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Tagblatt Online, 22. Juli 2011 01:03:00

Ringe für die fliegenden Mäusejäger

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Ein Erlebnis, an das sich die Kinder noch lange erinnern werden: Nach der Beringung dürfen sie die jungen Eulen kurz in die Hand nehmen und streicheln. (Bild: Max Tinner)

MONTLINGEN. Jemand, der es zum ersten Mal macht, muss aufpassen, dass er nicht von der Leiter fällt: Aus dem Schleiereulen-Nistkasten auf dem im Riet zwischen Montlingen, Kriessern und Altstätten gelegenen Hof Steigmatt schlägt Guido Gschwend eine Wolke beissenden Ammoniak-Gestanks entgegen.

Jemand, der es zum ersten Mal macht, muss aufpassen, dass er nicht von der Leiter fällt: Aus dem Schleiereulen-Nistkasten auf dem im Riet zwischen Montlingen, Kriessern und Altstätten gelegenen Hof Steigmatt schlägt Guido Gschwend eine Wolke beissenden Ammoniak-Gestanks entgegen. Den Vögeln macht der strenge Geruch nichts aus – sie nehmen ihn gar nicht wahr. Und Gschwend holt nicht zum ersten Mal Jungeulen zum Beringen aus ihrem Nest. Diesen Mittwoch tat der Hinterforster es vor Publikum: Der Verein Pro Riet Rheintal hatte die Öffentlichkeit eingeladen, bei der Beringung dabei zu sein. Bei kaum einer Gelegenheit kann der Naturschutz mehr Sympathien gewinnen, als wenn man die Schutzobjekte so nah zu sehen bekommt.

Mit grossen Kulleraugen

Die fünf jungen Schleiereulen, die Guido Gschwend aus ihrem Nest geholt hat, eine mehr, als er dort erwartet hatte, wirken allerdings weit weniger begeistert als die rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauer. Mit grossen Kulleraugen lassen die Tiere die Prozedur über sich ergehen, während sie vermessen und für die Datenbank der Schweizerischen Vogelwarte Sempach registriert und schliesslich beringt werden. Nicht einmal beim Wiegen machen die Vögel Anstalten, sich davonmachen zu wollen: Gschwend legt sie rücklings auf die Waage – und die Eulen bleiben ruhig liegen, bis er sie wieder aufnimmt.

Falken wehren sich mehr

«Das geht nur mit den Schleiereulen», erklärt Guido Gschwend, nebst vielen Charakteristika dieser Tiere. «Würde ich jetzt Turmfalken beringen, ginge dies nicht so leicht – da müsste ich mich schon vor den spitzen Krallen in Acht nehmen.» Viel öfter als Schleiereulen, brüten nämlich in den mittlerweile rund 120 zwischen Oberriet und Diepoldsau installierten Gross-Nistkästen Turmfalken. Mit dem gemeinsamen Projekt von Pro Riet und der Schweizerischen Vogelwarte werden beide Arten gefördert. Dass man auf der Steigmatt mittlerweile bereits sieben Schleiereulen-Bruten hat beringen können, freut umso mehr, sagt Projektleiter Ivo Moser vom Ökobüro Hugentobler in Altstätten.

Schleiereulen streicheln

Zur Freude der Kinder dürfen die mehr oder weniger 50 Tage alten Vögel nach der Beringung noch kurz in die Hand genommen und gestreichelt werden.

Die Eulen werden auch von Landwirten geschätzt: Eine ausgewachsene Schleiereule jagt täglich drei bis vier Mäuse. Ein Brutpaar setzt den Nagern umso mehr nach. Darum unterstützen über 20 Bauern das Projekt.

Nach der Beringung setzt Guido Gschwend die Jungeulen wieder in ihr Nest. Im Herbst werden sie ausfliegen und sich ein eigenes Revier suchen. Bis dahin kann man sie noch über die Webcams im Internet auf www. pro-riet.ch in ihren Nistkästen beobachten. Max Tinner





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