Tagblatt Online, 27. März 2010 01:03:44
Aus CD wird Stossstange
Weggefeilt: Nachdem die CDs durch Kratzer unlesbar gemacht worden sind, können sie im Schlitz entsorgt werden. (Bild: Bild: Urs Bucher)
Wer seine alten CDs entsorgen will, kann das in jeder grösseren Migros tun. Eine der ersten Filialen mit CD-Recycling-Stelle war der Säntispark. Verarbeitet werden die CDs in China.
Dominik Bärlocher
Abtwil. Seit dem Umbau im vergangenen Jahr können in der Migros Säntispark alte CDs entsorgt werden, dies im Rahmen eines grossangelegten CD-Recycling-Projekts. Der Säntispark ist damit eine der ersten Migros-Filialen, die nach einer erfolgreichen Testphase über eine CD-Rückgabestelle verfügt.
Nachdem im Rahmen besagten Pilotprojekts 2009 das Ziel von einer Tonne CDs – das sind etwa 66 667 Stück – um 200 Kilogramm oder circa 13 333 Silberscheiben übertroffen wurde, ist nun in allen grösseren Migros-Filialen in der Ostschweiz ein Schlitz zur CD-Entsorgung zu finden.
«Die Reaktionen auf die CD-Sammelstelle sind ausschliesslich positiv, und wir haben seit November bereits etwa 45 Kilogramm CDs in Abtwil gesammelt», sagt Judith Bösch, Medienverantwortliche Migros Ostschweiz.
Reise in den Osten
Doch am Schlitz an den Migros-Recyclingstellen beginnt die Reise der alten Scheiben erst. Die im Säntispark eingeworfenen Silberlinge gelangen zuerst nach Gossau und werden dort zwischengelagert. «Die CDs reisen mit den normalen Migros-Lastwagen.
So entstehen keine zusätzlichen Fahrten, und die Umweltfreundlichkeit unseres Projekts wird gewahrt», sagt Claudia Stocker Suter vom Verein Redisc, der das CD-Recycling-Projekt ins Leben gerufen hat. Vom Fürstenland aus gelangen die Scheiben zur Innorecycling AG in Eschlikon. Von dort werden sie via Basel und Rotterdam mit dem Schiff nach China befördert, wo die CDs schliesslich regranuliert, also wieder zu industriell nutzbarem Rohplastik verarbeitet werden.
«In China werden die CDs mittels Natronlauge von allen Beschichtungen befreit. Es bleibt nur eine transparente Plastikscheibe», sagt Claudia Stocker Suter. Dieses Verfahren sei ebenfalls umweltfreundlich, fügt sie hinzu. Danach werden die entstandenen Plastikscheiben gehäckselt und als sogenanntes Regranulat weiterverkauft. Diese feinen Plastikkörner – ein Korn ist nicht viel grösser als eine Bleistiftspitze – können zwar nicht für neue Compact Discs verwendet werden, doch lassen sich daraus unter anderem Dinge wie Velohelme, Stossstangen und medizinische Geräte herstellen.
Datenschutz gewährleistet
«Die Sorge, dass irgendjemand die Familienbilder auf einer weggeworfenen CD ansieht, ist vollkommen unbegründet», sagt Judith Bösch. Man müsse die CD lediglich unlesbar machen. Die Methode dazu ist einfach und rabiat zugleich: Man zerkratzt oder zerbricht die CD. Wer dies zu Hause unterlassen hat, kann das schnell, effizient und einfach links neben dem CD-Einwurf tun.
Dort finden die Recycler eine Feile, die jeden Silberling mit einem Handgriff endgültig unlesbar macht.
Die Idee zum Projekt kam Redisc-Präsidentin Claudia Stocker Suter im Zuge einer Ausbildung des World Wide Fund for Nature (WWF). Vom WWF-Projekt zur Umsetzung gelangte das Projekt laut Redisc-Website im März 2009. Drei Filialen der Migros Ostschweiz starteten das Pilotprojekt, welches nun bis mindestens Ende 2010 in der Genossenschaft Migros Ostschweiz fortgeführt wird.
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