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Rheintaler, 19. Juli 2012, 07:52 Uhr

Kunstwerk am Hochhaus

Zoom

Malermeister Philipp Grob vor seinem Werk «Schmidenbach» am Hochhaus Wilerstrasse 55 in Wattwil. (Bild: Hansruedi Kugler)

WATTWIL. Am nördlichen Dorfrand hat Wattwil ein neues Wahrzeichen erhalten. Am Hochhaus an der Wilerstrasse 55 empfangen seit kurzem aufgemalte Schmiede die nach Wattwil Fahrenden. Die Grob Malerbetrieb AG hat das Gemälde realisiert.

HANSRUEDI KUGLER

Philipp Grob braucht seinen Stolz gar nicht erst zu verbergen: «So etwas macht man als Malermeister nicht alle Tage», sagt er zufrieden über sein Monumentalgemälde. Fünfundzwanzig Meter hoch ist die Ostfassade des Hochhauses an der Wilerstrasse 55 in Wattwil – dort, wo der Schmidenbach am Nordrand des Dorfes in die Thur fliesst. In früheren Zeiten sei hier einmal eine Schmiedewerkstatt gestanden, deshalb der Name «Schmidenbach», schreibt Thomas Appius in seinem kürzlich erschienen Buch «Flur- und Strassennamen in Wattwil». Wo genau diese Schmiedewerkstatt stand, weiss heute niemand mehr. Die etwas nostalgisch gemalte Erinnerung an das Handwerk aber wird einem nun an der Wilerstrasse grossformatig vor Augen geführt.

Dorfeingang aufwerten

Seit 1996 ist das 1963 errichtete Gebäude wärmegedämmt. Und 2003 wurde das Hochhaus im Inneren total renoviert und einige Wohnungen wurden zusammen- gefasst. Nun gibt es im Gebäude 22 Wohnungen auf acht Etagen. «Aber das helle Grau an der Aussenfassade sah einfach nicht mehr schön aus», sagt Treuhänder Alfred Lang, Chef der Gamma AG und Mitinhaber des Hochhauses. Er wollte deshalb die Fassade aufhellen und wie er sagt, «den nördlichen Dorfeingang mit einer freundlicheren Fassade einladender gestalten.» Mit der Idee, die Ostfassade mit einem Gemälde zu versehen, traf er sich mit Philipp Grob, dem Geschäftsleiter der Grob Malerbetrieb AG aus Neu St. Johann, der seit Jahren für Langs Liegenschaften in Wattwil die Malerarbeiten ausführt. Zuerst habe er betriebsintern Ideen gesucht und auch Motive aus der Toggenburger Landschaft oder der textilen Blütezeit Wattwil diskutiert, erzählt Philipp Grob. Bald war aber dem Initianten Lang und dem Ausführenden Grob klar: Am besten würde ein Gemälde passen, das auf den Flurnamen «Schmidenbach» verweist. Philipp Grob recherchierte und zeichnete mit seinen Mitarbeitern Skizze um Skizze, bis die drei Bildmotive (Schmied, Esse, Wasserrad) feststanden sowie die Senkrechte mit dem Schmidenbach und die Diagonale mit dem Lichteinfall das Wandbild vervollständigten. Mit Hilfe eines Quadratrasters wurden die Skizzen dann auf die eingerüstete Fassade übertragen. Nun fliesst der Schmidenbach also nicht nur unauffällig und real durch den nahen Wald, sondern stürzt gemalt auch 25 Meter senkrecht die Ostfassade des Hochhauses hinunter – über das Wasserrad, vorbei an zwei Gesellen, die vor einer Esse ein Hufeisen zurecht hämmern und am kräftigen Meister, der mit entblösstem, kräftigem Unterarm einen Rohling auf dem Amboss schmiedet. Die Bildmotive sind sehr schön mit dem hellen Grün, der neuen Grundfarbe des Gebäudes, verbunden. «Wir wollten nichts Plakatives», sagt Philipp Grob. «Die Bildmotive sollten nicht zu realistisch wirken, sondern teilweise mit dem Hintergrund verschmelzen.» Dies gelingt denn auch mit grafischen Elementen und den teilweise kubistisch aufgebauten Körpern und Objekten. Hervorgehoben und markant sind insbesondere die leuchtend orangen Elemente, die Kraft und Dynamik ausstrahlen: Das Feuer, die muskulösen Arme, das Wasserrad.

Im Toggenburg selten

Solche Wandgemälde wie an der Wilerstrasse 55 sind in Wattwil sonst nur an wenigen Gebäuden zu sehen. Am Schulhaus Dorf sieht man einen Schäfer, der wilde Tiere in brave Schafe verwandelt – eine drastische Allegorie auf die schulische Menschenbildung: «Vollbringe diese Verwandlung an meinen Söhnen» steht darunter. Und im Eingang zur Dorfkorporation an der Bahnhofstrasse hat Willy Fries vier Szenen aus Ulrich Bräkers Leben gemalt. Das Gemälde an der Wilerstrasse ist auch für Philipp Grob eine «einmalige Chance, an einem so prominenten Ort eine Wandbemalung zu realisieren». In seinen Lehr- und Wanderjahren hat er drei Jahre bei einer Firma gearbeitet, die in ganz Europa Illusionsmalereien ausgeführt hat. Im Toggenburg wird das Handwerk vor allem bei der Renovation oder Neubemalung an den traditionellen Toggenburger Häuser mit ornamental bemalten Untersichten, Fensterläden oder Fassadenfüllungen angewendet.

Keine Baubewilligung nötig

Mit dem Schmidenbach-Gemälde hat Wattwil nun ein neues Wahrzeichen bekommen. Ein Baubewilligungsverfahren brauche es auch für derart grosse Wandbemalungen grundsätzlich nicht, sagt Peter Schweizer, Leiter Bau und Planung auf der Wattwiler Gemeindeverwaltung. Einschränkungen gibt es nur bei Gebäuden in einer Ortsbildschutzzone oder bei denkmalgeschützten Objekten. «In diesem Fall kam der Eigentümer von sich aus mit Farbmustern und Skizzen des geplanten Gemäldes auf uns zu», so Peter Schweizer. Die Baukommission habe diese Pläne geprüft: «Die Baukommission hatte keine Einwände, sondern hat Freude am frischen und geglückten Gemälde», betont Peter Schweizer.



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