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Tagblatt Online, 10. Januar 2012 01:07:00

Der Armut begegnen

Gossau - Friedeggstrasse 7 Verein Friedegg-Treff Zoom

Nicht mehr in tadellosem Zustand: Das Haus an der Friedeggstrasse 7 soll zum Treffpunkt für armutsbetroffene Menschen werden. (Bild: Ralph Ribi)

Armutsbetroffene leben häufig isoliert und sind auf Unterstützung angewiesen. Auch in Gossau. Der Verein Friedegg-Treff will Menschen in Not mehr als nur materielle Hilfe anbieten und einen Ort der Begegnung schaffen.

RAFAEL ROHNER

GOSSAU. Bis ein geeigneter Ort für einen Treffpunkt gefunden war, hatte es lange gedauert. Während mehr als einem Jahr war eine Projektgruppe mit der Suche beschäftigt. Die Bemühungen haben sich gelohnt. Zwar ist die Farbe an der Holzfassade am Haus an der Friedeggstrasse 7 stellenweise abgeblättert, im Innern macht das Haus aber einen guten, charmanten Eindruck. Es ist zentral gelegen und von einem wild-romantischen Garten umgeben. Und sogar der Strassenname passt zum Vorhaben.

Die Idee, einen Treffpunkt für Armutsbetroffene in Gossau einzurichten, hatten die Verantwortlichen von «Transfair», der wöchentlichen Lebensmittelabgabe. Ihnen ist aufgefallen, dass es viele Armutsbetroffene, Alleinstehende oder Erwerbslose gibt, die abgesehen von materieller Unterstützung weitere Hilfe benötigen. Sei dies bei der Stellensuche, bei Einsamkeit oder anderen persönlichen Anliegen. Während es in Wittenbach oder Flawil solche Angebote bereits gibt (Kasten), bestand in Gossau diesbezüglich bisher eine Lücke.

Ein kirchliches Projekt

Der Friedegg-Treff ist ein ökumenisches diakonisches Projekt der evangelischen und der katholischen Kirche Gossau. Die Stadt stellt für die ersten drei Jahre das Haus zur Verfügung und ist mit Jigme Shitsetsang, dem Leiter Soziales, im Vereinsvorstand vertreten. Die Stadt Gossau benötigt das Haus erst seit kurzem nicht mehr. Die Feuerwehr hatte es lange Zeit als Werkstatt und Lagerraum genutzt, bis sie im Herbst in das neue Depot an der Bischofszellerstrasse umziehen konnte.

Der Trägerverein für den Friedegg-Treff wurde gestern gegründet. Kurz darauf informierte der Vorstand über das weitere Vorgehen. «Der Start des Projekts ist auf April oder Mai angesetzt», sagte Martin Peter, frischgebackener Vereinspräsident. Bis dahin müsse das Haus eingerichtet und renoviert werden. Wie viel am Haus angepasst werden könne, sei von den Spenden abhängig, die eingehen. Der Verein hoffe auf die Unterstützung von Sponsoren, Handwerkern oder anderen Gossauerinnen und Gossauern, die mithelfen wollen. Gesucht seien zudem Personen mit guter Sozialkompetenz, die als Gastgeberinnen oder Gastgeber die Besucher unterstützen könnten.

Computer werden eingerichtet

Der Verein Friedegg-Treff will im neuen Haus Kurse in Sozial- und Selbstkompetenz anbieten. Es stehen Computer zur Verfügung, und die Räume sollen von Selbsthilfegruppen oder anderen Gruppen genutzt werden können. Der Treff soll mindestens an vier halben Tagen in der Woche geöffnet sein. Die Lebensmittelabgabe «Transfair» wird ebenfalls einziehen. «Willkommen sind alle, die Hilfe suchen», sagt Peter.





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