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Rheintaler, 6. August 2012, 01:37 Uhr

Nah und doch unerreichbar

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Zutritt verboten: Seit dem Deckeneinsturz vor 14 Jahren gilt die Salpeterhöhle, unterhalb der Ruine Helfenberg, als einsturzgefährdet. (Bild: Marion Loher)

Höhlen haben eine magische Anziehungskraft. Jene der Salpeterhöhle im Tal der Glatt in Gossau allerdings ist beschränkt. Betreten verboten, heisst es, wegen Einsturzgefahr. Ein Ausflug zur Höhle lohnt sich dennoch.


GOSSAU. Es ist Sonntagmorgen, halb zehn Uhr. Die Wanderschuhe sind geschnürt, der Rucksack ist gepackt. Wichtigstes Utensil: der Regenschutz. Denn drei Stunden zuvor hat es noch wie aus Kübeln gegossen. Jetzt aber fällt kein Tropfen vom Himmel, die Wolken machen je länger desto mehr der Sonne Platz. Die Laune bessert sich. Bereit zum Abmarsch. Ziel ist die Salpeterhöhle im Tal der Glatt. Es ist der eine Satz auf der städtischen Homepage unter «Sehenswertes», der die Neugier für diesen Ausflug geweckt hat: «Die Höhle ist einsturzgefährdet, ein Betreten deshalb verboten.»

Schmal und dicht bewachsen

Ausgangspunkt ist die Muelt. Auf einer Naturstrasse geht es geradeaus in Richtung Rüti, vorbei an zwei Bauernhöfen. Auf der Wiese nebenan kauen ein paar Kühe am sattgrünen Gras und beäugen die Wanderer kritisch. Ansonsten scheint keine Menschenseele für diesen Ausflug so früh aus den Federn zu hüpfen. Kaum gedacht, biegt auch schon eine ältere Frau um die Ecke. Ob diese Richtung zur Salpeterhöhle stimme, möchte man von ihr wissen, da bis anhin – ausser der gelben Markierung «Wanderweg» – kein einziges wegweisendes Schild zu sehen war. Auch die aus dem Internet ausgedruckte Wanderkarte scheint nicht alle Wege hier mit Namen zu kennen. Ja, sagt sie, aber sie wisse nicht, ob man überhaupt noch zur Höhle gelangen könne. Es sei lange Zeit nichts mehr an den Wegen durch den Wald gemacht worden. Und tatsächlich, der kleine Fussweg, der von der Strasse Richtung Tobelmüli in den Wald abzweigt, ist ziemlich dicht bewachsen. Zudem sehr schmal, und der Regen der vergangenen Nacht hat ihn gefährlich rutschig gemacht. Sonnenbrille ab heisst das und auf den Boden schauen. Auch wegen der vielen Schnecken, die gemächlich von einem Wegrand zum andern kriechen.

In Begleitung der Glatt

Nach etwa 50 Metern wird der Pfad etwas breiter, und der Wald lichtet sich ein wenig. Vor allem auf der linken Seite tun sich immer wieder Lücken auf. Sie gewähren einem einen herrlichen Blick auf den Fluss, die Glatt, deren Rauschen von nun an die Wanderer auf ihrem Weg begleitet. Und es ist auch da, als ein Rastplatz mit Bänken aus massivem Holz und einer gut eingerichteten Feuerstelle im Blickfeld auftaucht. Jetzt kann die Salpeterhöhle nicht mehr weit sein. So jedenfalls steht es in der Wegbeschreibung. Und dann ist sie da, nach 35 Minuten Fussmarsch. Die Höhle, die vielmehr eine offene Felsenhalle ist. Nur wenige Meter entfernt. So nah und doch so weit weg. Denn ein dickes Seil aus Metall verhindert den Zugang. «Betreten verboten», heisst es auf der Tafel, die von der Gemeinde Gossau aufgestellt wurde, «wegen der Gefahr von Niederbrüchen aus der Höhlendecke.» Das Verbot gilt seit Mai 1998, als grössere Felsbrocken von der Decke herunterstürzten.

Der Reiz des Verbotenen

Höhlen haben etwas Mystisches, Magisches. Und für den Bruchteil einer Sekunde ist der Reiz da, etwas näher ran zu gehen. Doch die Vernunft siegt. Zur eigenen Sicherheit. Zudem lohnt sich der Ausflug ins Tal der Glatt alleine schon wegen der Natur und der Ruhe sowie des Gefühls, für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen zu können. Marion Loher



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