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Tagblatt Online, 10. September 2010 01:03:24

Standort wird weiter ausgebaut

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«Die Schweizer Industrie muss generell den Anspruch haben, innovativ zu bleiben», sagt Jürgen Dold. (Bild: Bild: Gert Bruderer)

«Leica Geosystems wird auf dem <Trimm-dich-Pfad> bleiben», sagt Leica-Chef Jürgen Dold. Dass der Hexagon- Konzern, zu dem Leica gehört, soeben 2,1 Mia. US-Dollar investiert hat, nützt auch dem Standort Heerbrugg.

Herr Dold, seit 5 Jahren gehört Leica Geosystems zur Hexagon-Gruppe. Was hat Leica Geosystems davon?

Jürgen Dold: Hexagon hat strategisch in Leica Geosystems investiert und Firmen zugekauft, die gut zu Leica Geosystems passen. Wir profitieren von Hexagons existierendem Netzwerk, erfreuen uns einer Erweiterung der Märkte und sehen uns bei der Beschleunigung von Innovation unterstützt.

Was lässt sich denn bei den schon heute hochpräzisen Leica-Geräten noch verbessern?

Dold: Seit Leica vor 90 Jahren den ersten Theodoliten hergestellt hat, wollen wir unserer Kundschaft laufend zu mehr Effizienz verhelfen und ihr die Erschliessung neuer Geschäftsbereiche ermöglichen.

Was aktuell wie geschieht?

Dold: Wir erhöhen die Effizienz unserer Kunden, indem wir mehr Technologie in den einzelnen Geräten vereinen. Damit können Vermessungsarbeiten schneller und effizienter durchgeführt werden.

Neue Geschäftsbereiche eröffnen wir durch neue Sensoren und integrierte Softwarelösungen, mit denen unsere Kunden neue Messaufgaben lösen können.

Was sagen Sie zu der folgenden Wahrnehmung: Seit Hexagon die Firma Leica Geosystems übernommen hat, ist die Distanz zwischen dem Unternehmen und der Rheintaler Bevölkerung grösser geworden.

Dold: Die Kunden sind uns natürlich noch gleich nahe, aber unsere Öffentlichkeitsarbeit lässt sich tatsächlich verbessern. Wir haben denn auch die feste Absicht, in der Region nach aussen wieder mehr zu kommunizieren. Anders als mein Vorgänger, der weniger im Rheintal präsent war, habe ich mein Büro hier in Heerbrugg.

Leica publiziert als Teil von Hexagon keine Zahlen zum Geschäftsgang. Ändert sich das?

Dold: Wir haben bereits wieder damit begonnen, Zahlen zu veröffentlichen. Im ersten Halbjahr hat Leica einen Umsatz von rund 500 Mio. Franken erzielt. Das bedeutet eine Zunahme um 10 % gegenüber dem Vorjahr. Der Bestelleingang war sogar um 20 % besser.

Dass auch Leica die Krise spürte, weiss man. Hand aufs Herz: Wurden mal rote Zahlen geschrieben?

Dold: Nein. Unser Geschäft ist zwar auch Schwankungen unterworfen, konnte sich aber wieder erholen. Es ist ein solides Geschäft in einem soliden Umfeld.

Kurzarbeit ist also kein Thema mehr?

Dold: Nein, momentan nicht.

In welchen Märkten ist Leica besonders stark?

Dold: Europa steht an erster Stelle, gefolgt von Asien, an dritter Stelle ist Amerika. In einem Wachstumsmarkt wie Asien bedeutet eine Krise übrigens nicht negatives Wachstum, sondern nur gebremstes Wachstum.

Ist die Krise ausgestanden oder müssen wir uns auf eine neuerliche Rezession der Weltwirtschaft einstellen?

Dold: Vorbei ist die Krise wohl nicht. Es ist nicht ganz auszuschliessen, dass mit der Euro-Krise gewisse Unsicherheiten in den Märkten einhergehen. Für Leica Geosystems rechnen wir aber mit einem recht guten, jedoch leicht gebremsten Geschäftsgang bis Ende Jahr.

Leica ist stark exportorientiert und der Franken derzeit sehr stark. Ist das für Ihr Unternehmen ein Problem?

Dold: Kurzfristig sind wir zum Glück recht gut positioniert, weil wir die Kosten gut verteilt haben. Wir werden aber auf unserem «Trimm-dich-Pfad» bleiben und kontinuierlich die Produktivität erhöhen müssen. Für einen grossen Teil unserer Produkte haben wir es bisher immer geschafft, mit Innovation dem Preisdruck standzuhalten.

Es ist uns gelungen, viele Produkte zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt zu bringen, auch jüngst, als sich die Konjunktur erholte. Das gab einen richtigen Schub.

Sie können vom schwachen Euro doch sicher auch profitieren, indem Sie Rohstoffe und Halbfabrikate im Euro-Raum einkaufen.

Dold: Ja, aber nicht nur im Euro-Raum, sondern generell ausserhalb der Franken-Zone.

Was die Innovation betrifft, ist anzufügen, dass die Schweizer Industrie generell den Anspruch haben muss, innovativ zu bleiben. Einem Konzern wie Hexagon, der weltweit tätig ist, fällt das leichter als kleinen und mittleren Betrieben, aber natürlich sind auch sie gefordert.

Wollen Sie damit andeuten, dass die Rheintaler Firmen, mit denen Leica zusammenarbeitet, Aufträge zu verlieren drohen, wenn sie zu wenig innovativ sind?

Dold: Leica pflegt sehr gute Kooperationen mit Firmen in der Region und ist sich seiner Verantwortung bewusst.

Das heisst, wir arbeiten mit unseren Zulieferern sehr eng zusammen und unterstützen sie, was in beiderseitigem Interesse ist. Zum Teil wird gemeinsame Entwicklungsarbeit geleistet.

Wie sicher ist der Leica-Standort?

Dold: Der ist sicher. Von unseren 860 Mitarbeitenden arbeiten rund 300 in der Forschung und Entwicklung. Das ist ein signifikanter Anteil innerhalb des Konzerns. Hinzu kommt, dass sich die Produktion von High Tech Produkten nur sehr schwer auslagern lässt.

Leica exportiert in viele Länder. Wo sehen Sie das grösste Wachstumspotenzial?

Dold: China steht an erster Stelle, gefolgt von Indien, Brasilien und Russland. Auch einige Länder in Osteuropa sind zu nennen.

Sie haben gewiss eine Vorstellung von Leica Geosystems im Jahr 2020.

Dold: Erst kürzlich hat der Hexagon-Konzern für rund 2,1 Mia.

US-Dollar den amerikanischen Engineering-Software-Hersteller Intergraph gekauft, der mit seinen fast 4000 Mitarbeitenden als separater Geschäftsbereich von Hexagon weitergeführt wird und dessen Software auch in die Messtechnologie von Hexagon integriert werden soll.

Das heisst?

Dold: Die Messtechnologie wird somit weit über die traditionellen Bereiche hinausgehen. Ein Beispiel ist die schon heute mögliche Automatisierung von Baumaschinen.

Wie tief etwa ein Bagger graben soll, lässt sich steuern, so dass der Baggerführer darauf nicht mehr achten muss. Polizeianwendungen wie Einsatzleitsysteme oder Industrieanlagenvermessung sind weitere Beispiele.

Kann das Rheintal von der Übernahme profitieren?

Dold: Ja, denn die hier entwickelten Sensoren werden in einem noch breiteren Spektrum Anwendung finden. Ich bin überzeugt, dass der Standort Heerbrugg weiter ausgebaut wird.

Also wird das Unternehmen Leica Geosystems, das heute 860 Personen beschäftigt, im Jahr 2020 tausend oder mehr Mitarbeitende haben?

Dold: Das steht in den Sternen. Aber sicher ist, dass Heerbrugg strategisch einer der wichtigsten Standorte der Hexagon-Gruppe bleibt.

Interview: Gert Bruderer





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