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Rheintaler, 11. September 2012, 10:12 Uhr

Schule muss aufs Leben vorbereiten

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Ivo Riedi, Leiter berufliche Grundausbildung bei SFS Heerbrugg. (Bild: Maya Schmid-Egert)

Die CVP-Ortsparteien schlagen Ivo Riedi als neuen Präsidenten der Oberstufe Mittelrheintal vor. Der Leiter berufliche Grundausbildung bei SFS will den Fokus auf die pädagogische Ausrichtung der OMR richten.


Ivo Riedi, 2008 kehrten Sie nach 20 Jahren Lehrertätigkeit der Schule den Rücken und arbeiteten fortan bei SFS als Leiter berufliche Grundbildung. Stellt Ihre Kandidatur eine Rückkehr dar?

Ivo Riedi: Nein. Vor vier Jahren plante ich, meinen Bildungsurlaub bei SFS zu absolvieren. Als OMR-Koordinator für Berufswahlvorbereitung kannte man sich. Noch bevor ich diesen antreten konnte, erhielt ich eine Einladung, mich bei SFS zu bewerben. Es ging sehr schnell. Den Kontakt zur Schule habe ich nie verloren.

Wie schwierig war der Wechsel in die Privatwirtschaft?

Riedi: Überschaubar, würde ich sagen. Die grösste Umstellung bestand darin, meine Zeit selber zu planen. Vorher war mein Jahr vor allem durch den Stundenplan strukturiert, was sich änderte.

Haben Sie heute ein anderes Lehrerbild?

Riedi: Nein. Ich bin Vertreter der Wirtschaft und sehe deshalb einiges aus einer anderen Optik.

Sie galten als ehrgeiziger, engagierter Lehrer. Karrieretechnisch kann man sagen, dass Sie aus der vielzitierten Lehrer-Sackgasse ausgetreten sind, um neue Wege zu gehen. Wäre das OMR-Präsidium ein weiterer Karriereschritt?

Riedi: Nein, dies nicht. Es war ein langer Prozess, bis ich mich zur Kandidatur entschlossen habe. Erst viele Gespräche liessen mich die Herausforderung erkennen.

Was reizt Sie an diesem Amt?

Riedi: Jugendliche auszubilden und auf das Berufsleben vorzubereiten, das hat mein Leben geprägt. In den letzten Jahren hat sich mein Profil nochmals verändert. Es gibt wohl kaum eine reizvollere Herausforderung, um all meine Erfahrungen aus meinen beruflichen und nebenberuflichen Tätigkeiten ins Amt des Schulratspräsidenten einfliessen zu lassen. Dass ich darüber hinaus noch Neues lernen darf, bildet das Sahnehäubchen!

Wie würden Sie sich organisieren?

Riedi: Durch das Umhören in anderen Gemeinden stellte ich fest, dass die genaue Festlegung der Stellenprozente eines Prozesses bedurfte. Auch der jetzige Schulrat hat seine Strukturen stets überprüft und nötigenfalls angeglichen; das letzte Mal durch die Reduktion der Anzahl Mitglieder. Meine persönliche Organisation ist noch nicht definiert. Die Nähe meines Arbeitsplatzes zur OMR, meine Arbeit an und für sich, mein Team, mein Arbeitgeber SFS, meine Familie erlauben mir ein hohes Mass an Flexibilität. Zudem würde ich auf den Amtsantritt hin meine aktuellen nebenberuflichen Tätigkeiten aufgeben.

Und die Erreichbarkeit für Eltern?

Riedi: Erster Ansprechpartner ist selbstverständlich die Lehrperson und danach der Schulleiter. Grundsätzlich kann auch der Schulratspräsident kontaktiert werden, was übrigens auch für alle OMR-Mitarbeitenden gilt. Als Präsident des Schulrats wäre es mir ein grosses Anliegen, dass sich der Schulleiter ums Operative, der Schulrat um all die strategischen Geschäfte kümmern könnte.

Als Lehrer kennen Sie die Rolle der Person der Öffentlichkeit. Was haben Sie daraus gelernt?

Riedi: Vor allem, dass auch bei Gegenwind mit guten Argumenten gearbeitet werden muss. Sachlichkeit liegt mir mehr als Politik.

Helga Klee war ein politisches Talent. Wie würden Sie Ihre mangelnde politische Erfahrung wettmachen?

Riedi: Ich gehöre seit Jahren der CVP an, leiste auch Vorstandsarbeit. Trotz Anfragen reichte es zeitlich für weitere politische Aktivitäten nicht, da ich neben meiner Arbeit immer wieder auch nebenberufliche Tätigkeiten ausführte, z. B. an der Kaderschule oder bei Radio aktuell. Aus meiner Zeit als Präsident der pädagogischen Kommission der Reallehrer des Kantons kenne ich den Bildungsapparat bestens, ich weiss mit Ämtern zusammenzuarbeiten und habe auch heute noch hilfreiche Kontakte ins Departement für Bildung. So kenne ich den jetzigen Leiter des Amts für Volksschule aus dieser Zeit und ich habe auch mit ihm zusammengearbeitet.

Führungserfahrung mit Jugendlichen bringen Sie mit. Wie sieht es bei Erwachsenen aus?

Riedi: Ich führe zwei Personen direkt und absolvierte bei SFS das interne Führungs- und Entwicklungsprogramm. Führung von Erwachsenen wurde von mir auch in der Erwachsenenbildung und der berufspraktischen Ausbildung von Lehrpersonen verlangt.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Riedi: Grundsätzlich kooperativ. Ich halte meine Mitarbeitenden gerne an der langen Leine, erlaube mir aber einzugreifen, wenn Abmachungen nicht eingehalten werden oder die Qualität der Arbeit nicht stimmt, und ich lege Wert auf gegenseitige Information.

Ivo Riedi wäre nicht mehr der Kollege der Lehrerschaft, sondern der Vorgesetzte. Was würde dies bedeuten?

Riedi: Die Kollegialität betrifft die emotionale Ebene, die Zusammenarbeit die sachliche. Das muss und kann man trennen. In der Wirtschaft ist dies nicht anders.

Promotionen zählen zu den sensibleren Geschäften. Wie objektiv kann ein Rat überhaupt sein?

Riedi: Schulleitung, Schulrat, Lehrpersonen und im Endeffekt auch die Erziehungsberechtigten sind dafür verantwortlich, dass keine emotionalen Entscheide gefällt werden. Eine optimale Selektion bei der Anstellung der Lehrpersonen, entsprechende Weiterbildung, Wille und Gewissheit, dass alle am Promotionsprozess beteiligten Personen ihr Bestes geben, sind der eigentliche Garant für möglichst objektive Promotionsentscheide. Man muss sich aber stets bewusst sein, dass eine Promotion nichts anderes als eine prognostische Beurteilung ist, die auf vermeintlichen Fakten der Vergangenheit beruht. Gerade bei sogenannten Grenzfällen gibt es kein richtig oder falsch. Promotion ist nicht gleich Mathematik, da werden mir meine pädagogischen Fähigkeiten bestimmt helfen, zusammen mit dem Gremium individuelle, möglichst passende Promotionsentscheide zu fällen.

Sie waren Reallehrer. Auf dem Stellenmarkt haben es die schwächeren Schüler eindeutig schwerer. Sehen Sie aus OMR-Sicht Möglichkeiten, dies zu verbessern?

Riedi: Die OMR macht schon sehr viel. Möglichkeiten wie das Lernatelier, wo Defizite aufgearbeitet werden können, bestehen bereits. Leider hapert's oft mehr an der Einstellung. Lehrpersonen sind hier gefordert, dies auch dem Umfeld richtig rüberzubringen. Als Leiter der beruflichen Grundbildung habe ich hier wohl viel eher Einflussmöglichkeit.

Dasselbe an der Kanti Heerbrugg. Es heisst, es seien erstmals Schüler aufgenommen worden, die eigentlich nicht an die Schule gehörten. Welchen Beitrag kann die OMR hier leisten?

Riedi: Es gibt mir zu denken. Dies ist aber kein spezifisches Problem dieser Region, sondern ein gesellschaftliches generell. Meines Erachtens müssen die Stunden für den Berufswahlunterricht in allen Klassen effizient genutzt und alle Schüler aufs Berufsleben vorbereitet werden. Aktuell haben viele Schüler, die an die Kanti wechseln, keine Ahnung von den anschliessenden Studien- und Berufsmöglichkeiten. Dies war bei meinen beiden Töchtern nicht anders.

Sie galten auch als Lehrer, der sich stets weiterentwickeln und seine Methodik und Didaktik à jour halten wollte. Inwiefern würden Sie sich pädagogisch einbringen wollen?

Riedi: Der neue Schulleiter Markus Waser besitzt ein Herz, das «pädagogisch tickt». Zusammen mit seinem Team von Pädagoginnen und Pädagogen soll der Schulleiter den Freiraum innerhalb der Lehrplanziele und strategischen Vorgaben des Schulrates zum Wohle der Jugendlichen gestalten.

Wie stehen Sie zur Time-out-Klasse?

Riedi: Ich war bei den Initianten dabei, leitete die vorbereitende Arbeitsgruppe mit. Sie entstand aus einem Bedürfnis der Reallehrerschaft der Region heraus.

Welche Eindrücke nehmen Sie von London 2012 mit? Sie waren ja dort, um Olympiasiegerin Nicola Spirig anzufeuern.

Riedi: Es war so einzigartig, dass ich mir vorstellen kann, wieder einmal an sportliche Grossanlässe zu fahren. Es hat mir aber auch vor Augen geführt, dass jeder Mensch unterschiedliche Talente hat, die es zu fördern gilt – und gerade auch Sport besitzt an der OMR nicht zuletzt dank der Sportklasse einen hohen Stellenwert.

Interview: Maya Schmid-Egert



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