Tagblatt Online, 18. Februar 2012 09:07:00
Der Schnee verdirbt das Eis
Dünnes Eis mit schlechter Qualität: Wegen des Schnees konnte sich kein schönes Eis bilden. (Bild: Urs Jaudas)
ST.GALLEN. Trotz tagelanger eisiger Kälte hat sich auf dem Buebenweier kaum Eis gebildet. So wird es mit Natur-Schlittschuhlaufen in diesem Winter wohl nichts mehr. Schuld daran ist der Schnee.
SEBASTIAN SCHNEIDER
Am Donnerstag beim Buebenweier. Jürg Aerne notiert: «Rund sieben Zentimeter Eis.» Der Leiter des technischen Dienstes vom Strasseninspektorat ist ernüchtert. «Schade, dass es nicht klappen wollte.» Überrascht ist er nicht ob den Resultaten. «Der Schnee hat die Oberfläche die ganze Zeit wie ein Pelzmantel vor der Kälte geschützt», erklärt der Mann, der zur Sicherheit eine Schwimmweste trägt. Die pulvrige Schneedecke der letzten Tage habe besonders isolierend gewirkt, da in ihr viel Luft eingeschlossen war. Nachdem Aerne zusammen mit Beat Vetterli vom Strasseninspektorat und einem weiteren Mitarbeiter die ungefähre Dicke mit einem Bohrer evaluiert hat, greift er zur Kettensäge. «Ich möchte mir den Querschnitt ansehen.» Dieser gibt Aufschluss über die Eisqualität: «Da haben wir gerade mal einen Zentimeter schönes Eis, beim Rest hat sich Schnee eingemischt. Der milchige Teil ist daher brüchiger und instabiler.»
Erfahrung enorm wichtig
Warum eigentlich messen Aerne und Vetterli das Eis – jetzt, wo es wärmer wird und der Schnee schon seit Wochen die Hoffnung auf Eis unter sich begräbt? «Es geht um Erfahrungswerte», sagt der Medienverantwortliche der Stadt, Urs Weishaupt, der auch vor Ort ist. «Selber wäre ich nie in der Lage, den Weiher freizugeben, obwohl ich das Messverfahren mittlerweile gut kenne.» Für diese grosse Verantwortung brauche es auch Fingerspitzengefühl, darum werde regelmässig gemessen. «Ich bin deshalb froh», so Weishaupt, «dass Vetterli 25 Jahre und Aerne zehn Jahre Erfahrung mitbringen.»
Curling-Wettkampf auf Weiher?
Weishaupt und die drei Mitarbeiter hoffen auf gutes Eis in den nächsten Wintern. Ihnen schwebt nämlich eine Idee vor: «Es wäre super, wenn wir mal ein Curling-Turnier austragen könnten», sagt Weishaupt. Die Ecke, wo eben die Eisdicke gemessen wurde, hätten sie bereits ausgemessen. «Beim nächsten dicken Eis entsteht hier die Bahn. Beim Curlingclub lagern auch schon Steine.»
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