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Tagblatt Online, 02. Dezember 2011 07:22:00

«Freue mich, wenn es regnet»

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Die Schüss bei Frinvillier führt kein Wasser. Das Kraftwerk steht still. Peter von Rotz bei der Kontrolle der Rechen-Reinigungsanlage. (Bild: Mischa Thurnherr)

HEERBRUGG. Die Hydroelectra AG des Heerbrugger Ingenieurs und Unternehmers Peter von Rotz betreibt schweizweit sieben kleine Wasserkraftwerke. Von Rotz verdient aber auch Geld bei Sonnenschein.

Peter von Rotz, wo erreiche ich Sie gerade?

Peter von Rotz: Im Auto. Wir sind zu zweit unterwegs von unserem Kraftwerk an der Limmat im Gebenstorf im Aargau nach Frinvillier bei Biel, in die Taubenlochschlucht.

Was machen Sie dort?

von Rotz: Wir müssen am Sternpunkt eines Generators eine Nullleiter-Drossel einbauen um Oberwellenprobleme im Schutzleiter zu lösen.

Auf das Wochenende ist Regen angesagt. Freut Sie das?

von Rotz: Das freut mich sehr. Aber es wird zu wenig regnen und in der Höhe sogar schneien. Die Böden sind derart ausgetrocknet, dass die Bäche und Flüsse kaum anschwellen werden.

Aber Regen freut den Kraftwerkbetreiber immer?

von Rotz: Das ist immer schön. Ausser, wenn es zu stark regnet. Dann verstopft Schwemmgut unsere Anlagen.

Wie viel hat es zu wenig geregnet in diesem Jahr? Wie gross ist das Loch in Ihrer Stromkasse?

von Rotz: Es ist nicht dramatisch. Es ist aus unserer Sicht ein sehr schlechtes Jahr mit sehr wenig Niederschlägen. Die Ausfälle betragen etwa zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für mich klingt das sehr wohl dramatisch. Ich hätte Panik, wenn ich nächstes Jahr 20 Prozent weniger Lohn bekäme.

von Rotz: Naja. Klar sind zwanzig Prozent nicht nichts, aber in unserem Geschäft ist das halt so. Manchmal regnet es mehr, manchmal eben weniger. Das letzte Jahr war ein hydrologisches Durchschnittsjahr gewesen, aber die zwei Jahre davor erwirtschafteten wir Spitzenerträge.

Zwanzig Prozent über dem Durchschnitt?

von Rotz: Nein. Das nicht. Aber zweimal hintereinander zehn Prozent über dem Durchschnitt.

Andere Unternehmer jammern bei deutlich kleineren Einbrüchen. Woher kommt Ihre Gelassenheit?

von Rotz: Unsere Erträge sind nun mal wetterabhängig. Wir leben mit grossen Schwankungen. Die Bauern haben ja auch in einem Jahr grössere Kartoffeln und im nächsten Jahr eben kleinere. Zu jammern ändert auch bei den Bauern nichts. Da kann man toben wie man will, die Kartoffeln bleiben für einmal kleiner.

Wie sind Ihre Prognosen für das nächste Jahr?

von Rotz: Ich bleibe optimistisch. Man sagt in der Wasserkraft-Branche, dass in der Regel fünf guten Jahren fünf schlechte folgen. Ich hoffe natürlich, dass dieses Jahr nicht grad das erste von fünf schlechten ist.

Können Sie die vielen Sonnentage trotz allem geniessen?

von Rotz: Ja, klar. Dann liefert unsere schöne Photovoltaik-Anlage auf der neuen psychiatrischen Klinik in Heerbrugg Strom. Mit ihr erzielten wir schon im ersten Betriebsjahr Jahr eine sensationelle Leistung, weit über dem errechneten und zu erwartenden mittleren Jahresertrag.

Also kann das Wetter sein wie es will und Ihr Unternehmen verdient immer?

von Rotz: Das ist nicht ganz so. Leider. Die Stromproduktion aus Photovoltaik ist mengenmässig noch unbedeutend gegenüber jener aus Wasserkraft. Zudem ist der Preis, den wir für den Photovoltaik-Strom bekommen, knapp kostendeckend. Dass Photovoltaik der Energieträger und der Weg in die Zukunft ist, davon bin ich überzeugt. Wir wollen weitere Anlagen bauen im Rheintal. Aber die Kalkulation, wenn man sie richtig macht, ist eng. Es bleiben dem Betreiber vielleicht zwei, drei Prozent Gewinn – bei sehr hohen Investitionen. Da darf nichts Aussergewöhnliches vorfallen.

Wann stellen Sie Windräder auf im Rheintal?

von Rotz: Auch in diesem Bereich sind wir aktiv. Wir haben ein Wind-Projekt entwickelt für den Scheltenpass im Kanton Solothurn; zwischen Balsthal und Delémont. Wir haben Windmessungen gemacht und wollen eine Pilotanlage bauen. Aber es sind fünfzehn betroffene Gemeinden – und es gibt einige Gegner.

Und im Rheintal?

von Rotz: Die Resultate von Messungen auch im Rheintal liessen uns das Projekt im Jura vorziehen. Aber ausschliessen will ich nichts.

Interview: René Schneider





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