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Rheintaler, 29. Januar 2013, 01:36 Uhr

«Wir behalten das Problem im Auge»

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Peter Diethelm (v. l.), Leiter der Direktion Supermarkt Migros Ostschweiz, NTB-Dozent Professor Roger Rusterholtz, Moderator Elmar Hürlimann und Thomas Ammann, Präsident des Vereins St. Galler Rheintal, an der Rheintal-Konferenz 2013. (Bild: Cécile Alge)

REBSTEIN. Wie stark sind wir vom Einkaufstourismus betroffen? – Unter anderem darüber wurde an der Rheintal-Konferenz des Vereins St. Galler Rheintal und des Arbeitgeber-Verbandes des Rheintals im ri.nova Impulszentrum diskutiert.

CéCILE ALGE

Das waren noch Zeiten, als die Kassen der Rheintaler Geschäfte wegen des «Nudeltourismus» der Vorarlberger klingelten. Heute ist es umgekehrt. Rheintalerinnen und Rheintaler gehen über die Grenze auf Schnäppchenjagd. Immer häufiger aber auch, um sich mit Dingen für den täglichen Gebrauch einzudecken. Sehr zum Leidwesen der hiesigen Anbieter. Dieser Trend bewegt die Gemüter. Deshalb diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft an der Rheintal-Konferenz des Vereins St. Galler Rheintal und des Arbeitgeber-Verbandes des Rheintals im ri.nova Impulszentrum darüber. Fakten dazu bot Peter Diethelm, der als Leiter der Direktion Supermarkt Migros Ostschweiz 91 Supermärkte betreut. Er nannte auch Gründe für den regen Einkaufstourismus nach Vorarlberg: Den günstigen Euro-Kurs, die hartnäckige Werbung und die kostenlosen Parkmöglichkeiten. Ausserdem werden den Kundinnen und Kunden oftmals auch die bürokratischen Dinge erleichtert – vorgefertigte Zollpapiere, bei denen nur noch unterschrieben werde müsse, seien keine Seltenheit. Die Migros reagiert auf diesen Trend. «Wir haben im letzten Jahr in Preisabschläge von 1,5 Milliarden Franken investiert. Ausserdem setzen wir auf regionale Produkte, die wir auch bewerben. Auch Nachhaltigkeit und Bio sind ein Thema», zählte Diethelm auf. Wichtig sind dem Grossverteiler attraktive Verkaufsflächen. Solche werden auch in Krisenzeiten geschaffen (siehe Rheinpark), damit man für bessere Zeiten gewappnet sei. Am runden Tisch wurde diskutiert und sich auch gefragt, wie man konkret auf den Einkaufstourismus reagieren könne.

Zusammenfassend hielt Thomas Ammann, Präsident des Vereins St. Galler Rheintal und CVP-Kantonsrat, fest, dass es aus politischer Sicht schwierig sei, Massnahmen zu treffen. «Wichtig ist, dass sich jeder selbst an der Nase nimmt und in der Region einkauft. Klar ist, dass wir das Problem im Auge behalten.»

Drei Thesen

Ein weiteres Thema der Rheintal-Konferenz war der fehlende Nachwuchs in der Politik. Alle wissen zwar, dass man als Mandatsträger wichtiger Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Politik ist, dennoch ist das Interesse am Mitwirken gering. Nur 2,3 Prozent der Schweizer Frauen und 5,4 Prozent der Eidgenossen haben ein öffentliches Amt inne. Doch woran liegt es, dass den politischen Parteien die (jungen) Mitglieder ausgehen? Moderator Elmar Hürlimann stellte dazu drei Thesen auf, an denen gruppenweise in Workshops gearbeitet wurde. Die 30 Vertreter aus Politik und Wirtschaft fanden mögliche Gründe und lieferten Lösungsansätze. So wurde klar, dass viele Jugendliche in Sachen Politik zu wenig ausgebildet sind und daher nicht wissen, was sie in einem politischen Amt leisten müssen. Erwähnt wurde zudem die heutzutage grundsätzlich grosse Belastung im Beruf. Wer nebenbei noch die Familie geniessen und die Freizeit gestalten wolle, dem bleibe wenig Zeit für politisches Engagement. Verändert hat sich auch der Stellenwert eines Politikers in der Gesellschaft. Da käme manchmal die Frage auf, warum man sich das antue, stellte jemand fest. Unweigerlich kam das Milizsystem zur Sprache. Schnell wurde klar: Diese Diskussion hätte Stunden dauern können. Deshalb kam Thomas Ammann wieder zum gleichen Schluss: «Es gibt kein Patentrezept, um politischen Nachwuchs zu rekrutieren, aber wir bleiben dran. Der Verein St. Galler Rheintal könnte sich mit Massnahmen engagieren, die die Jugendlichen ansprechen.»

Förderverein IES vorgestellt

Ein weiterer Programmpunkt der Konferenz war das Referat von Roger Rusterholtz, NTB-Dozent und Präsident des Fördervereins Institut für Energiesysteme (IES). Er stellte das Wirken des Fördervereins vor, der die Aktivitäten des IES bei Forschungstätigkeiten, Öffentlichkeitsarbeit und beim Netzwerken zwischen Industrie und Politik unterstützt.

Überraschungsgast war übrigens Sabina Saggioro, die neue Geschäftsleiterin des Vereins St. Galler Rheintal.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
ith.eduard (29. Januar 2013, 10:37)
Den Tatsachen ins Auge sehen...

Die Jungen wissen sehr wohl Bescheid, aber sie lassen sich nicht mehr parteipolitisch einbinden! Der Grund findet sich im mangelnden Vertrauen, der fehlenden Transparenz und Ehrlichkeit der heutigen Politik. Der Bürger wird bei jeder besten Gelegenheit von den sogenannten Volksvertretern politisch belogen, betrogen und hinters Licht geführt. Nur noch Netzwerk, Lobbyismus und Eigeninteresse stehen im Fokus der Parteien und ihrer Mitglieder.
Nicht selten Wasser predigen und Wein trinken. Wer will da noch mitmachen?!

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ith.eduard (29. Januar 2013, 10:33)
Den Tatsachen ins Auge sehen...

Wir sind Kunden und keine Konsumenten, diesen Unterschied müssen die hiesigen Detailhändler sich wieder vermehrt bewusst werden! Wer den Kunden über den Tisch zieht, bestraft sich letztendlich selbst. Das mussten Interdiscount und Fust bitter erkennen, nach der Einführung des neuen Gewährleistungsgesetzes (Bericht Beobachter / Kassensturz).
->Qualität definiert sich einzig und alleine über die Kundenzufriedenheit

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