Tagblatt Online, 12. September 2009 01:04:12
Hoch lebe der Konjunktiv
Eine Reisegruppe verpasst ihren Flug und muss bis zum nächsten Morgen auf die Weiterreise warten. Aus der anfangs vordergründig homogenen Gruppe schälen sich allmählich die Individuen heraus. (Bild: Bild: Maria Kuratli)
Das Diogenes-Theater feierte am Donnerstag vor begeistertem Publikum Premiere mit der zeitgenössischen Eigenproduktion «Mitten im Nirgendwo». Das Stück wird durchwegs im Konjunktiv und der indirekten Rede gesprochen.
ANDREA PLÜSS
Altstätten. Die Idee, nach 15 Jahren wieder eine eigene Theatergruppe auf die Bühnenbretter zu bringen, war den Verantwortlichen Ende letzten Jahres gekommen. Nachdem Brigitte Walk und Theo Frei auf der Künstlermesse in Thun den Berner Autor Guy Krneta getroffen hatten, stand bald auch das Stück fest, an das sich die Altstätter unter der Leitung der Feldkircher Schauspielerin und Theaterpädagogin Walk heranwagen wollten: «Mitten im Nirgendwo» ist ein zeitgenössisches Werk, das Anspruch und Humor vereint.
Fünfzehn am Theaterspiel interessierte Personen aus der Region waren zur Informationsveranstaltung im Januar erschienen. «Sieben sind letztlich übrig geblieben», meinte Theo Frei, «als sie hörten, dass wir zweimal die Woche vier Stunden proben wollten, sind manche abgesprungen.»
Sechs Geschichten in einer
Eine Reisegruppe verpasst ihren geplanten Flug und muss bis zum nächsten Morgen auf die Weiterreise warten.
Auf den obligatorischen Rollkoffern sitzend, bilden die Protagonisten anfangs eine vordergründig homogene Gruppe und agieren im Gleichschritt: Pässe hochhalten, abgeben, hinsetzen und abwarten, bis der Reiseleiter weitere Anweisungen gibt. Unvermutet beginnt der Lehrer Christoph (Karin Kehl) eine Geschichte aus seinem Leben zu erzählen.
Im Zentrum nun nicht mehr die Gruppe, sondern die Individuen: Marsha (Dee Sieber), die mit der Grossmutter reisen wollte und doch allein unterwegs ist. Iris (Petra Hoppe), die erklärt, nicht gruppentauglich zu sein, die ältere Frau (Susan Künzler), die nur durch eine seltene Augenkrankheit Beachtung erlangt, sowie die beiden Reiseleiter (Wenke Tinner, Paul Flückiger), denen kaum Wertschätzung entgegengebracht wird.
Das Stück wird durchwegs im Konjunktiv und der indirekten Rede gesprochen.
Schwierige Form
Was anfangs irritierend wirkt, bewährt sich zunehmend als Stilmittel, wirkt amüsant oder komisch, berührt und verbindet trotz der indirekten Form. Allen Darstellern gelingt eine eindrücklich intensive Bühnenpräsenz. Für die Bewältigung der Rollentexte in derart schwieriger, ungewohnter Form haben die Akteure zudem grosses Lob verdient.
Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum für eine grossartige schauspielerische Leistung in einer herausfordernden Inszenierung.
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