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Tagblatt Online, 03. September 2010 07:41:00

«Ich sage, was ich als richtig erachte»

Regierungsrat

Herbert Huser SVP Zoom

Der Architekt Herbert Huser will bei einer Wahl «nicht unbedingt ins Baudepartement». (Bild: Archivbild: Hanspeter Schiess)

ALTSTÄTTEN. Der Altstätter Kantonsrat und Präsident der SVP Rheintal, Herbert Huser, ist von der Kantonalpartei als Regierungsratskandidat nominiert worden. Er sagt: «Das Rheintal hat wieder einmal einen Regierungsrat verdient.»

Herr Huser, wie kam es zu Ihrer Bewerbung um diese Kandidatur?

Herbert Huser: Als mein langjähriger Geschäftspartner in den vorzeitigen Ruhestand ging, überlegten meine Frau und ich, wie es mit der eigenen Firma weitergehen soll. Die Nachfolgeregelung war ein zentrales Thema. Mein Sohn Lars und unser Schwiegersohn Thomas Zünd sind bereits länger in unserer Firma tätig und wollen das Architekturbüro gemeinsam weiterführen. Darin habe ich die Chance erkannt, mich nochmals einer neuen Herausforderung zu stellen.

Und so kamen Sie auf die Idee, für den Regierungsrat zu kandidieren?

Huser: Der Idee war natürlich der allgemeine Aufruf meiner Partei vorausgegangen, sich bei Interesse zu melden. Zudem wurde ich in unser Fraktion von vielen ermuntert, mich für die Wahl zur Verfügung zu stellen.

Sie kennen ja den SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker. Hat auch er Sie ermuntert?

Huser: Ja, das hat er.

Sie sagen, es reizt Sie, mit 52 nochmals etwas völlig Neues zu tun. Warum ausgerechnet als Regierungsrat?

Huser: Ich beschäftige mich sehr gerne mit brennenden Themen und mit Problemen, die zu lösen sind. Aktuelle Beispiele sind die Zukunft der Landspitäler oder der grenzüberschreitende Verkehr. Es stört mich, dass das Zepter beim Verkehr den Vorarlbergern überlassen wird; jedenfalls ist das mein Eindruck.

Als Kantonsrat habe ich zudem gesehen, dass es für den politischen Prozess sinnvoll sein kann, auch einmal eine neue Sichtweise einzubringen, gerade wenn es um den vernünftigen Einsatz finanzieller Mittel geht. Damit will ich nicht sagen, dass meine Sichtweise immer die beste sein muss.

Was qualifiziert Sie für ein regierungsrätliches Wirken?

Huser: Spontan fällt mir ein: Die Lebenserfahrung und die erfolgreiche selbständige Tätigkeit seit 27 Jahren.

Sowohl innerhalb der SVP als auch im eigenen Unternehmen mit einem Dutzend Mitarbeitenden habe ich gesehen, dass ich andere gut motivieren und für gemeinsame Ziele begeistern kann.

Als Regierungsrat, nehme ich an, wären Sie aufgrund Ihrer Erfahrung als Architekt am liebsten Vorsteher des Baudepartements.

Huser: Jedes Departement ist mir recht, es muss nicht unbedingt das Baudepartement sein! Ich suche ja nach einer neuen Herausforderung und will eben nicht zwingend im gleichen Metier weitermachen.

Sie hatten vor der Abstimmung über den Ausbau und die Sanierung der Kanti Heerbrugg sozusagen «die Region» gegen sich. Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie hätten sich mit Ihren Positionen auch schon gegen die Interessen des Rheintals gestellt?

Huser: Wie ich das eben erst in einem Zeitungsbeitrag dargelegt habe, sehe ich das völlig anders. Beim Thema Kanti-Ausbau ging es um eine Sachfrage, die unabhängig von der Region, in der die Kanti sich befindet, zur Debatte stand.

Ich war von allem Anfang an ganz klar für den Ausbau der Kanti, bloss hatte ich eine andere Lösung als die nachhaltigere erachtet. Das Volk hat gegen mich gestimmt, und das ist auch in Ordnung und kein Problem für mich.

Auch innerhalb Ihrer eigenen Partei waren Sie bei der Kanti-Vorlage in der Minderheit. – Ist auch das kein Problem für Sie?

Huser: Am Anfang war ich mit meiner Ansicht allein, das ist richtig. Ich vertrat sie trotzdem in der Fraktion und konnte dann rund die Hälfte der Mitglieder überzeugen.

Geteilt wurden meine Bedenken von allen, aber das Kanti-Projekt galt für einige als zu weit fortgeschritten, als dass man es gefährden wollte. Zu Ihrer Frage: Nein, es ist absolut kein Problem für mich. Als Gewählter sage ich, was ich als richtig erachte; ich verbiege mich nicht.

Einem Regierungsrat fällt das wohl schwerer.

Huser: Das ist zwar so, dafür lässt sich in einer Exekutive mehr bewirken als in der Legislative. Das ist reizvoll. Bei dieser Gelegenheit sei auch betont, dass mir das Rheintal am Herzen liegt.

Ich denke, diese Region verdient es, wieder einmal in der Regierung vertreten zu sein. Auch Thomas Ammann wäre mir recht gewesen. Hätte der Rüthner CVP-Gemeindepräsident sich zur Kandidatur entschlossen, wäre ich wohl nicht selbst angetreten.

Am 26. September wird über die ALV-Vorlage abgestimmt. Die SVP Rheintal sagt zusammen mit CVP und FDP Ja. Sie ebenfalls?

Huser: Ja, ganz klar.

Wie steht es mit der Vorlage zum öffentlichen Verkehr, dem Projekt S-Bahn St.Gallen 2013?

Huser: Grossmehrheitlich wird diese Vorlage von der SVP unterstützt. Ich selbst bin auch dafür, wünschte mir aber grundsätzlich ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen dem Ausbau der Strassen und des öffentlichen Verkehrs. Die Doppelspur fürs Rheintal ist sicher sinnvoll.

Hingegen wäre es eigenartig, wenn die Bahn dank hoher Investitionen täglich von 100 Leuten mehr benützt würde, ein Dorf wie Diepoldsau dagegen im Verkehr erstickt.

Fahren Sie selbst mitunter mit dem Zug?

Huser: Für weite Strecken benütze ich regelmässig die Bahn.

Als Regierungsrat würden Sie pendeln – mit dem Auto oder mit der Bahn?

Huser: Keine Frage, mit der Bahn.

Was halten Sie von längeren Ladenöffnungszeiten?

Huser: Eine moderate Lösung, wie sie nun vorgeschlagen wird, finde ich gut.

Kurz und bündig: Was haben wir Rheintaler davon, wenn Sie Regierungsrat werden?

Huser: Wie ich schon sagte: Der Wahlkreis Rheintal als zweitgrösster im Kanton hat wieder einmal einen Regierungsrat verdient.

Als ein sehr liberaler SVP-Vertreter unserer Fraktion bin ich zwar nicht in jeder Hinsicht auf der Linie des Arbeitgeber-Verbandes des Rheintals, aber wir haben das gleiche Ziel: Auch ich will nichts lieber, als dass es unserer Region gut geht.

Interview: Gert Bruderer







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