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Tagblatt Online, 11. August 2009 01:02:48

Am härtesten Ultra-Marathon

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Iris Cooper-Imhof läuft nach 38 Stunden gemeinsam mit ihrem Team über die Ziellinie. (Bild: Bild: pd)

Die Heimweh-Rheintalerin Iris Cooper-Imhof nahm als erste Schweizerin am Badwater-Ultra-Marathon teil und klassierte sich im Mittelfeld. Dieser Lauf in den USA ist gemäss «National Geographic» der härteste Ultra-Marathon der Welt.

Laufsport. Die 135 Meilen (217 km) lange Strecke führt von Badwater im Death Valley USA, welches 85 Meter unter dem Meeresspiegel liegt (dem tiefsten Punkt Nordamerikas) hinauf zum Mt. Whitney Portal auf 2533 m.ü.M. und enthält drei Bergetappen mit 3962 Metern Anstieg und 1433 Metern Abstieg. Dieser Lauf findet jedes Jahr Mitte Juli statt, wenn die Temperaturen auf 55 ? C steigen können.

Zu diesem legendären Lauf werden jährlich etwa 90 Ultra-Läufer aufgrund ihrer Lauf-Erfahrung und der schriftlich vorgelegten Leistungsnachweise eingeladen. In diesem Jahr hat sich auch die in Toronto wohnhafte Heimweh-Rheintalerin Iris Cooper-Imhof, aufgewachsen in Kriessern und Lüchingen, als erste Schweizerin überhaupt für den Lauf qualifiziert und daran teilgenommen.

Spät zum Laufsport gefunden

Die 50-jährige Iris Cooper-Imhof fand erst Alter von 39 Jahren zum Laufen – dank ihres späteren Ehemannes Jeff Cooper, eines Kanadiers aus Toronto. Zu Beginn waren es nur ganz kurze Strecken, die sie lief, bevor sie sich an die ersten Rennen wagte.

Im Jahr 1999 bestritt Iris Cooper-Imhof ihren ersten Marathon in Burlington im US-Bundesstaat Vermont.

In den nächsten Jahren folgten weitere Langstreckenläufe nach dem Motto «immer weiter, immer extremer». Unter anderem lief Cooper-Imhof den Jungfrau-Marathon 2002 und 2005, den «Himalayan 100 Mile Stage Race» im Jahr 2004 oder war am 12- Stunden-Rennen «Dirty Girls Trail Run» 2007 und 2008, aber auch den Swiss Alpine Marathons auf der Langdistanz im Jahr 2007 sowie das «Corsica Coast Race» 2008 lief sie. In den Jahren 2008 und 2009 absolvierte sie neben kürzeren Läufen fünf 100-Meilen-Läufe.

Harte Vorbereitung

Mitte Februar wurde Iris Cooper-Imhof von der Rennleitung des Badwater-Ultra-Marathons bestätigt. Auf das Rennen bereitete sie sich körperlich vor mit wöchentlich zehn Stunden Besuchen in der finnischen Sauna, um sich an die trockene Hitze im Death Valley vorzubereiten. Im Internet sammelte Cooper-Imhof Informationen bezüglich der für die extremen Verhältnisse geeigneten Rennausrüstung. Ohne Crew und Begleitfahrzeuge wäre eine Teilnahme an einem solchen Lauf gar nicht möglich.

Auch die Begleiter mussten mit Checklisten auf alle Eventualitäten vorbereitet werden.

«Swiss Miss Team»

Am 10. Juli kamen die sechs Crew-Mitglieder des «Teams Swiss Miss» in Las Vegas an, wo sie zwei Mietwagen in Empfang nahmen. Wie heiss es wirklich war, realisierten die Crew und Cooper-Imhof, als sie in Furnace Creek aus dem Wagen ausstiegen: über 52? C und dazu ein extrem heisser Wind, der sich anfühlte, als ob man einen heissen Föhn im Gesicht habe. Am 13. Juli war es dann soweit: Iris Cooper-Imhof stand mit anderen Läuferinnen und Läufern am Start. Nach der US-Nationalhymne fiel der Startschuss. Die ersten 150 Kilometer gingen ohne grössere Probleme über die Bühne: Sie machte nur kurze Stops bei den Crew-Wagen, um sich von den Helfern mit Eiswasser abspritzen und kühlen zu lassen – oder um Blasen an den Füssen zu behandeln. Aber auch um Fragen von Schweizer Touristen zu beantworten, die die Schweizer Fahnen an den Begleitfahrzeugen gesehen hatten. Am nächsten Tag lief es der Wahl-Kanadierin weniger gut: Die Müdigkeit stellte sich ein, an ein Laufen war nicht mehr zu denken, weil die Hitze tagsüber mit über 50? C fast unerträglich war und die Steigungen mehr als zwölf Prozent betrugen. Die Nahrungsaufnahme erwies sich als schwierig und war nebst mit Bananen nur noch in flüssiger Form möglich.

Hauptaufgabe der Crew war die Kühlung von Cooper-Imhofs Körper, sie zum Essen und Trinken zu animieren und sie als Läufer zu begleiten. Das Ziel ist aber beim Eindunkeln in Sicht. Nach 214 Kilometern, knapp drei Kilometer vor dem Ziel, brach in der dunklen nacht Panik aus. Polizeifahrzeuge, Begleitfahrzeuge, andere Crews fuhren an der Schweizer Läuferin vorbei und drängten sie zur Umkehr: Ein Waldbrand zwischen dem letzten Lauf-Kontroll-Posten und dem Ziel war der Grund. Ihr blieb nichts anderes übrig, als das Holz mit der Laufzeit in den Boden zu stecken. Diese Markierung musste jeder Läufer am Wegrand hinterlassen, wenn er die Strecke verliess. Die Enttäuschung war unendlich gross, so kurz vor dem Ziel umkehren zu müssen. Erst am nächsten Morgen erfuhr sie, dass der Waldbrand gelöscht und die Ziellinie geöffnet war. So konnte sie ihren Lauf mit einer offiziellen Laufzeit von 52:09 Stunden auf dem 41. Platz beenden. Verlangt war eine Zeit von 60 Stunden.

Viel über das Leben gelernt

Ohne die «verlorene» Zeit wegen des Waldbrandes wäre Iris Cooper-Imhof die 217 Kilometer in einer Zeit von 38:44 Stunden gelaufen. Aber auf die Zeit allein kommt es gar nicht an. Sie selbst formulierte es nach dem Lauf so: «Für mich persönlich war es nicht nur ein Rennen, und es ging nicht nur um die Distanz, die Hitze oder die Herausforderung. Es war etwas viel Grösseres und etwas, das sehr schwierig in Worte zu fassen ist.» Während der langen Stunden habe sie vieles über das Leben gelernt. «Ich hoffe, dass ich mich in Zukunft immer daran erinnern werde», sagt Iris Cooper-Imhof. Es wird wohl nicht ihr letzter Extrem-Lauf gewesen sein: Die Anmeldung für den Badwater-Ultra–Marathon 2010 hat sie bereits ausgefüllt. (pd)





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