhin nicht. Gnädinger beschloss daher, selber aktiv zu werden. Zwar bewilligten die kantonalen Ethikkommissionen seine Eingabe, doch die Akademie der medizinischen Wissenschaften wollte seine Studie nicht finanzieren: Es gebe dringlicheres zu erforschen als – meist harmlose – Spinnenbisse. Doch Gnädinger fand private Sponsoren und mit zwei Instituten der Universitäten Zürich und Bern renommierte Forschungspartner.

«Jede Spinne kann beissen»

15 belegte beziehungsweise mutmassliche Spinnenbisse sind den Forschern bisher von Ärzten gemeldet worden. «Über Kieferzangen und Giftdrüsen verfügen alle Spinnenarten», sagt Gnädinger. Um die menschliche Haut zu durchdringen, müsse eine Spinne aber mindestens einen Zentimeter gross sein. Auch beissen die Krabbeltiere nur, wenn sie sich bedrängt fühlen oder ihre Brut verteidigen wollen. Gnädinger sagt deshalb: «Ich will mit unserer Studie keine Angst schüren.» Vielmehr geht es dem Hausarzt darum, Erkenntnisse über mögliche klinische Verläufe und die verursachenden Spinnen zu gewinnen.

Eine Patientin im Spital

Da Spinnen ein ähnliches Gift injizieren wie Bienen oder Wespen, ist eine definitive Diagnose nur möglich, wenn der «Übeltäter» nach dem Biss gefangen wird. Seit Beginn der Studie im Juni 2011 war das sieben Mal der Fall. Wolfgang Nentwig, Professor am Institut für Ökologie und Evolution an der Universität Bern, untersucht die Tiere. Für die meisten Bisse waren bisher die einheimische Ammendornfinger- und die mediterrane Kräuseljagdspinne verantwortlich. Erstere löste einen schwerwiegenden Verlauf aus: Eine Frau aus dem Wallis musste wegen stechender Schmerzen und Symptomen wie Kreislauf- und Atemproblemen während zwölf Stunden im Spital überwacht werden.

Neue Arten wegen Klimawandel

In der Schweiz siedeln sich dank der steigenden Temperaturen immer mehr Spinnen aus dem Mittelmeerraum an. Unter den südlichen Spinnenarten gibt es einige hochgradig giftige – Gnädinger spricht unter anderen von Arten, die das Nervensystem schädigen oder offene Hautwunden bewirken können. Für die Existenz solcher Spinnen in der Schweiz gibt es bisher keine Hinweise. Doch bis im November 2012 wird weiter geforscht.



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