Tagblatt Online, 28. Oktober 2008 06:51:00
Das erste Mal vor der Kamera
Schauspielerin Melanie Sauder feiert mit «ZuFallBringen» ihre Premiere auf dem Set: Ohne jegliche Ausbildung hat sie sich eine der vier Hauptrollen ergattert. (Bild: Bild: Hannes Thalmann)
ST.GALLEN. Melanie Sauder stand für das Improvisationsdrama «ZuFallBringen» das erste Mal vor einer Filmkamera und erfüllte sich damit einen Traum. Ob sie sich auch in Zukunft der Schauspielerei widmen wird, weiss sie noch nicht.
Markus Zahnd
«Es war ein überwältigendes Gefühl, sich zum erstenmal auf der Kinoleinwand zu sehen», erzählt Melanie Sauder. Sie ist immer noch berauscht von der Vorpremiere des Films «ZuFallBringen» in Abtwil. «Irgendwie habe ich das Ganze gar noch nicht richtig realisiert: Mit dem Film ist ein Traum in Erfüllung gegangen.»
In zweiter Runde gescheitert
Die 24jährige St. Gallerin hatte bis zum Dreh des Improvisationsdramas nur wenig mit dem Filmbusiness am Hut. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre mit Berufsmittelschule. In der Primarschule hatte sie zwar bei mittelgrossen Theatern mitgewirkt, doch: «Weit mehr Bühnenerfahrung sammelte ich mit Musikauftritten», sagt Melanie Sauder, «mit Klavierkonzerten und als Sängerin in Bands.»
Der definitive Einstieg in die Musikbranche blieb ihr verwehrt. Melanie Sauder nahm an der zweiten Staffel von «Music Star» teil, scheiterte aber in der zweiten Runde. Ins TV-Casting-Schema habe sie ohnehin kaum gepasst. «Das weiss ich heute», sagt sie. «Ich bin dennoch froh um die gemachten Erfahrungen.»
Rolle der Nuria
Vom Casting für den Film erfuhr Melanie Sauder aus dem Tagblatt: «Ich las, dass für diese Low-Budget-Produktion Darsteller gesucht werden. Ich stellte mich spontan vor und bekam mit der Figur der Nuria eine der vier Hauptrollen.»
Die Mitglieder der Crew – mehrheitlich aus der Region St. Gallen – kannte sie nicht. «Ich meldete mich einfach, zu verlieren hatte ich ja nichts.»
Jung, naiv und beeinflussbar
Melanie Sauder hat mit ihrer Filmrolle nur wenig gemeinsam. «ZuFallBringen» handelt von vier jungen Erwachsenen. Diese kämpfen gegen die Ziellosigkeit, mit Drogenproblemen und ihrem Liebesleben. «Nuria ist jung, naiv und leicht beeinflussbar. Da sehe ich kaum Parallelen zu meinem Leben.» Sie sagt dies überzeugt – und lässt sich auch von den positiven Rückmeldungen zum Film nicht blenden.
Stolz und ein überwältigendes Gefühl seien ihr dennoch erlaubt, denn eine Schauspielausbildung hat Melanie Sauder nicht. Sie könne sich durchaus vorstellen, Kurse zu besuchen. Momentan sei dies aus zeitlichen Gründen jedoch nicht möglich. Die St. Gallerin wünscht sich zwar eine Zukunft als «Actrice», doch ganz auf die Sparte Film will sie nicht setzen. «Ich weiss, dass die Möglichkeiten in der Schweiz ziemlich begrenzt sind, daher würde ich meinen Job für die Schauspielerei nicht aufgeben. Zudem arbeite ich nun in unserem Familienbetrieb in Henau. Schön wäre es aber natürlich, wenn ich beides verbinden könnte.»
Abheben nur vor der Kamera
Melanie Sauder entspricht mit ihrer realistischen Sicht in keiner Weise dem oft gezeichneten Bild der abgehobenen Künstlerin. Sie sei trotz des Film-Engagements auf dem Boden geblieben, sagt sie über sich selbst. «Wenn es aber um das Spielen vor der Kamera geht, dann hebe ich schon etwas ab.»
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