Tagblatt Online, 03. Februar 2012 07:57:00
Musik für zufällige Zuhörer
Private Blend X: Einst war Sänger Joël Ziegler (rechts) bei Niklaus Looser in der Musikschule, dieses Jahr spielt er am See Konzerte. (Bild: pd)
RORSCHACH. Die Veranstaltungsreihe Kultur pur ist im Laufe der vergangenen Jahre zur Tradition geworden. Organisator Niklaus Looser hat aus einer selten genutzten Bühne einen Ort gemacht, der Rorschach rund um den Bodensee bekannt macht.
DOMINIK BÄRLOCHER
Der Pavillon beim Rorschacher Hafen ist bekannt dafür, dass dort in der Regel nichts passiert. Es sei denn, es ist Sommer und Niklaus Looser lädt zu einem seiner «Kultur pur»-Anlässe ein. Blasorchester, Big Bands, Rockmusiker und Chöre treten in diesem Jahr während zwölf Wochenenden im Juni, Juli und August auf. Obwohl er laut über das Aufhören nachgedacht hat, ist Organisator Niklaus Looser eifrig bei der abschliessenden Planung. «Das Programm steht schon fast», sagt der Rorschacher Musiker mit einem breiten Lachen.
Rorschach, der Kulturplatz
«Ich habe viele Anfragen von Bands aus allen Ecken des Bodensees und aus allen Stilrichtungen», sagt Looser. Es sei dieser Mix, der ihn an «Kultur pur» so gefalle, genau wie auch das Konzept. Die Musikerinnen und Musiker treten auf, es wird kein Eintritt verlangt, und jeder, der will, kann zuhören. So kommen laut dem Organisator auch Passanten in den Genuss der Musik, die sich sonst nie für die Stilrichtung interessiert hätten. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: «Die Musiker bringen ihre Fans nach Rorschach.» So spreche sich Loosers Veranstaltungsreihe – und damit auch Rorschach als Kulturort – in der ganzen Schweiz herum.
Viele Bands wollen gegen Gage spielen. Doch die muss Looser aus finanziellen Gründen ablehnen. Aber er macht sich keine Sorgen. Er zählt auf den laut ihm bemerkenswerten Zusammenhalt in der Hafenstadt. So hat der Sänger von «Private Blend X» – die Band hat im vergangenen Jahr einen Talentwettbewerb gewonnen – einst bei Looser Musikunterricht genommen. Andere Formationen sind seit Jahren Stammgäste im Pavillon. Und junge, motivierte Menschen helfen ihm, ein attraktives Programm zu schaffen.
Es fehlen 4000 Franken
Die Planung des Anlasses fällt ihm leicht, die Finanzierung hingegen weniger. «Ich will, dass die Anlässe für das Publikum gratis bleiben», sagt er. Den Musikern bezahlt Niklaus Looser eine Spesenentschädigung. Zudem versucht er, den Aufwand für die Bands klein zu halten. «Ich habe viele Instrumente in meinem Musikatelier. Die können die Bands gerne benutzen», erklärt er. Auch vom Musikgeschäft von Andi Leumann wird er unterstützt.
Trotz des kleinen Aufwands und der grossen Mithilfe Loosers klafft derzeit ein Loch von 4000 Franken in der Kasse von «Kultur pur». Grosssponsoren habe er keine, sagt Looser. «Oft bekomme ich zu hören, dass die Banken oder Versicherungen dann alle Anlässe sponsern müssten.» Worauf er sich aber in der Vergangenheit immer verlassen habe: Die Stadt und ihre Bewohner. «Ich bin zuversichtlich, dass wir auch dieses Loch stopfen werden.»
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