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Tagblatt Online, 10. September 2010 01:03:25

«Eine Frau rennt halt zweimal»

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Nicole Casterra kommandiert ab 2011 die Feuerwehr Rema. Mit dem Hydranten mit ihren Gesichtszügen haben die Marbacher und Rebsteiner Feuerwehrveteranen ihr zu ihrer Ernennung zur Instruktorin gratuliert. (Bild: Bild: Max Tinner)

Per Anfang 2011 wird die Rebsteinerin Nicole Casterra zur Feuerwehr-Majorin befördert. Ab dann wird sie die Feuerwehr Rebstein-Marbach kommandieren. Sie würde es begrüssen, wenn mehr Frauen Feuerwehrdienst leisteten.

Die Gemeinderäte von Marbach und Rebstein haben Sie zur Kommandantin der Feuerwehr Rema gewählt. Wie fühlt man sich dabei?

Nicole Casterra: Ich fühle mich sehr geehrt. Es zeigt mir, dass man grosses Vertrauen in mich hat.

Werden Sie es als Frau nicht schwerer haben, sich gegenüber der Mannschaft durchzusetzen?

Casterra: Ich denke nicht.

Das steht und fällt mit dem Auftreten: Ich habe nie ein Problem damit gehabt, vor die Leute hinzustehen und zu sagen, was zu tun ist. Auch ein Mann wird sich als Kommandant nicht durchsetzen können, wenn er mit einer Flüsterstimme daherkommt. Andererseits bringe ich als Frau wohl auch Qualitäten mit, die einem Feuerwehrkommandanten nur von Vorteil sein können.

Zum Beispiel?

Casterra: Zum Beispiel Einfühlungsvermögen. Wenn nach einem Einsatz jemand stiller ist als sonst, kann das ein Zeichen dafür sein, dass ihm das Geschehene zu schaffen macht. Unser Job bringt es mit sich, dass man manchmal auch Unschönes sieht. Das darf man nicht zu nah an sich heran lassen. Aber nicht jeder schafft das immer. Der Kommandant muss das erkennen können, um psychologische Unterstützung anfordern zu können, wenn dies nötig sein sollte. Wichtig ist für einen Kommandanten auch, im Ernstfall Ruhe bewahren zu können.

Wenn der Chef nervös ist, ist die ganze Mannschaft nervös. Und dann kommts nicht gut heraus. Letztlich ist es eine Sache der Erfahrung und der Routine.

Und die haben Sie?

Casterra: Ja. Ich führe seit drei Jahren einen Zug, und das klappt bestens. Ich habe die ganze nötige Ausbildung durchlaufen und bin auch Feuerwehr-Instruktorin.

Wie ist es gekommen, dass Sie überhaupt Feuerwehrdienst leisten?

Casterra: Die Leica hatte gerade zu einer Zeit Leute für ihre Betriebsfeuerwehr gesucht, als ich neue Herausforderungen im Berufsleben gesucht habe. Weil die Übungen an die Arbeitszeit angerechnet worden sind, habe ich mich gemeldet. Als dann die Betriebsfeuerwehr aufgelöst worden ist, hat ihr Kommandant, Heini Graf, der auch im Stab der Feuerwehr Rema war, die Leute aus Marbach und Rebstein ermuntert, in die Ortsfeuerwehr überzutreten.

Die Zeit, die Sie sich heute in der Feuerwehr engagieren, wird Ihnen aber wohl kaum mehr an die Arbeitszeit angerechnet?

Casterra: Nein, aber meine Arbeitgeberin, die Vectronix AG in Heerbrugg, kommt mir sehr entgegen und erlaubt mir, soviel unbezahlte Auszeit von meiner Arbeit als Production Engineer zu nehmen, wie ich für die Feuerwehr brauche.

Gleichzeitig bin ich aber auch Brandschutzbeauftragte in unserem Unternehmen, womit dieses ebenfalls von meinem Wissen profitiert.

Eine Frau als Feuerwehrkommandantin ist aussergewöhnlich. Es ist aber schon nicht selbstverständlich, dass man als Frau überhaupt Feuerwehrdienst leistet.

Casterra: Frauen in der Feuerwehr gibt es schon lange. Neben mir leistet zurzeit mit Fabienne Kläui noch eine weitere Frau Dienst in der Feuerwehr Rema. Und ich habe von Feuerwehren in abgelegenen Gebieten gehört, die fast nur aus Frauen bestehen.

Dort geht es nicht anders, weil die Männer alle auswärts arbeiten. Ich würde es begrüssen, wenn mehr Frauen Feuerwehrdienst leisteten.

Ist der Feuerwehrdienst körperlich für Frauen nicht zu anstrengend?

Casterra: Eine Frau schafft das auch. Wenn schwere Sachen herumzutragen sind, rennt sie halt zweimal und etwas schneller. Abgesehen davon gibt es auch Männer, denen die Schläuche zu schwer sind oder die sich keine Leiter hinauf trauen. Das schliesst aber den Feuerwehrdienst noch lange nicht aus: Wir können jede Hilfe brauchen.

Wer sich nicht für den Löscheinsatz eignet, ist vielleicht ein guter Maschinist oder hält der übrigen Mannschaft im Verkehrsdienst den Rücken frei.

Haben Sie sich nie überlegt, Militärdienst zu leisten?

Casterra: Ich bin Ausländerin; als Deutsche nehmen sie mich dort nicht. Dass ich aber keine Schweizer Bürgerin bin, zeigt, dass auch Ausländer in der Feuerwehr willkommen sind.

Interview: Max Tinner

Einwohnerinnen und Einwohner von Rebstein und Marbach ab 18 Jahren, die sich für den Dienst in der Feuerwehr interessieren, können sich beim Kommandanten, bei den Gemeindeverwaltungen, über das Anmeldeformular auf der Homepage www.fwrema.ch oder über jeden Feuerwehrler melden.




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