Tagblatt Online, 19. Dezember 2009 01:02:43
Frauen in Sagen und Liedern
Der Diogeneschor: gepflegte Stimmen und ein starkes Bild. (Bild: Bild: Max Pflüger)
Gestern Abend feierte der Diogeneschor unter der Leitung von Urs Stieger Premiere seiner zweiten Eigenproduktion. Morgen Sonntag und am 15. und 16. Januar wird das Programm mit Frauenliedern noch dreimal aufgeführt.
max pflüger
altstätten. Lieder von starken Frauen stehen auf dem zweiten Programm des Altstätter Diogeneschors unter der Leitung von Urs Stieger. Neun Frauen, ein Sänger und drei Engel singen Lieder nicht nur aus alten Zeiten, sondern auch aus der Gegenwart. Instrumental begleitet werden die Sängerinnen und der Sänger vom Ensemble Imago – Music from the global village. Morgen Sonntag um 17 Uhr steht der Diogeneschor noch einmal auf der Bühne.
Schwarze Madonnen, weisse Göttinnen und weise Frauen sind im Alpenraum in zahlreichen Volkssagen und Geschichten, aber auch in vielen Liedern vertreten. Urs Stieger hat mit solchen Liedern ein auch in sprachlicher Hinsicht abwechslungsreiches Programm zusammengestellt und mit dem Diogeneschor musikalisch und szenisch einstudiert. Resultat ist ein gediegener und kurzweiliger Konzertabend.
Unverkennbar Urs Stieger
«Schwarze Madonna – weisse Göttin, Lieder von starken Frauen» trägt unverkennbar die Handschrift ihres musikalischen Leiters, Regisseurs und Produzenten Urs Stieger: archaische Bilder in ursprünglicher Tonsprache, echte und unmittelbare Begegnung mit Liedern aus dem Mittelalter und aus neueren Zeiten, musikalisches Engagement und möglichst originalgetreue Umsetzung des Gesangs, der Begleitung und der Sprache.
In seinem «Frauenlieder»-Programm mit dem Diogeneschor ist Urs Stieger jedoch feiner und gemässigter geworden. Das Ungestüme und Wilde seiner Minnelieder und seiner Bellmann-Interpretationen hat sich gelegt, ist zärtlicher geworden und dennoch sinnlich und «direkt aus dem Bauch heraus kommend» geblieben. Sein Chor singt fröhlich-beschwingt oder schmerzlich-gedrückt, bringt die feinen Schwingungen der Gefühlswelt mit guter Dynamik zum Tragen, schreit die Empfindungen aber nie ungehemmt und unkontrolliert aus sich heraus.
Die Inszenierung von Urs Stieger ist ebenfalls hervorragend gelungen. Die Choreografie ist zurückhaltend, die szenische Gestaltung dezent und unaufdringlich. Musik und optischer Eindruck ergänzen sich passend, die Lieder werden nicht von beherrschender Theatralik erdrückt.
Hervorragende Solisten
Die neun Sängerinnen und der Sänger bewähren sich in den Frauenliedern aber nicht nur als gepflegte Chorstimmen, sondern vermögen auch solistisch zu überzeugen. Immer wieder tritt zum Beispiel Brigitte Tagmann in den Vordergrund.
Mit dem Lied «Humble Me» der Amerikanerin Norah Jones, mit «Ondas de mar de virgo», einem mittelalterlichen Lied aus dem Portugal des 12. Jahrhunderts, oder «Ophelia» zum Beispiel erntete sie wohlverdienten, begeisterten Applaus.
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