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Rheintaler, 11. Juni 2012, 08:54 Uhr

Zu steil für den Hybridbus

Hybridbus Zoom

Fährt sehr langsam den Hügel hinauf: Der Hybridbus, den die VBSG zurzeit testen, eignet sich nicht für die St. Galler Topographie. (Bild: Urs Jaudas)

ST.GALLEN. Seit zwei Monaten ist auf dem Netz der VBSG ein Hybridbus im Einsatz. Noch vor dem Ende des Tests ist klar: Die Technologie ist für St. Gallen noch zu wenig ausgereift. Der Elektromotor ist zu schwach für die steilen Hügel der Stadt.

TOBIAS HÄNNI

Der Hybridbus ist kaum besetzt. Vielleicht zehn Leute fahren an diesem Vormittag auf der Linie 9 Richtung Rotmonten. Trotzdem schleicht der Bus, den die städtischen Verkehrsbetriebe (VBSG) zurzeit testen, im Schneckentempo die Zwinglistrasse hinauf. «Wäre der Bus voll besetzt, käme ich kaum den Berg hinauf», sagt Sandro Widmer, der an diesem Tag die Strecke vom Hauptbahnhof über Rotmonten bis zum Gallusmarkt fährt.

Mühe, den Fahrplan einzuhalten

Seit Mitte April ist der Hybrid der Marke MAN auf den St. Galler Strassen im Einsatz. Der Zweiachser wird von einem Elektromotor und – wenn dessen Batterie leer ist – von einem Dieselmotor angetrieben. Noch bis Mitte Monat läuft die Testphase, doch schon jetzt ist klar: Der Bus ist für St. Gallen ungeeignet. «Der Hybrid ist für die Hügel dieser Stadt zu schwach», sagt VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Vor allem fürs Anfahren auf steilen Strassen habe der Elektromotor zu wenig Kraft. «Da kommt der Bus fast nicht von der Haltestelle weg. Folglich haben wir Mühe, den Fahrplan einzuhalten.»

Einsparungen zu klein

Mehr noch: Die Topographie macht den VBSG auch bei den erhofften Einsparungen beim Treibstoffverbrauch einen dicken Strich durch die Rechnung. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass ein Hybrid auf flachen Strecken bis zu 30 Prozent weniger Diesel als ein herkömmlicher Bus verbraucht. «Bei uns liegen sie deutlich unter 15 Prozent», sagt Eigenmann. Für ihn müssten die Einsparungen grösser sein. Denn ein Hybridbus kostet 150 000 Franken mehr als ein Dieselbus. «Natürlich könnten wir der Umwelt zuliebe diese Mehrkosten in Kauf nehmen.» Allerdings müsse man in die Beurteilung der Umweltfreundlichkeit auch die Herstellung der Elektromotoren mit einbeziehen, allem voran die Batterien. «Es ist unklar, wie viel Schaden diese der Natur zufügen», sagt Eigenmann.

Eine Befragung der Chauffeure, die in den letzten Wochen mit dem Hybridbus unterwegs waren, hat laut Eigenmann einen weiteren Schwachpunkt aufgezeigt: «Die Fahrer waren vom Bremsverhalten gar nicht begeistert.» Buschauffeur Sandro Widmer präzisiert: «Ich muss das Pedal mehr durchdrücken als bei den anderen Bussen.»

Verbrauchsarmer Diesel

Immerhin: Leise ist der Bus. Im Innern des Gefährts ist ausser dem Surren der Klimaanlage nichts zu hören. Und auf der Strasse bewegt sich der Bus beinahe lautlos. «Wir haben von Anwohnern positive Rückmeldungen erhalten», sagt Eigenmann, der im VBSG-Depot selbst einmal vom Hybrid überrascht wurde. «Auf einmal stand er hinter mir.»

Trotzdem werden die VBSG vorläufig auf den Kauf von Hybridbussen verzichten. Zumal sie in St. Gallen auch für die flachen Strecken ungeeignet sind. «Für die stark frequentierten Linien auf der Ost-West-Achse sind sie zu klein», erklärt der Unternehmensleiter. Die Hybridtechnologie werde jedoch weiterverfolgt. Bis diese für das steile St. Gallen genügend ausgereift ist, werden die VBSG weiterhin auf Dieselbusse setzen. «Dank einem neuen Getriebe verbrauchen die Busse beinahe nur noch so viel Diesel wie der getestete Hybridbus», sagt Eigenmann. Ausserdem verfügten sie über einen ruhigeren Motor.

Die VBSG wollen ihre Flotte bald ausbauen. «Wegen dem Ausbau des Netzes und der Fahrplanverdichtung ist sie zu klein.» Zudem müssen vier alte Gelenkbusse, die an Fussballspielen im Einsatz stehen, ausgetauscht werden. «Wir bereiten die Beschaffung zurzeit vor und wollen sie noch dieses Jahr dem Stadtrat unterbreiten», sagt Eigenmann.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolfk31 (11. Juni 2012, 13:18)
Man montiere ...

an jedem amtlich spezifizierte und kontrollierte Bus Sitzplatz eine Velo Trampi um die Battereien umweltfreundlich zusätzlich auf zu laden gogen ...

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