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Tagblatt Online, 24. Januar 2009 01:00:59

Diogenes-Chor steil abgehoben

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Starker Chorgesang, gute solistische Leistungen und viel Sinn für theatralische Inszenierung prägen den Diogenes-Chor.

Gestern Abend bestand der Diogenes-Chor seine Feuertaufe. Sein erster Auftritt ist vielversprechend und lässt eine grosse Zukunft erahnen. Heute Abend zeigt er sein sehens- und hörenswertes Programm ein zweites Mal.

Max Pflüger

Altstätten. Der Himmel hing gestern Abend im Altstätter Diogenes-Theater nicht voller Geigen. Es waren Schellen und Glocken aller Grössen und Arten, die vom Bühnenhimmel herunterhingen und so von der musikalischen Volksverbundenheit des neugegründeten Diogenes-Chores kündeten. Lieder der Heimat, nicht nur unserer Schweizerischen Heimat sondern aus der Heimat der Völker aller Welt, vor allem von Europa, Afrika und Lateinamerika gehören zum umfangreichen Repertoire.

Geschenk zum 30. Geburtstag

Der neue Chor ist ein Geschenk an das dreissigjährige Kleintheater. Er wurde vom bekannten Musikpädagogen Urs Stieger auf einen Aufruf der Theaterleitung hin vor einem knappen Jahr mit elf Damen und einem Herrn gegründet.

Mit dem Programm «Saudade - Lieder wie schwarze Schokolade» zeigte der Chor nun zum ersten Mal, was er zusammen mit dem Chorleiter und seiner Band «Imago» im Laufe dieses Jahres erarbeitet hat.

Musikalischer Genuss

Das erste Konzert des Diogenes-Chores war vor allem einmal ein musikalischer Genuss. Zwar kannte man viele Melodien, doch das geschickte Arrangement liess auch «Lueget vo Berg und Tal» , «Gang rüef de Bruune», «Warum sit er so trurig» oder «Sternli, liebs Sternli guet Nacht» in einem völlig neuen Glanz erstrahlen. Dasselbe gilt auch für die bekannten fremdländischen Volksliedern wie das italienische «Mamma, da mi cento lire», das afrikanische «Malajka» oder das temperamentvolle spanische «le lo la».

Interessant war, dass die Lieder nicht einzeln vorgetragen wurden, sondern das eine in das andere überfloss, alle durch kurze instrumentale Übergänge miteinander verbunden waren. So vergass das Publikum auch das Klatschen zwischen den einzelnen Vorträgen, applaudierte dafür am Ende des «musikalischen Bandwurms» vor der Pause und am Schluss umso begeisterter.

Kompakte Inszenierung

Die Sänger präsentierten die Lieder mit klarer Artikulation, transparenter Dynamik und sauberen Stimmen. Ein Kränzchen darf auch der Begleitband «Imago» gewunden werden, insbesondere der virtuosen Flötistin Veronika Ortner-Dehmke.

Auch optisch hatte das Konzert des jungen Chores viel zu bieten. Die Lieder wurden nicht einfach gesungen, sie wurden inszeniert, lebendig gemacht. Kurze Szenen, entsprechende Tänze, viel Mimik und Gestik liess die Gesangsvorträge zu einer Erlebniseinheit werden, die alle Sinne ansprach. Man war als Zuhörer dadurch in den Bann gezogen und in der Musik mitten drin.

Ein wichtiges Element waren die schlichten weissen Hosen, die weissen Kuttenhemde und die weissen Schals in denen die Sägerinnen und der Sänger auftraten. Mit dezenten Lichteffekten und mit entsprechendem tänzerischen Ausdruck wurden die Kleider so zu alpinen Hirtenhemden, zu afrikanischer Tanzkleidung, zum lateinamerikanischen Puebloindianergewand, zur Balkanfolklore. Die Kleidung des Chores passte sich scheinbar fliessend dem Stil der Musik an.

Raum für Individualität

Sicher: Das Konzert war weitgehend geprägt vom musikalischen Stil des Leiters Urs Stieger. Da schwang der Minnesänger mit und der Bellmann-Interpret machte sich breit. Doch spürte man deutlich, dass im Chor auch Raum für individuelle Improvisationen geblieben ist. Das Konzert ist so zu einem wertvollen Ereignis gediehen.

Es wird heute Abend noch einmal aufgeführt. Eine bleibende Erinnerung ist die DVD-Aufnahme, die von Florian Conrad (071 755 74 49 oder auf www.floco.ch) angeboten wird.





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