Tagblatt Online, 16. Oktober 2011 07:05:22
Für unbeschwerte Ferien
Das Betreuerteam beim Küchendienst: Stephan Graf, Rebecca Nejer, Adrian Lemmermeier, Philipp Abegg und Regula Brander (von links). (Bild: Adi Lippuner)
Auch Menschen mit einer Behinderung wollen den Sommer, die «schönste Zeit des Jahres», ausserhalb ihrer gewohnten Umgebung geniessen. Möglich wird dies dank freiwilligen Helfern und Zivildienstlern von insieme Ostschweiz.
Ein heisser Sommertag neigt sich dem Ende zu. Die Teilnehmer des Ferienlagers von insieme Ostschweiz kehren in Begleitung ihrer Betreuer von der Wanderung über den Klangweg Sellamatt-Iltios nach Wildhaus zurück. Müde, aber glückliche Gesichter sind auszumachen. Als erstes gilt es, die Körperpflege und das Umziehen zu organisieren. Obwohl es erst der vierte Ferientag ist, läuft alles wie am Schnürchen. Nach und nach finden sich die Lagerteilnehmer, fünf Frauen und acht Männer unterschiedlichen Alters, im Aufenthaltsraum ein. Die einen greifen zum Puzzle, andere machen es sich mit einem Spiel gemütlich und ein paar sitzen einfach zufrieden da. «Ich freue mich aufs Abendessen, die Wanderung war schön, aber anstrengend», so eine der Aussagen.
Gut und abwechslungsreich
Für die sechs Betreuer, zwei Freiwillige und vier Zivildienstler, Philipp Abegg, Lagerleiter, Regula Brander, Co-Leiterin und verantwortlich für den Bereich Küche, Rebecca Nejer, Adrian Lemmermeier und Stephan Graf geht die Arbeit weiter. Einzig Markus Wellauer verabschiedet sich: Er geniesst den einzigen freien Tag des zweiwöchigen Einsatzes.
Gefragt sind nun die Kochkünste, «denn gutes und abwechslungsreiches Essen gehört während der Ferien einfach dazu», so Philipp Abegg. Während das Team eifrig mit Kochen beschäftigt ist, bleibt Zeit für ein Foto, wobei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur das Betreuerteam aufs Bild kommt.
Aktivitäten sind während der zwei Wochen im oberen Toggenburg gross geschrieben. Nebst Ausflügen in die Umgebung steht der Wunsch nach «Lädele und Käfele» in Buchs und am Werdenbergersee bei den Teilnehmern ganz zuoberst auf der Hitliste.
Doch was bringt eigentlich Menschen dazu, sich zwei Sommerwochen in den Dienst behinderter Mitmenschen zu stellen? Rebecca Nejer, sie hat soeben die Wirtschaftsmittelschule abgeschlossen, meint: «Ich will Erfahrungen sammeln und mich auf die Ausbildung zur Primarlehrerin vorbereiten.» Philipp Abegg: «Bei mir ist es bereits der zweite Einsatz. Letztes Jahr war ich Co-Leiter, dieses Jahr habe ich die Leitung übernommen. Bei dieser Tätigkeit wird spürbar, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen. Hier geht es um Menschen, die Betreuung brauchen und dies ergibt eine ganz neue Dimension von Verantwortung. Zudem geben uns die Behinderten sehr viel zurück.»
Strukturiert und doch locker
Die Tagesabläufe in der grosszügigen Unterkunft «Rösliwiese» sind strukturiert, allerdings können, je nach Wetter und geplanter Unternehmung, zeitliche Kompromisse gewährt werden. Regula Brander bringt das Ganze auf den Punkt: «Im Zentrum stehen die Teilnehmer und alles andere wird darum herum organisiert.» Will heissen: Wenn jemand nicht wandern will, muss er nicht. Möchte ein Teilnehmer ein Nickerchen machen, steht dem nichts im Weg. «Die Behinderten sind das ganze Jahr in einer Tagesstruktur eingebunden und sollen während der Ferien selbst bestimmen können, was sie tun oder lassen möchten.»
Für die Betreuer bedeutet dies: Tagwache am frühen Morgen, um auf die individuellen Bedürfnisse eingehen zu können. Zudem gilt es, die Einnahme der verordneten Medikamente strikt zu überwachen. Tagsüber ist das ganze Team, das schon nach wenigen Lagertagen zu einer Einheit zusammen gewachsen ist, gefordert. «Am Abend, die Schlafenszeit für die Teilnehmer ist individuell zwischen 20 und 22.30 Uhr, sitzen wir noch gerne zusammen und lassen den Tag bei einem guten Gespräch ausklingen.»
Adi Lippuner
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