Tagblatt Online, 07. September 2010 01:01:11
«Mein Hobby ist die Rhema»
Rhema statt Golf: der VR-Präsident beim «Rheintaler»-Interview. (Bild: Bild: Samuel Tanner)
Die Rheintalmesse ist im Umbruch, und ihr VR-Präsident, Kurt Wettstein, hat einen neuen Job. Vor einem halben Jahr hatten er und die «Basler» sich getrennt. Im Interview spricht er über seine Neuausrichtung und jene der Rhema.
Kurt Wettstein, werden an der nächsten Rhema trotz allem noch Transparente für die Basler Versicherung werben?
Kurt Wettstein: Das hängt von der Basler ab. Es kommt darauf an, wie die neuen Verantwortlichen der Basler das Potenzial für die Basler im Rheintal und die Rhema als Plattform einschätzen. Der Sponsoringvertrag ist ausgelaufen und die Zukunft damit offen.
Haben Sie ungute Gefühle gegenüber der Basler Versicherung?
Wettstein: Ich habe nichts gegen diese Gesellschaft. Ich würde aber auch nicht mit allen ihrer Manager freundschaftlich bei Tisch sitzen wollen. Doch würde ich das nach wie vor sofort mit den Mitarbeitenden «meines» Basler-Teams tun.
Sie waren nach Ihrer Freistellung ein halbes Jahr lang bezahlt. Jetzt haben Sie einen neuen Job bei der Assicura. Was ist anders?
Wettstein: Unverändert bleibt, dass ich weiterhin in unserer Region und in der Versicherungsbranche tätig bin.
Grundlegend anders ist, dass ich nicht mehr im Auftrag einer Versicherungsgesellschaft arbeite, sondern für eine Versicherungs-Treuhandfirma. Man nennt uns auch Makler oder Broker. Ich suche für Kunden, meist sind das KMU-Betriebe, die für sie beste Versicherungslösung im Markt – unabhängig von den Gesellschaften.
Beissen sich das alte und das neue Geschäft? Muss Ihr ehemaliger Arbeitgeber um seine Kunden fürchten?
Wettstein: Das Versicherungsgeschäft ist geprägt von persönlichen Beziehungen. Bei jeder Veränderung bei Mitarbeitenden kommt es auch zu Veränderungen in der Kundschaft. Das belebt den Markt. Für mich besteht kein Konkurrenzverbot, zumal die Trennung auf Wunsch der Basler zustande kam.
Manchmal gewinnt man neue Kunden, manchmal verliert man welche an einen anderen Berater, einen Makler oder an eine andere Gesellschaft. Das belebt das Geschäft.
Sind Sie bei der Assicura selbständig oder angestellt?
Wettstein: Ich bin Angestellter und Mitglied der Geschäftsleitung. Es besteht die Absicht, dass ich die Geschäftsleitung dereinst übernehme.
Ist das eine Rheintaler Firma?
Wettstein: Die Assicura AG wurde vor zwanzig Jahren in Widnau gegründet und hat ihre Geschäftsräume aktuell in St. Gallen. Wir sind im Moment acht Angestellte. Das Unternehmen hat Mandate in der ganzen Schweiz, mehrheitlich aber im Rheintal und in der übrigen Ostschweiz.
Was machten Sie im letzten halben Jahr, bei vollem Lohn, aber ohne Job?
Wettstein: Ich war nicht arbeitslos, aber ich konnte mich herunterfahren und hatte Zeit, mich neu zu orientieren.
Dazu hatte ich die Rhema, die wir im letzten halben Jahr umorganisiert und neu ausgerichtet haben. Und ich hatte endlich einmal mehr Zeit für meine Familie, was meine Frau und die Kinder wie auch ich selber genossen haben. Es war mir nie langweilig.
Jetzt haben Sie einen neuen, anspruchsvollen Job und das Rhema-Mandat dazu. Geht das?
Wettstein: Ja.
Als Rhema-Verwaltungsratspräsident stehe ich zwar oft stark in der öffentlichen Wahrnehmung, aber diese Aufgabe erfülle ich nebenbei. Die Rhema ist quasi mein Hobby. Andere spielen Golf oder gehen anderen zeitraubenden Freizeitbeschäftigungen nach.
Ein Teilzeitjob als Hobby?
Wettstein: Mir ist es wichtig, etwas für diese Region und die Bevölkerung hier zu tun und zu gestalten. Dafür investiere ich gern einen Teil meiner Freizeit. Mehr ist es nicht. Der neue Job wird keine Auswirkung haben auf die Rhema.
Weil ich das Rhema-Mandat nebenbei wahrnehme. Ich hoffe, dass das Publikum nächstes Jahr wieder eine qualitativ verbesserte Rhema erlebt und schätzt. Das hat aber nichts zu tun mit meiner beruflichen Veränderung.
Haben Sie kein Hobby, ausser dem Rhema-Engagement?
Wettstein: Die Familie als Hobby zu bezeichnen, wäre vermessen. Aber ich geniesse die Freizeit mit meiner Familie. Sie ist mir wichtig.
Das habe ich in den letzten sechs Monaten besonders gespürt und erfahren, wie sehr auch meine Lieben es geniessen, wenn der Gatte und Papa öfters zu Hause ist. Daneben habe ich – nebst der Rhema – keine Freizeitbeschäftigungen. Das Rhema-Mandat lässt sich nicht prozentual beziffern. Während der Messe ist der zeitliche Aufwand gross, in der übrigen Zeit kleiner; vielleicht wie etwa ein Gemeinderats-Mandat oder ein nebenamtliches Schulpräsidium.
Interview: René Schneider
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