Tagblatt Online, 09. Juli 2011 01:07:44
«La Vita» soll Umbau selbst finanzieren
Das Seniorenzentrum La Vita soll erweitert und saniert werden. (Bild: Rebecca Meier)
Das Seniorenzentrum La Vita soll erweitert und saniert werden – für geschätzte 15 Mio. Franken. Der Gemeinderat will die Steuerzahler aber nicht belasten: Er entscheidet sich für eine vollständige Selbstfinanzierung durch den Betrieb.
Lea Müller
Goldach. Die Steuerzahler dürften nicht zur Kasse gebeten werden: «Noch vor 40 Jahren wäre das selbstverständlich gewesen», sagt Gemeindepräsident Thomas Würth. «Doch die Philosophie hat sich geändert.» Heute herrsche die Meinung vor, dass kommunale Institutionen wie Altersheime und Seniorenzentren Investitionen selber tragen müssten – genau wie die privaten Anbieter auf dem Markt.
Mit Zimmerpreisen finanziert
Mit der neuen Gemeindeordnung, die am 1. Januar 2013 in Kraft tritt, erhält das Seniorenzentrum La Vita eine vollständig eigene Rechnung und ist nicht mehr Bestandteil des Gemeindehaushalts. Anhand des Vorprojekts und geschätzten Baukosten von 15 Mio. Franken prüfte der Goldacher Gemeinderat, ob das «La Vita» die Erweiterung und Sanierung vollständig selber finanzieren könnte. Wie im aktuellen «Wellenbrecher» zu entnehmen ist, kam er zum Schluss: Die Finanzierung ist möglich. Die Investitionen müssten über die Zimmerpreise refinanziert werden. Dafür wurde ein neuer Businessplan erstellt: Das Seniorenzentrum La Vita wird demnach neu über 73 Zimmer in fünf verschiedenen Preiskategorien anbieten. Der tiefste Zimmerpreis beträgt 100 Franken, der höchste liegt bei 160 Franken pro Tag. «Die Zimmerpreise sind marktkonform», betont Thomas Würth. Bei einer Auslastung von 98 Prozent resultiert ein Jahresumsatz von 3,2 Mio. Franken. Nach 25 Jahren wären die Investitionen abgeschrieben und verzinst.
«Wir möchten der Bürgerschaft deshalb das Modell der vollständigen Selbstfinanzierung durch den Betrieb vorschlagen», sagt Thomas Würth und betont: «Der Businessplan wird nochmals berechnet, sobald der Kostenvoranschlag vorliegt.» Die Bürgerschaft hatte den Projektierungskredit gesprochen, um einen Kostenvoranschlag für das Bauprojekt auszuarbeiten. Der Gemeinderat hat den Architekturauftrag öffentlich ausgeschrieben, worauf sich neun Büros bewarben. Laut Thomas Würth läuft das Auswahlverfahren noch. Der Gemeinderat will der Bürgerschaft im nächsten Juni den Baukredit vorlegen. Frühester Baubeginn wäre Anfang 2013.
Verkauf kommt nicht in Frage
Der Gemeinderat prüfte laut Thomas Würth noch andere Finanzierungsmöglichkeiten. «Wir hatten Anfragen von Investoren, die das Grundstück mit dem Gebäude im heutigen Zustand kaufen wollten», erzählt er. Der Investor hätte dann mit einem privaten Unternehmer im Gesundheitsbereich einen langjährigen Mietvertrag abgeschlossen. «Wir haben uns aber entschieden, den Betrieb weiterhin selbst zu führen. Das machen wir seit 35 Jahren erfolgreich», sagt der Gemeindepräsident. Er sei überzeugt, dass es für betagte Menschen in Goldach wichtig sei, dass die Gemeinde hinter dem «La Vita» stehe.
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