Tagblatt Online, 07. September 2010 06:33:00
Feuchte Keller in der «Neuen Welt»
Die Feuerwehren Rüthi-Lienz und Oberriet im Einsatz beim Hochwasseralarm vom 28. August am Binnenkanal bei Rüthi. (Bild: Archivbild: Samuel Tanner)
RÜTHI. Nach dem Hochwasseralarm am Binnenkanal sucht Thomas Ammann mit den zuständigen St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken (SAK) nach Verbesserungen. Die Anwohner zeigen sich derweil enttäuscht von der Renaturierung.
Samuel Tanner
Die Anwohner im Siedlungsgebiet «Neue Welt» in Rüthi sind mit einem blauen Auge davongekommen am 28. August, als der Rüthner Binnenkanal nach starken Regenfällen beinahe über die Ufer trat. Die mutmassliche Hauptursache lag bei einer Schleuse in Lienz, welche die Wasserzufuhr vom Werdenberger in den Rheintaler Binnenkanal regelt. Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke, zuständig für die Schliessung der Schleuse, reagierten damals erst spät. Zwei Häuser hatten Wasser im Keller. Schlimmeres konnte jedoch verhindert werden.
«Keine alarmierenden Werte»
Rüthis Gemeindepräsident Thomas Ammann sagt auf Anfrage: «Die Fehleranalyse läuft, wir sind dazu in Kontakt mit den SAK.» Er verspricht, in zwei bis drei Wochen mit weiteren Informationen und Vorschlägen an die Öffentlichkeit zu treten. «Klar ist, dass Verbesserungen nötig sind. Gegenüber den SAK werden wir unsere Forderungen unmissverständlich stellen.» Bereits unmittelbar nach dem Unwetter hatte der Gemeindepräsident von den SAK Optimierungen gefordert.
Stefano Garbin ist Geschäftsführer der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke. Er sagt: «Unsere Messwerte haben an jenem Samstagmorgen zuerst keine alarmierenden Werte gezeigt. Deshalb sind wir auch erst später ausgerückt.» Nur ist diese Messstation nicht in unmittelbarer Nähe der «Neuen Welt» positioniert und lieferte im geschilderten Fall keine brauchbaren Daten. Ammann möchte deshalb prüfen lassen, ob eine weitere Messstation sinnvoll wäre. Es gehe nicht darum, dem anderen die Schuld zuzuweisen.
«Wir sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert», sagen beide Parteien.
Hochwasserschutz als Thema
Die Anwohner des Siedlungsgebietes «Neue Welt» sind enttäuscht von der im Jahr 2008 fertiggestellten Renaturierung etwas unterhalb ihrer Häuser. Das Projekt «Ökologie und Hochwasserschutz im Einklang» wurde immer wieder mit Lob überschüttet. Thomas Ammann sprach oft vom Vorbildcharakter dieser Investition. Die Artenvielfalt werde drastisch steigen, wurde prophezeit.
Noch im vergangenen Jahr gewann die Renaturierung einen Preis. Von einem Jahrhundertprojekt war die Rede.
Der Grundtenor bei den Anwohnern lautet aber, dass man ihnen zu viel versprochen habe. «Die Renaturierung brachte bezüglich Hochwasserschutz nichts», sagt Anwohner Kurt Schawalder. «Immer wenn der Wasserpegel des Kanals einen gewissen Stand erreicht hat, haben wir Wasser im Keller, so auch dieses Mal.» Weil der Kanal jetzt weniger Zug habe, werde das Wasser zurückgestaut, beobachtete Schawalder.
Nachbarin Vreni Bösch ist jeweils angespannt, wenn der Pegel des Binnenkanals steigt. «Wir hatten diesmal nur wenig Wasser im Keller», sagt sie. Bei ihr drücke das Grundwasser, was aber mit dem Kanal-Pegel zusammenhänge.
Reto Walser war als Ingenieur direkt am Projekt beteiligt. Der Spezialist entkräftet die Argumente der Anwohner: «Der Kanal bekam durch die Renaturierung mehr Platz, das unterstützt die Fortschritte im Hochwasserschutz.» Gemeindepräsident Ammann macht darauf aufmerksam, dass der Entscheid zur Renaturierung demokratisch gefällt wurde.
- Artikel empfehlen:









Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben