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Rheintaler, 19. Juli 2012, 07:16 Uhr

Amriswil fehlen die Ärzte

St. Gallen - THEMENBILD gestellt Hausarzt mit Patientin in der Arztpraxis Zoom

Sprechstunde: Neuzugezogene Amriswiler müssen Hürden bewältigen, bis sie mit einem Hausarzt ein vertrautes Gespräch führen können. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

AMRISWIL. In Amriswil ist der Mangel an Grundversorgern bereits jetzt akut. Experten prognostizieren diese Entwicklung bundesweit erst für die kommenden Jahre. In dieser Periode werden rund drei Viertel der Haus- und Kinderärzte in Pension gehen.

GIOIA ZOGG

Nur zwei von acht Hausarztpraxen nehmen in Amriswil noch bedingungslos neue Patienten an. Neuzuzüger, die nicht mobil sind, haben es schwer, einen Hausarzt in ihrer Nähe zu finden. Die Kapazitäten bei den einzelnen Ärzten sind oft schon seit Jahren ausgeschöpft. Müssten neue Patienten aufgenommen werden, wären lange Wartezeiten auf einen Termin oder Zeitknappheit bei der Behandlung die Folge.

Dass es in Amriswil zu wenig Hausärzte gibt, weiss auch die Stadtverwaltung: «Es ist schon so, dass wir einen Ärztemangel haben, nicht nur bei den Grundversorgern, auch bei Spezialisten. Momentan ist der Stadtrat aber in dieser Sache nicht aktiv. Tatsächlich gibt es auch nicht viel, was wir machen können», sagt Stadtammann Martin Salvisberg. Das Problem liege zum einen darin, dass es immer mehr Spezialisten gibt, zum anderen wohl auch daran, dass junge Ärzte eine Praxis heute eher in Ballungszentren und nicht in ländlichen Regionen eröffnen.

Ein Strukturproblem

Tatsächlich bestätigen die Zahlen die Annahmen von Salvisberg. In der Periode von Anfang Januar bis Ende Mai wurden im Kanton Thurgau dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr weniger Zulassungen für Grundversorger, hingegen mehr Zulassungen für Spezialisten erteilt. Zudem werden eher in Städten Arztpraxen eröffnet. Es wurden vor allem für Frauenfeld und Kreuzlingen Bewilligungen ausgestellt. Mathias Wenger vom kantonsärztlichen Dienst Thurgau sieht das Problem weniger als Mangel, sondern als ein Struktur- und Organisationsproblem.

Grundsätzlich gebe es nicht zu wenig Ärzte, man dürfe bei der steigenden Zahl an Gruppenpraxen einfach nicht mehr erwarten, dass jeder Patient zu Fuss zum Hausarzt gehen könne. Bei der hohen Mobilität und Vernetzung der Bevölkerung sei das normalerweise aber auch kein Problem. Hinzu käme auch, dass viele Ärzte mehr Patienten behandeln könnten, wenn sie gewisse Tätigkeiten an ihr Gesundheitsfachpersonal delegieren würden. Dadurch würden die Patienten nicht weniger qualifiziert behandelt, und Ärzte könnten effizienter arbeiten.

Gruppenpraxis kommt nicht

In Arbon hat man schon erkannt, dass durch bevorstehende Pensionierungen der lokalen Ärzte die Grundversorgung bald nicht mehr gewährleistet sein wird. Deshalb haben die ansässigen Ärzte das Medizinische Zentrum Arbon initiiert.

Damit wurde dem Trend entsprochen, dass junge Ärzte heute lieber in Gruppenpraxen tätig sind. Diese bieten bessere Jobsharing- und Vertretungsmöglichkeiten und erleichtern den Ärzten somit eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Pläne liegen auf Eis

Auch in Amriswil wäre eine Gruppenpraxis eine Möglichkeit, neue Ärzte zu binden. Tatsächlich gab es vor einiger Zeit Pläne zur Schaffung eines Gesundheitszentrums der Santémed, einem Unternehmen der Swica. Nach dem Vorbild des Gesundheitszentrums in Kreuzlingen, das im Oktober eröffnet wird, hätte ein solches auch im neuen Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse gegründet werden sollen.

Diese Pläne liegen nun aber vorerst auf Eis, sagt Geschäftsführer Daniel Junker. Das liege nicht am fehlenden Interesse der Swica. Junker weiss um das Potenzial in Amriswil. Ein Ärztezentrums wäre aber nur dann möglich, wenn mindestens einer, besser zwei bis drei der lokalen Ärzte bereit sind, eine Tätigkeit im Gesundheitszentrum aufzunehmen. «Wir stehen praktisch mit allen lokalen Ärzten in Kontakt, momentan ist aber leider niemand bereit, die eigene Praxis zu schliessen», sagt Junker. Würde sich an der Situation etwas ändern, könnte mit dem eigentlich bereits startklaren Projekt sofort losgelegt werden.



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